bookmark_border
URL kopieren
Flipboard
bookmark_border
URL kopieren
chat_bubble
Kommentar
Pinterest
Nächster Artikel
Experteninterview

Wunderwaffe Kürbis

Von EAT SMARTER
Aktualisiert am 25. Sep. 2019
© Unsplash/ Rose Elena
© Unsplash/ Rose Elena

Mit den ersten fallenden Blättern bereiten wir uns nicht nur mit warmen Pullis auf die kalte Jahreszeit vor. Auch auf dem Teller wird es dank des Kürbis herbstlich. Was das Gemüse so gesund macht und wie Sie es am besten in der Küche einsetzen, verraten Ihnen Ernährungsberaterin Monika Bischoff und der Hamburger Koch Thomas Sampl.

0
Drucken

Ein Interview mit Monika Bischoff

Monika Bischoff leitet als Ökotrophologin und Ernährungsberaterin das Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention in München. Sie ist außerdem Vorstandsmitglied beim BerufsVerband Oecotrophologie E.V.

 

Frau Bischoff, ist Kürbis ein Superfood?

Dank vieler (Nähr-) Vital- und sekundärer Pflanzenstoffe sind alle Gemüse Superfoods – auch der Kürbis. 

Was macht den Kürbis so gesund bzw. welche Nährstoffe stechen besonders hervor?

Kürbis liefert wenig Energie, viele sättigende Ballaststoffe, Kalium und viel von dem sekundären Pflanzenstoff Beta-Carotin. Speziell der Hokkaido ist eine Carotin-Bombe und kommt der Möhre damit sehr nahe. 

Wofür sind diese Nährstoffe gut?

Kalium benötigen wir für unsere Nervenbahnen, sekundäre Pflanzenstoffe bewahren unsere Zellen vor Schäden durch freie Radikale und beschützen uns zum Beispiel vor Krebs. Ballaststoffe können eine Gewichtsabnahmen unterstützen und senken außerdem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Welche Kürbissorte hat die meisten Nährstoffe?

Hokkaido hat im Vergleich zu seinen Brüdern, wie dem Spaghetti-, Butternuss- oder Muskatkürbis, am meisten Ballaststoffe, Vitamin C, Beta-Carotin und Kalium. Er hat auch am meisten Kalorien, weil er viele Kohlenhydrate und Proteine liefert. Toll ist zudem, dass er durch langes Lagern keine bis kaum Vitamine verliert. 

Das Fruchtfleisch des Kürbisses enthält besonders viel Beta-Carotin, das der Körper später zu Vitamin A umwandelt. Wofür ist Vitamin A wichtig?

Vitamin A ist gut für die Augen. Die Sehstärke wird nicht unbedingt besser, aber es kann bei Menschen mit Nachtblindheit für Besserung sorgen. Es ist auch gut für die Haut. Zusammen mit Vitamin E verlangsamt es den Alterungsprozess.  

Wie kann ich den Kürbis am besten zubereiten, um die meisten Nährstoffe und Vitamine zu bekommen? 

Blanchieren Sie ihn oder garen Sie ihn im Ofen. Kleiner Tipp: Geben Sie das Gemüse schon in kochendes Wasser. Dieses enthält nämlich keinen gelösten Sauerstoff und so bleiben noch mehr Vitamine erhalten. Vor allem das Beta-Carotin kann der Körper besser aus dem gekochten Kürbis aufnehmen. Das liegt daran, dass beim Kochvorgang oder auch wenn das Gemüse stark verkleinert wird, zum Beispiel in einem Smoothie, die Zellen aufgebrochen werden. Die fettlöslichen Mikronährstoffe sind meistens in Komplexen aus Proteinen und Pigmenten gespeichert. Damit der Körper sie besser aufnehmen kann, müssen sie herausgelöst oder aufgelöst werden. Und das passiert beim Zerkleinern oder Erhitzen. Dafür reicht es aber auch schon das Gemüse für eine Minute bei maximal 100 Grad zu erhitzen – blanchieren ist eigentlich perfekt dafür. 

Kann ich mit Kürbis abnehmen?

Es kommt natürlich immer darauf an, wie Sie ihn zubereiten. Aber wie jedes Gemüse enthält der Kürbis sehr viel Wasser, er besteht zu 90 Prozent daraus und liefert deswegen von Natur aus wenig Energie.

Kürbis ist eine gute Schonkost und eignet sich deswegen auch gut für Babybrei. Woran liegt das?

Die Protein-, und Pigment-Komplexe lösen sich beim Garen auf und machen den Kürbis leicht verdaulich. Sie sollten aber aufpassen, wenn Sie Kürbis selber anbauen, denn dann kann es sein, dass er bitter schmeckt, weil zu viel des Bitterstoffes Cucurbitacin enthalten ist. Er ist dann erstens ungenießbar und zweitens kann es zu Magen-Darm-Beschwerden kommen. Bei Kindern wirken die Bitterstoffe vermutlich noch schlimmer, da sie zu Kreislaufversagen führen können. Probieren Sie deswegen immer erst ein kleines Stückchen von Ihrem selbst angebauten Kürbis. Kauen Sie darauf herum, schmeckt es bitter, bitte wegschmeißen! Falls es nicht bitter schmeckt, dann können Sie den Kürbis gut verwenden. 

Kürbiskernöl wird aus dem Kürbis bzw. den Kernen gewonnen. Was macht das Öl gesund? Welche gesundheitlichen Vorzüge bietet es?

Das Kürbiskernöl ist reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, speziell die Linolsäure ist bis zu 60 Prozent enthalten. Außerdem ist Alpha-Linolensäure vorhanden. Kürbiskernöl wird hauptsächlich auf Grund der Phytosterole zu therapeutischen Zwecken benutzt – bei einer Reizblase oder auch Prostatabeschwerden.

Was bewirken Linolsäure und Alpha-Linolensäure? 

Es handelt sich um einfach oder mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die unter anderem gut für das Herz-Kreislauf-System sind. Dazu greifen wir aber gewöhnlich eher zu Lein- oder Olivenöl. Das Kürbiskernöl gehört nicht zu den Top 3, wenn es um die ernährungsphysiologische Einstufung von Fetten geht, aber es ist auch ein pflanzliches Öl und in Maßen gehört es zu einer gesunden Ernährung dazu. 

Wie viel von dem Öl sollte man täglich verzehren, um einen gesundheitlichen Vorteil zu erzielen?

Die Frage ist, ob Sie wirklich das Öl zu sich nehmen oder eher die Kürbiskerne. Ich würde immer eher zu den Kürbiskernen raten, weil diese durch die Schale mehr Ballaststoffe enthalten. Mein Tipp wäre, täglich eine kleine Handvoll der Kerne zu essen. Wenn Sie beim Bäcker sind, können Sie eine Kürbiskernbrezel oder ein Kürbiskernbrot kaufen. Verwenden Sie diese außerdem als Topping für Salate oder Müslis.  

Die Kürbiskerne eignen sich als gesunder Snack für zwischendurch. Welche gesundheitlichen Vorzüge bieten sie?

Kürbiskerne enthalten Chlorophyll, das gilt insbesondere für die des Steirischen Kürbis. Er wird auch oft als Arzneikürbis bezeichnet. Seine Samen haben eine dunkelgrüne Farbe und ein wirklich intensives Aroma. Sie liefern Proteine, Fettsäuren, aber auch Phytosterole, die das Wachstum der Prostata bei Männer hemmen und die Blase kräftigen. Die Kerne punkten außerdem mit hautschützendem Vitamin E.   

Übersicht zu diesem Artikel

Schreiben Sie einen Kommentar