Alternativen zum Supermarkt

Von Lina Nagel
Aktualisiert am 17. Mär. 2021
Verpacktes Obst und Gemüse in einem Supermarkt

In Folie verpackte Äpfel, Spargel aus Kenia, Bio-Kartoffeln aus Ägypten: Viele Verbraucher wollen das importierte und in zahllose Plastikschichten eingepackte Obst und Gemüse aus dem Supermarkt nicht mehr kaufen. EAT SMARTER zeigt regionale und clevere Alternativen

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Ein typischer Mittags-Einkauf im Supermarkt gegenüber: Salat (in einer Plastiktüte), Tomaten (in einer Papp-Schale und einer Plastiktüte), Fetakäse (in einer Plastikhülle), dann noch ein paar Äpfel (in einer der dünnen Plastiktüten aus der Obst- und Gemüse-Abteilung). 

Der Salat stammt aus Rheinland-Pfalz, die Tomaten aus den Niederlanden, die Äpfel aus Neuseeland und der Käse aus Nordrhein-Westfalen. Nachdem Salat, Tomaten und Käse aus der Plastikverpackung befreit sind, bleibt vor allem: Müll. Und die Tomaten, die in der Packung so rot und glänzend aussahen, entpuppen sich als matschig. Zumal es ohnehin zu viele sind, als dass man sie aufessen könnte. 

Eines steht fest: Der Einkauf im Supermarkt kostet zuweilen nicht nur Nerven, wenn man nach der Arbeit in der langen Schlange vor dem Kassenband steht, sondern widerspricht dem Credo moderner Ernährung, möglichst regional und saisonal einzukaufen. EAT SMARTER hat sich nach Alternativen zur ewig gleichen Supermarkt-Einkaufstour umgesehen.  

1. Der gute alte Wochenmarkt 

Wochenmarkt HamburgWer in der Stadt wohnt, hat meistens einen Wochenmarkt vor der Tür, auf dem ein- bis zweimal die Woche Obst und Gemüse, Fleisch und Käse verkauft werden. 

Obwohl die Händler aus der Region stammen, müssen ihre Waren nicht automatisch regionalen Ursprungs sein. Viele Händler kaufen ihre Ware auf dem Großmarkt ein, aber eben nicht alle. Fragen Sie nach, wenn Sie unsicher sind.

Wenn Sie auf saisonale Ware setzen, ist der Einkauf auf dem Wochenmarkt oftmals nicht teurer als im Supermarkt. Denken Sie nur mal an Äpfel: Während diese im Supermarkt unabhängig von der Sorte alle 2,99 das Kilo kosten, bekommen Sie regionale Sorten auf dem Wochenmarkt oft für einen viel geringeren Preis. Zubereitungstipps und einen netten Plausch gibt es dafür ganz umsonst. 

Nachteil auf dem Wochenmarkt: Der Einkauf setzt ein wenig Planung voraus. Immerhin sollen die Einkäufe, wenn es gut läuft, für die Woche reichen. Auch ist ein gewisses Maß an Kommunikationsbereitschaft erforderlich, um nicht mit leeren Händen nach Hause zu gehen.

Einen Überblick über Deutschlands schönste Wochenmärkte gibt es bei den Kollegen von ZEIT Online.

2. Die Biokiste vom Bauern 

Obst und Gemüse in einer Holzkiste

Regionales, ökologisch erzeugtes Gemüse direkt vom Bauern, das bietet die Bio-Kiste

Vom Hof wird die Kiste direkt zu Ihnen nach Hause geliefert; wie oft, bestimmen Sie selbst. Zu Anfangszeiten der Bio-Kiste waren die Abonnenten oftmals überfordert mit Gemüsesorten, von denen sie weder den Namen kannten noch wussten, wie man diese zubereitet; mittlerweile geben die Anbieter ihren Kunden mit einfachen Rezepten Hilfsmittel an die Hand. "Hass-Gemüse" wie zum Beispiel Rosenkohl oder Rote Bete können vorab ausgeschlossen werden. 

Die Bio-Kiste ist eine tolle Möglichkeit auch für viel beschäftigte Menschen, mit hochwertigen Lebensmitteln zu kochen, ohne dafür lange anstehen zu müssen. Außerdem überrascht die Kiste immer wieder mit neuen Gemüse- und Obstsorten. 

Hier finden Sie Anbieter im Zusammenschluss "Ökokiste"

3. Hofläden 

Schild zu einem Hofladen

Einige Höfe vermarkten ihr Obst und Gemüse nicht nur auf dem Wochenmarkt, sondern betreiben einen eigenen Hofladen. Naturgemäß finden sich diese häufiger in ländlichen Regionen, doch auch in der Stadt sind Hofläden auf dem Vormarsch.

Wer das Piepen der Supermarkt-Scannerkassen nicht mehr hören kann und Lust auf eine nette Beratung hat, ist im Hofladen gut aufgehoben. Ganz günstig sind die Waren dort allerdings nicht – der Wocheneinkauf für eine Familie kann im Hofladen empfindlich zu Buche schlagen. Wobei es natürlich auch hier von Laden zu Laden und von Region zu Region Unterschiede gibt. 

Inspirierend, gemütlich und schön ist der Einkauf im Hofladen in jedem Fall! 

Hier finden Sie eine Übersicht von Hofläden in Deutschland. 

4. Food-Coops

Mädchen schiebt eine Schubkarre mit frisch geerntetem Gemüse

Eine tolle Idee! Lebensmittelkooperativen, auch FoodCoops genannt, setzen auf die Stärke der Gemeinschaft: Wenn sich Menschen zusammenschließen, um bei einem regionalen Erzeuger zu bestellen, dann ist das günstiger, als wenn jeder für sich die Ware über einen Zwischenhändler erwerben würde. Und auch die Erzeuger profitieren, da ihnen die FoodCoops keine Kampfpreise aufdrücken wie die Supermarktketten. 

Foodcoops kaufen ökologisch und fair gehandelte Ware direkt vom Erzeuger, teilweise auch vom Großhändler. Die Verteilung untereinander geschieht zum Selbstkostenpreis mit einem geringen Aufschlag. Die anfallende Arbeit (bestellen, abholen, einsortieren, abrechnen, putzen) wird von den Mitgliedern übernommen. Jeder muss sich in die Gemeinschaft einbringen, dadurch findet man aber auch Kontakt zu Gleichgesinnten. 

Einkaufs-Kooperativen gibt es mittlerweile in vielen Städten, wobei ihre Ausprägung ganz unterschiedlich sein kann: Von kleinen Kooperativen, bei denen die Lebensmittel direkt verteilt werden, bis hin zu Vereinen, die eigene Lagerräume oder sogar Läden haben.

Informationen zu FoodCoops in Ihrer Nähe liefert die Website www.foodcoops.de oder auch www.solidarische-landwirtschaft.de.

5. Selbst ernten 

Wer nicht nur wissen möchte, wo sein Gemüse herkommt, sondern auch selber pflanzen, pflegen und ernten möchte, braucht dazu keinen eigenen Garten. 

Seit den 90er Jahren gibt es in Deutschland Selbsternte-Projekte, bei denen Sie Ihr eigenes Stück Acker bestellen können. 

Unter dem Motto "Echte Helden ackern selbst" vermietet zum Beispiel das Unternehmen "Ackerhelden" seit 2012 Ackerfläche im gesamten Bundesgebiet. Sie mieten sich ein Stück Acker, das für Sie mit bio-zertifizierten Pflanzen vorbepflanzt ist. Um Pflege und Ernte kümmern Sie sich selbst.

So funktioniert das Modell der Ackerhelden: 

Eine Übersicht über Selbsternte-Projekte in ganz Deutschland finden Sie auf der Website der "Gartenpiraten". 

Alle vorgestellten Möglichkeiten bedürfen natürlich eines größeren Zeitaufwandes als der Besuch im Supermarkt, und sicherlich ist es für berufstätige Menschen nicht möglich, immer bio und regional einzukaufen. Doch wer regelmäßig auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen einkauft, bekommt wieder ein Gefühl dafür, wie Obst und Gemüse eigentlich aussehen und schmecken können: Nämlich klein, teils unansehnlich, aber wahnsinnig aromatisch.

Gönnen Sie sich etwas Gutes!  

 
Liebe Lina, ich kann mich nur bedanken, du sprichst mir ja so aus der Seele. Ich hab mich schon als Kind gewundert, weshalb ziemlich alle Dinge so unglaublich oft Folie & Co. eingewickelt sind. Dabei kommt man offenbar auf immer neue Ideen, wie geschälte Bananen auf Styroportasse plus Frischhaltefolie. Als wären die Aufkleber auf jeder Banane nicht schon genug. Das war für mich einer der Hauptgründe dafür, ein Biokistl Abo beim Adamah Biohof zu nehmen. Die bekomme ich seit einem halben Jahr im Wochentakt geliefert, direkt vor die Haustür. Einziger Mehraufwand ist, die leere Kiste vor der Abholung raus zu stellen. Ansonsten kann ich mir alles hineintun, was es auch im Bio Supermarkt gibt. Das Obst-, Gemüse und einiges aus dem Frischwaren Sortiment kommen von regionalen Bauern. Ich nehme auch gern Südfrüchte dazu, aber selbst da wird bei den Lieferanten auf Kleinbetriebe geachtet. Für mich jedenfalls derzeit die beste Lösung, nachdem das mit Food Coop usw. nicht geklappt hat. Was ich zusätzlich brauche, hole ich mir vom Markt und aus dem Drogeriehandel. Dadurch fühle ich mich insgesamt unabhängiger und es entsteht viel weniger Müll als davor! Am liebsten wär mir natürlich Zero Waste.
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