Wissenschaftlich geprüft
November 2019: University of Mary Hardin-Baylor, Texas, USA

Sportler: Finger weg von diesen Pillen!

Von Cornelia Brammen
Aktualisiert am 07. Okt. 2020
Photo: © Unsplash/ Halacious
Photo: © Unsplash/ Halacious

Koffein, Teein und Tyrosin – drei Stoffe, die auf unsere Fitness großen Einfluss haben sollen. Aber: Weder wurde bisher die Wirkung dieser Nahrungsergänzungen auf Leistungsmuster von Athleten untersucht, noch die Wirkung aller drei Komponenten gleichzeitig. Da kommt diese Studie ins Spiel.

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Worum ging es bei dieser Studie?

  • Dass Koffein die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit beim Sport erhöht, wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen – sowohl für das Ausdauer- also auch für das Cardiotraining. Noch besser wirkte die Kombination aus Koffein und Teein in einigen Studien. Neu sind Untersuchungen zur Aminosäure Tyrosin, die in Schweinefleisch, Eiern und Nüssen vorkommt. Demnach steuert Tyrosin die Produktion von Neurotransmittern, die beim Sport für mentale Ausdauer und Durchhaltevermögen sorgen.
  • Das Forscherteam hat sich zum ersten Mal mit der Frage befasst, wie sich die Kombination von Koffein, Teein und Tyrosin auf die physische und psychische Leistungsfähigkeit auswirkt.
  • Speziell – und auch zum ersten Mal – wurden diese Nahrungsergänzungsmittel und ihre Wirkung an Athleten untersucht.  

Wie lautet die zentrale Forschungsfrage?

  • Wirkt die Kombination aus Koffein, Teein und Tyrosin stärker auf das Reaktionsvermögen, die Ausdauer, die Bewegungsgenauigkeit und die geistige Wachheit von Leistungssportlern als die einzelne Einnahme der Komponenten?

Wie viele Probanden nahmen teil?

  • Für die Studie war es wichtig, dass alle Probanden physisch auf einem vergleichbaren Level waren. Alle waren männlich, 18 bis 25 Jahre alt, Nichtraucher, gesund, ohne Vorerkrankungen, Kaffeetrinker und alle auf dem Niveau der NCAA Division 3. Der NCAA ist ein Verein, über den viele Colleges und Universitäten in den USA ihre Sportprogramme organisieren.
  • Insgesamt 20 Athleten erfüllten die Kriterien.

Welche Methode wurde angewandt?

  • Es handelt sich um eine randomisierte, placebo-kontrollierte Crossover-Doppelblindstudie mit zwei Testdurchgängen.
  • Im ersten Durchlauf erhielten zehn Probanden das Wirkstoff-Supplement und zehn das Placebo aus Maltodextrin. Vor und nach der Einnahme sowie nach zwei Runden Training durchliefen sie Messungen der körperlichen Parameter sowie Fragerunden zur mentalen Verfassung.
  • Im zweiten Durchlauf wechselte die Placebo- und die Supplement-Gruppe.
  • Das Training bestand jeweils aus einem Zirkel mit unter anderem Ropes, Kettlebells, Burpees und Mountain Climbers für jeweils 45 Sekunden mit zehn Sekunden Pause zwischen den Stationen.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

  • Die Probanden mit Supplement zeigten eine deutlich verbesserte Präzision sowohl bei statischen wie auch bei dynamischen Übungen.
  • Mit Supplement schafften die Probanden mehr Übungen als ohne.
  • Supplementiert hatten die Probanden weniger Trainingstiefs als mit Placebo.

Wer hat die Studie finanziert und durchgeführt?

  • The Nature’s Bounty Co. (Ronkonkoma, NY), ein US-Konzern, der Nahrungsergänzungsmittel herstellt, hat die Supplemente für die Studie gespendet und sie auch insgesamt finanziert. Drei der Autoren waren während der Studie oder zuvor beim Konzern angestellt.

Wo ist die Original-Studie zu finden?


Begriffe: Was ist/sind eigentlich...?


Wie bewertet EAT SMARTER diese Studie?

  • Wissenschaftliche Unabhängigkeit und wirtschaftliche Interessen: Auch wenn die Autoren versichern, unabhängig geforscht zu haben, liegt das wirtschaftliche Interesse des finanzierenden Konzerns an einem positiven Ergebnis der Studie auf der Hand. Ein Konzern, der Fitnessriegel und Nahrungsergänzungsmittel für Sportler produziert, braucht für seine Öffentlichkeitsarbeit wissenschaftliche Studien, die die Wirksamkeit ihrer Produkte bestätigen. Leistungssteigernde Nahrungsergänzungsmittel sind ein wachsender Markt und Wissenschaftlichkeit ist ein Verkäufer. Das Ergebnis der Studie ist hauchdünn positiv. Für absatzsteigernde Pressearbeit dürfte es reichen.
  • Fehlende Effekt und Anwendbarkeit: Die erzielten Effekte liegen buchstäblich im Nano-Bereich. Das könnte für sehr ambitionierte FreizeitsportlerInnen dennoch interessant sein, wenn sie ihre Trainingsergebnisse verbessern möchten. Die Studie sagt allerdings nichts über Verletzungsrisiken. Das Dreifach-Supplement gleicht die Folgen von Müdigkeit und Erschöpfung aus. Das ist nicht unbedingt günstig, denn diese Signale des Körpers sind sinnvoll. Trainieren wir über sie hinweg, steigt das Verletzungsrisiko. Auch zur Wirkung auf das vegetative Nervensystem sagt die Studie nichts. Koffein und Teein sind Nervengifte, die systemisch wirken. Darum lautet die EAT SMARTER-Empfehlung: Finger weg!

EAT SMARTER-Relevanz-Score
30
Prozent
Der Relevanz-Score geht von 0 bis 100 Prozent und zeigt, wie bedeutend die Studie im Vergleich zu anderen Studien ist. 0 Prozent heißt "unwichtig", 100 Prozent "sehr wichtig".

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