Wissenschaftlich geprüft
Dezember 2019, Harvard T.H. Chan School of Public Health, Boston, USA

Trotz vieler Kalorien: Geht Abnehmen mit Nüssen?

Von Cornelia Brammen
Aktualisiert am 04. Nov. 2020
© Unsplash/Maksim Shutov
© Unsplash/Maksim Shutov

Dass Nüsse im Rahmen einer vollwertigen Ernährung kompakte Nährstofflieferanten sind, hat sich offenbar herumgesprochen, denn der Verzehr steigt kontinuierlich. Nüsse enthalten aber auch viel Fett. Dennoch scheinen sie beim Abnehmen zu helfen – kann das sein?

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Worum ging es bei dieser Studie?

  • In den USA steigt der Verzehr von Nüssen einschließlich Erdnüssen, die streng genommen zur Gruppe der Hülsenfrüchte gehören, kontinuierlich. Wie ein steigender Nussverzehr und eine Gewichtsveränderung zusammenhängen, ist Gegenstand der Studie.
  • Erwachsene US-Amerikaner nehmen im Durchschnitt 0,45 Kilogramm pro Lebensjahr zu. Das entspricht einer Zunahme von fast zehn Kilogramm in zwanzig Jahren. Die Adipositaszahlen in den USA bestätigen diesen Trend. 40 Prozent der USA-Amerikaner sind fettleibig.
  • Die Entwicklung von Übergewicht und Adipositas zu verhindern, ist eine volkswirtschaftlich notwendige Strategie.
  • Reines Kalorienzählen hat sich als nicht erfolgreich erwiesen. Nüsse als Lebensmittel mit hoher Energiedichte haben zwar viele Kalorien. Ihr ausgewogener Nährstoffgehalt scheint jedoch eine wichtigere Rolle bei der Gewichtskontrolle zu spielen als bisher angenommen. 

Wie lautet die zentrale Forschungsfrage?

  • Wie wirkt sich ein veränderter Nussverzehr langfristig auf das Gewicht aus? Kann man mit Nüssen abnehmen?

Wie viele Probanden nahmen teil?

  • Die Database umfasst eine Stichprobe von 144.885 Männern und Frauen aus drei Längsschnittstudien in den USA: der Health Professional Follow-Up-Studie (HPFS) sowie den Nurses’ Health Studies (NHS) I und II.

Welche Methode wurde angewandt?

  • Von 1986 bis 2010 füllten die Teilnehmer an der NHS I und der HPFS alle vier Jahre einen Fragebogen aus, der den Verzehr von 130 Lebensmitteln abfragte. Die Teilnehmer aus der Gruppe NHS II starteten 1991.
  • Es gab fünf Abfragen zu Nüssen: Gesamtverzehr aller Nussarten inklusive Erdnüssen und Erdnussbutter, alle Nussarten ohne Erdnüsse und Erdnussbutter, nur Walnüsse, nur Erdnüsse und Erdnussbutter und alle Nüsse ohne Walnüsse und Erdnuss-Produkte.
  • Das Gewicht gaben die Teilnehmer ebenfalls alle vier Jahre selbst an. Das Wiegen von 165 Probanden durch die Forscher zeigte, dass die Selbstangaben korrekt waren.
  • Die Teilnehmer füllten alle zwei Jahre einen Fragebogen zu körperlichen Aktivitäten aus.
  • Ebenso werteten die Forscher Angaben zu Änderungen den Lebensstils wie Rauchen sowie Alkoholkonsum aus und bezogen diese in ihre statistischen Modelle mit ein.

Leckere Rezepte mit Nüssen

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

  • Durchschnittlich nahmen die Teilnehmer jedes Jahr 0,32 Kilogramm zu.
  • Teilnehmer, die Snacks, rotes Fleisch, Chips und Süssigkeiten durch Nüsse ersetzten, nahmen weniger zu als Teilnehmer, die dies nicht taten, obwohl sich ihr Nussverzehr deutlich über die Jahre steigerte.
  • Auch langfristig zeigte sich der positive Effekt der relativ unspektakulären Nuss-„Diät“ für alle untersuchten Nusssorten inklusive Mandeln und Erdnüsse.
  • Sättigung durch Kauen, hohen Ballaststoffanteil sowie Ankurbeln des Fettstoffwechsels durch die ungesättigten Fettsäuren von Nüssen sind wichtige Faktoren bei der Gewichtsregulierung.
  • Snacks durch Nüsse zu ersetzen hat sich in der Studie als wirkungsvolle Maßnahme zur Prävention von Übergewicht herausgestellt.

Wer hat die Studie finanziert und durchgeführt?

  • Hierbei handelt es sich um das National Institutes of Health (NIH) mit Sitz in Bethesda (Maryland). 

Wo ist die Original-Studie zu finden?


BEGRIFFE: Was ist/sind eigentlich...?


Wie bewertet EAT SMARTER diese Studie?

  • Riesiger Datensatz: Daten von fast 145.000 Männern und Frauen, die alle nach dem gleichen Muster erhoben wurden, sind ein valider Untersuchungsgegenstand. Follow-ups alle vier Jahre über einen Zeitraum von fast 20 Jahren sind außergewöhnlich umfangreich. Für die Auswertung verwendete das Team hochkomplexe statistische Methoden. Es handelt sich um ein extrem aufwendiges Forschungssetting.
  • Handlungsbedarf und ökonomischer Druck: Bald die Hälfte der US-Amerikaner sind fettleibig. Die Komorbidität, also die Anzahl der Krankheiten infolge von Adipositas, ist extrem hoch. Die Behandlung ist teuer. Wissenschaftlich fundierte Maßnahmen zur Prävention von Übergewicht zu entwickeln, hat hohe Priorität in der Gesundheitspolitik. Die vorliegende Nuss-Studie liefert einen kleinen aber effektiven Baustein: Nüsse statt Snacks. Das könnte ein wirkungsvolles Programm an Schulen sein. Denn der Grundstein für ein gesundes Ernährungsverhalten wird bereits in der Kindheit gelegt.

EAT SMARTER-Relevanz-Score
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