Oktober 2019, Arizona State University, USA

Stärker durch Mungobohnen – auch ohne Training?

Von Cornelia Brammen
Aktualisiert am 24. Mär. 2021

Obwohl die gesundheitlichen Vorteile der vegetarischen und veganen Ernährung gut dokumentiert sind, gibt es Zweifel an der Versorgung mit Nährstoffen, allen voran die Proteine. Folgen eines Mangels könnten langfristig ein verminderter Lean Body Mass (LBM; gibt die Muskelmasse ohne Speicherfett an) und Muskelschwäche sein.

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Worum ging es bei dieser Studie?

  • Die Studie untersucht, wie sich die tägliche Proteinzufuhr durch Mungbohnen (18 Gramm Mungbohnenprotein) auf Muskelkraft und LBM bei 37 unteraktiven vegetarischen (12) und veganen (25) Erwachsenen auswirkt.
  • Die Kraft wurde bei den Teilnehmern im Handgriff, beim Kniebeuger und beim Kniestrecker gemessen.
  • Andere Studien konnten bereits positive Assoziationen zwischen einer höheren Proteinaufnahme und der körperlichen Leistungsfähigkeit, insbesondere der Griffstärke bei älteren Teilnehmern, aufzeigen. 
  • Die Griffstärke wird als funktioneller Marker der Muskelmasse verwendet und ist einer der besten Prädiktoren für Schlaganfall und Herzinfarkt sowie deren Erholungsraten und die allgemeine Behinderung im späteren Leben. Es ist möglich, dass die geringere Proteinzufuhr bei einer vegetarischen und veganen Ernährungsweise mit einer Abnahme der Griffkraft zusammenhängt. Darüber hinaus gibt es nur wenige Studien, die die Auswirkungen der pflanzlichen Proteinzufuhr auf Kraft und LBM unabhängig von einer Trainingskomponente untersuchen. 

Wie lautet die zentrale Forschungsfrage?

  • Gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen Proteinaufnahme, LBM und Muskelkraft unabhängig davon, ob die Probanden sich vegetarisch oder vegan ernähren? 

Wie viele Probanden nahmen teil?

  • 37 Probanden erfüllten die Auswahlkriterien: Sie leben seit mindestens einem Jahr vegetarisch oder vegan und waren nach eigenen Angaben gesund. Zu den Ausschlusskriterien gehörten die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, frühere Erkrankungen (Herzkrankheiten, Krebs, Schlaganfall, Diabetes, Autoimmunerkrankungen oder Erkrankungen der Schilddrüse), das Absolvieren mäßiger bis anstrengender Trainingseinheiten von mehr als 150 Minuten pro Woche sowie eine bestehende oder geplante Schwangerschaft.

Welche Methode wurde angewandt?

  • Zuerst führten die Forscher einen Basistest durch, bei dem alle für den weiteren Verlauf der Studie relevanten Ausgangswerte festgehalten wurden, also Stärke des Handgriffs, des Kniebeugers und und des Kniestreckers.
  • Danach wurden die Probanden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt: Die erste Gruppe (n = 19) erhielt das Mungbohnen-Proteinsupplement und die zweite Gruppe (Kontrollgruppe, n = 18) erhielt einen Frühstückskeks. Gruppe 1 kam damit auf 18 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag, die Kontrollgruppe auf lediglich vier Gramm.
  • Die Probanden wurden so gebrieft, dass sie den Protein- bwz. Placebo-Keks am Morgen zu sich nahmen und die Tage, an denen die Nahrungsmittel verzehrt wurden, in einem Studienkalender festhielten. Ihre normalen Bewegungs- und Ernährungsgewohnheiten sollten sie beibehalten und während der Studienzeit keine neuen Medikamente einnehmen. Nach Abschluss der Intervention (acht Wochen) wurden alle Messungen des vorangegangenen Basistests wiederholt.
  • 25 Probanden schlossen die Studie vollständig ab (11 aus Gruppe 1 und 14 aus der Kontrollgruppe 2). Zwölf Teilnehmer zogen sich wegen Terminkonflikten, fehlender Akzeptanz des Produkts oder aus nicht näher genannten Gründen zurück.
  • Die Studie wurde in Übereinstimmung mit der Deklaration von Helsinki durchgeführt, welche die ethischen Richtlinien der medizinischen Forschung am Menschen beinhaltet.

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Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

  • Die Studie liefert vorläufige Beweise dafür, dass die Einnahme von Pflanzenprotein – etwa 30 Prozent zusätzliches Protein gegenüber der aktuellen Empfehlung von 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag – die Muskelkraft bei fehlender Bewegung und unabhängig vom LBM erhöht.
  • Neu ist die gewonnene Erkenntnis, dass der positive Effekt der Proteingabe auf die Muskelkraft auch bei untrainierten Menschen mit einem geringeren LBM eintritt. 

Wer hat die Studie finanziert und durchgeführt?

  • Die Studie wurde zum Teil durch die Rob and Melani Walton Sustainability Solutions Initiative an der Arizona State University und einem Forschungsstipendium der Arizona State University Graduate and Professional Student Association finanziert. Das Mungbohnen-Proteinprodukt wurde von JUST, Inc. gespendet. Das amerikanische Unternehmen produziert pflanzenbasierte Food-Produkte.

Wo ist die Original-Studie zu finden?


Begriffe: Was ist/sind eigentlich...?


Wie bewertet EAT SMARTER diese Studie?

  • Störende Beeinflussung: Die Probanden konnten aufgrund des ihnen zugeteilten Nahrungsergänzungsmittels Rückschlüsse darauf ziehen, ob sie der Testgruppe oder der Kontrollgruppe zugehörig sind. Bereits dieses Wissen kann die Probanden hinsichtlich des Studienrahmens und dessen Einhaltung beeinflussen – etwa in Bezug auf das Ernährungsverhalten oder die Motivation zur Teilnahme am Abschlusstest. In nachfolgenden Studien sollte also darauf geachtet werden, dass die Probanden nicht wissen, welcher Gruppe sie angehören – zum Beispiel, indem beide Gruppen ein Präparat verabreicht bekommen, das äußerlich nicht zu unterscheiden ist.
  • Fehlende Kontrolle: Des Weiteren wurden die Probanden bei der Durchführung und Einhaltung des Studienrahmens nicht kontrolliert, die Beurteilung und Auswertung stützte sich voll und ganz auf die Studienkalender, die von den Probanden selbst ausgefüllt wurden. Hierbei kann es möglicherweise zu nicht nachvollziehbaren Reporting-Fehlern und daraus resultierenden falschen Ergebnissen kommen. In nachfolgenden Studien könnte dies umgangen werden, indem die Probanden während des gesamten Zeitraums genauer kontrolliert oder möglicherweise stationär aufgenommen werden, um die Validität der Studienkalender zu erhöhen und das allgemeine Probandenverhalten während des Studienverlaufs zu vereinheitlichen. 
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