Wertvolle Tipps

Vegane Kinderernährung – warum Experten davor warnen

Von EAT SMARTER
Aktualisiert am 16. Jun. 2020
Vegane Kinderernährung: Wer sie praktizieren will, muss einiges beachten. © oksun70 - Fotolia.com
Vegane Kinderernährung: Wer sie praktizieren will, muss einiges beachten. © oksun70 - Fotolia.com

Eine rein vegane Kinderernährung kann für Säuglinge und Kleinkinder unzureichend und mitunter sogar schädlich sein. Darauf haben Wissenschaftler im Rahmen der 92. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin in Saarbrücken hingewiesen. Der Grund: Die Kleinen erhalten nicht alle wichtigen und für das Wachstum erforderlichen Vitamine und Nährstoffe. Worauf Eltern achten sollten, wenn sie ihre Kinder vegan ernähren möchten...

share Teilen
print
bookmark_border URL kopieren

Veganer leben nach klaren Maßstäben: Tierische Produkte sind tabu – egal, ob es sich um Lebensmittel im Kühlschrank oder Kleidungsstücke und Wohnaccessoires handelt. Joghurt, Käse, Butter oder Wurst wird man in einem Veganer-Haushalt genauso wenig finden wie Lederjacken und Daunenkissen. Rund 700.000 Menschen in Deutschland leben inzwischen vegan – Tendenz steigend. Doch ist Veganismus auch für den Nachwuchs die richtige Ernährungsform?

Vegane Kinderernährung: Die DGE warnt davor

Viele Experten lehnen eine vegane Kinderernährung ab und warnen explizit davor – darunter auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). „Für vegan ernährte Säuglinge und Kinder kann es zu einer unzureichenden Zufuhr mit Energie, Protein, Eisen, Calcium, Jod, Zink, Vitamin B2, Vitamin B12 und Vitamin D kommen, und die Zufuhr langkettiger n-3 Fettsäuren kann ebenfalls zu gering sein. Bedingt durch das starke Wachstum und geringe Nährstoffspeicher steigt das Risiko für die Entwicklung von Nährstoffmangelzuständen“, heißt es auf der Homepage der DGE. Bei vegan ernährten Kindern seien „spezielle Kenntnisse der Lebensmittelauswahl und -zubereitung bzw. die Sicherstellung der Versorgung durch angereicherte Lebensmittel oder Supplemente erforderlich“. Auch auf der 92. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin in Saarbrücken wurde auf die Risiken einer veganen Kinderernährung hingewiesen: „Rein gestillte Säuglinge veganer Mütter haben ein hohes Rachitis-Risiko“, betonte die Rechtsmedizinerin Dr. Bianca Navarro-Crummenauer von der Forensischen Ambulanz am Institut für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Mainz.

Mögliche Folgen einer Mangelernährung

Unter einer Rachitis verstehen Mediziner eine Störung des Knochenstoffwechsels, die im Kindesalter unter anderem aufgrund einer Mangelernährung bzw. fehlendem Vitamin D auftreten kann. Als problematisch gilt im Falle einer rein veganen Ernährung zudem die unzureichende Versorgung mit Eisen und Vitamin B12. Bei einer gemischten Ernährungsweise gelangt beides über tierische Produkte in den Körper. Fehlt es den Kleinen an Vitamin B12, können eventuell Schäden im Gehirn und im Nervensystem auftreten.

Wie eine vegane Kinderernährung funktionieren kann

Viele vegan-lebende Eltern wollen bei der Ernährung ihres Nachwuchses jedoch keine Kompromisse eingehen. Gefährlich, betonen Veganer-Verbände, sei eine rein vegane Kinderernährung ohnehin nur, wenn alle tierischen Lebensmittel vollkommen unvorbereitet vom Speiseplan gestrichen würden. Bei der Ernährungsumstellung gilt es allerdings, einige wichtige Regeln zu beachten: So müssen fehlende Vitamine und Nährstoffe dringend als Zusatzstoffe verabreicht werden, damit eine Mangelernährung von Säuglingen und Kleinkindern ausbleibt.

Der Vegetarierbund Deutschland spricht sich für Supplemente aus

Letzteres empfiehlt auch der Vegetarierbund Deutschland. Auf der Homepage der Organisation heißt es: „Aufgrund der begrenzten Körperreserven nach der Geburt sollten alle gestillten Säuglinge von Veganerinnen ein Vitamin-B12-Supplement (z. B. Tropfen) erhalten. Empfehlenswert ist eine tägliche Gabe von 0,4 µg bis zum fünften und 0,5 µg Vitamin B12 ab dem sechsten Lebensmonat.“ Und weiter: „Bei der veganen Ernährung von Kleinkindern sollte darauf geachtet werden, dass die Nahrung ausreichend Energie und Protein und wenig Ballaststoffe enthält. Die Proteinversorgung kann durch die regelmäßige Verwendung von Getreide, Hülsenfrüchten und Kartoffeln verbessert werden.“

Fazit: Vegane Kinderernährung ist möglich, birgt aber Risiken

Eltern, die mit dem Gedanken spielen, ihre Kinder vegan zu ernähren, sollten also auf eine ausgewogene und abwechslungsreiche Kost bauen und nicht davor zurückschrecken, dem Nachwuchs zusätzliche Nährstoffe – ggf. in Form von Supplementen – zu verabreichen. Wichtig ist es zudem, die Ernährungspläne mit dem Kinderarzt abzustimmen und regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Kleinen durchführen zu lassen, damit möglicherweise vorhandene Vitamin- und Nährstoffmängel frühzeitig erkannt und behoben werden können. Befolgt man diese Regeln, ist eine vegane Kinderernährung durchaus umsetzbar.

(jad)

Bild des Benutzers Annika Rojas Gonzalez
Ich bin vegane Ernährungsberaterin und ernähre meine beiden Kinder auch vegan. Das ist überhaupt kein Problem. Und übrigens müssen auch omnivore Kinder Supplemente zu sich nehmen. In meiner Facebook Gruppe habe ich auch viele vegane Eltern, die sich über die vegane Ernährung bei ihren Kids austauschen. https://www.facebook.com/groups/109889707929455
 
Ein guter, ausgeglichener Kommentar! Erschreckend für mich ist, wie viele der sich vegan ernährenden Eltern ihre Kinder in jungen Jahren instrumentalisieren, nur um ihre eigenen Vorstellungen durchzusetzen und nicht immer zum Wohl der Kinder handeln. Was ist an einer Ernährung so gesund, wenn Kleinkindern von morgens bis abends Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden müssen?
 
Ja wirklich schlimm, was ich auch schlimm finde: Wenn manche Menschen ihre Kinder instrumentalisieren in dem sie ihre Werte für eine mischköstliche Ernährung aufzwingen. Wenn das Kind zum Beispiel sehr tierlieb ist und und dem Kind aber eine Ideologie aufzwingt wo es akzeptieren soll das Tiere auf grausame Weise ausgebeutet und geschlachtet werden. Manche Eltern handhaben es dann sogar so schlimm das sie ihren Kindern das tierleidvolle Essen reinstopfen wenn sie nicht parieren wollen. Nur weil sie nicht die Ideologie von einem selbst annehmen wollen. Immer wieder hört man auch von mischköstlichen Kindern die völlig mangelernährt sind und schwer übergewichtig. Solch eine Ernährung kann unmöglich gesund sein, wenn man dem Kind von morgens bis abends Lebensmittel, die voll mit ungesunden Fetten, Hormonen wie Adrenalin, Casomorphin oder andere Wachstumshormone beinhaltet, reinstopft. An die Psyche dieser Kinder mag man gar nicht erst denken. Wenn sie all das essen müssen obwohl sie wissen das dafür Tiere sterben und leiden mussten.
Schreiben Sie einen Kommentar