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Ökotrophologin und Fitnesstrainerin hilft Kirsten Sellmer

Esssucht: Das sollten Sie wissen!

Es gibt viele Menschen, die gerne mal etwas mehr essen. Doch bei einigen wird das Essen zur Sucht. EAT SMARTER erklärt Ihnen, was genau eine Esssucht ist und wie Sie sie erkennen und überwinden können!

Esssucht überwinden! Esssucht überwinden!

Zur Kurzfassung ►

Sich gesund und ausgewogen zu ernähren und so auch abzunehmen, scheint für manche Menschen nicht möglich zu sein. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob die Betroffenen überhaupt Hunger haben: Sie essen trotzdem unkontrolliert eine große Menge an ungesundem Essen.

Die Betroffenen erleben dabei häufig einen Kontrollverlust, sodass sie das Gefühl haben, nicht mehr mit dem Essen aufhören zu können. Diese Essattacken finden typischerweise unter Ausschluss von anderen Menschen statt.

Die Krankheit unter der diese Menschen leiden, ist die Esssucht. Wie Sie entsteht, welche Symptome für eine Esssucht sprechen und wie Sie sie überwinden können, erklärt Ihnen EAT SMARTER!

Was ist eine Esssucht und welche Faktoren begünstigen Sie?

Bei einer Esssucht sind die Betroffenen süchtig nach (meist) ungesunden Lebensmitteln, ähnlich wie ein Alkoholsüchtiger Mensch süchtig nach Alkohol ist. Bei der Esssucht werden die gleichen Areale im Gehirn angesprochen wie bei jeder anderen Sucht. Dadurch kommt es auch zu Entzugserscheinungen, das heißt betroffenen Personen fällt es schwer, sich zu konzentrieren. Sie werden rastlos oder aggressiv, wenn sie länger nicht in großen Mengen gegessen haben.

Gerade Fast-Food und stark verarbeitete Lebensmittel begünstigen eine Esssucht, da sie sich auf das Belohnungs-Areal des Gehirns auswirken. Besonders sehr zuckerhaltige Gerichte wirken sich auf die Dopamin-Ausschüttung im Gehirn aus. Das heißt, wenn diese Lebensmittel konsumiert werden, stellt sich ein Glücksgefühl bei den Betroffenen ein.

Und genau da liegt der Knackpunkt: Die Dopamin-Ausschüttung, die die Glücksgefühle nach einer Mahlzeit auslöst, wird bei Esssüchtigen Menschen von Mal zu Mal schwächer. Das bedeutet, dass Betroffene immer mehr und öfter ungesunde Lebensmittel zu sich nehmen müssen, um das gleiche Level an Dopamin auszuschütten.

Menschen, die an einer Esssucht leiden, mangelt es also nicht an Willensstärke oder Durchhaltevermögen, um Abzunehmen, sie leiden an einer ausgeprägten Sucht, die psychische Ursachen hat und therapeutisch behandelt werden muss (1, 2). 

MERKE !

Esssucht ist eine Krankheit ähnlich wie die Alkohol- oder Drogensucht. Betroffene sind süchtig nach (meist) sehr zuckerhaltigen und stark verarbeiteten Lebensmitteln wie Fast-Food. 

Esssucht erkennen

Die 8 häufigsten Symptome einer Esssucht

Es gibt viele Menschen, die manchmal eine zu große Menge an Speisen essen und sich danach schlecht fühlen. Dies muss aber noch lange keine Esssucht sein. Genau wie bei anderen Suchterkrankungen, gibt es aber auch bei der Esssucht keinen eindeutigen Test, der auf eine Erkrankung hinweist. 

Diese 8 Symptome können bei Betroffenen auf eine Esssucht hinweisen:

  1. Sehr großer Appetit, obwohl gerade erst gegessen wurde und der Körper nicht hungrig ist.
  2. Regelmäßige Essanfälle, bei denen weit mehr gegessen wird als eine "normale Portion".
  3. Beim Essen wird oft über den Punkt hinaus gegessen, bei dem bereits ein unangenehmes Völlegefühl entsteht.
  4. Schuldbewusstsein und Niedergeschlagenheit nach den Fressattacken.
  5. Die Essanfälle finden meist unter Ausschluss von Familie, Freunden und so weiter statt und werden verheimlicht.
  6. Aufgestellte Regeln wie das Meiden von bestimmten Lebensmitteln oder ein Cheat-Day können nicht eingehalten werden.
  7. Während der Attacken kommt es zu Kontrollverlusten und die Betroffenen können weder Menge noch Art der Mahlzeiten kontrollieren.
  8. Versuche der Rechtfertigung vor sich selber, warum man ungesunde Lebensmittel trotzdem essen sollte (zum Beispiel als Belohnung nach einem stressigen Tag).

Wenn mehr als sechs dieser Symptome auf Sie zutreffen, kann es gut sein, dass Sie unter einer Esssucht leiden. Sprechen Sie mit einem Arzt, um sich Hilfe zu holen.

MERKE !

Nicht jeder Mensch, der sich ab und zu überisst oder gerne Fast-Food mag, leidet auch an einer Essucht. Ausschlaggebend für die Sucht sind vor allem die Essanfälle, bei denen die Betroffenen die Kontrolle verlieren, die soziale Isolation der Betroffenen sowie das Schuldbewusstsein und die Niedergeschlagenheit nach einer Essattacke.

Warum ist eine Esssucht so gefährlich?

Eine Esssucht führt zu körperlichen Beschwerden und kann schwerwiegende Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und veschiedene Krebsarten sind nur einige der möglichen Folgen. Zudem wirkt sich das Übergewicht, dass durch die Esssucht entsteht auch negativ auf Gelenke, Knochen und Organe aus.

Aber nicht nur physisch hat eine Esssucht schwere Folgen, sondern auch psychisch läst die Krankheit viele Probleme aus. Betroffene leiden oft unter Depressionen, Selbsthass, sind sozial isoliert und können dadurch oft nicht mehr ihren Alltag bewältigen.

Zudem ist es für Esssüchtige sehr schwer wieder ein normales Essverhalten zu entwickeln. Anders als bei einer Drogen- oder Alkoholsucht können Betroffene ihr Suchtmittel nicht komplett meiden, da sie ja trotzdem essen müssen, um zu überleben. Dadurch sind sie aber auch jeden Tag mit Ihrem Suchtmittel konfrontiert und können nur schwer widerstehen.

Ab wann Übergewicht gefährlich wird und welche Folgen ein starkes Übergewicht hat, erklärt unsere Expertin Ökotrophologin und Fitness-Coach Kirsten Sellmer:

"Hier muss man unterscheiden, was vorliegt: leichtes Übergewicht (BMI 25-30) oder starkes Übergewicht (BMI 30 und mehr), und folgende Fragen berücksichtigen: Gibt es zusätzliche Risikofaktoren wie Rauchen, wenig Bewegung, Erkrankungen in der Familie? Wie ist die Fettverteilung? Bauchfett ist sehr viel ungesünder als das Unterhautfettgewebe. Mögliche Folgen von (starkem) Übergewicht können sein: Fettstoffwechselstörung, Arteriosklerose, Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall, geschwächtes Immunsystem, Krebs, Unfruchtbarkeit, Alzheimer … Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Nicht jede übergewichtige Person erkrankt automatisch an den möglichen Folgebeschwerden. Ist eine Person an sich gesund und liegt nur ein leichtes Übergewicht vor, kann sie damit auch steinalt werden. Starkes Übergewicht und oben genannte zusätzliche Faktoren erhöhen das Risiko, zu erkranken jedoch um ein Vielfaches."

MERKE !

Eine Esssucht ist sowohl psychisch als auch physisch sehr gefährlich. Zum einen sind Betroffene sehr viel anfälliger für Krankheiten wie Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Probleme. Zum anderen leiden sie oft an Depressionen, isolieren sich von der Familie oder Freunden und können ihren Alltag nicht mehr bewältigen.

Zuckerhaltige Lebensmittel bei einer Esssucht meiden!

So können Sie die Esssucht überwinden!

Zwar müssen wir jeden Tag essen, jedoch keine zuckerhaltigen oder verarbeiteten Lebensmittel. Deswegen sollten Betroffene darauf achten, alles an Fast-Food, Softdrinks, Süßigkeiten und Snacks zu vermeiden. Gerade diese Lebensmittel sind es nämlich, die aufgrund ihres hohen Zuckergehalts stark abhängig machen können.

Auch wenn es beim Abnehmen sonst oft heißt "alles in Maßen", gilt dies für Esssüchtige leider nicht, denn selbst die kleinste Menge von zuckerhaltigem Fast-Food, kann erneut zu Essanfällen führen. Deswegen gilt es, die eigene Ernährung komplett umzustellen, um die Essucht zu überwinden. Dies klappt am besten mit einer Ernährungsberatung durch eine(n) Ärztin/Arzt oder eine(n) ErnährungsberaterIn.

Zudem sollten Sie sich regelmäßige Zeiten zum Essen festlegen und versuchen, wieder auf die Signale Ihres Körpers zu achten (wie sich Hunger anfühlt aber auch Sättigung). Achten Sie darauf, langsam zu essen und sich während des Essens nicht ablenken zu lassen (zum Beispiel durch den Fernseher oder das Radio).

Es hilft oft, sich selbst klar zu machen, wo die Probleme liegen. Schreiben Sie also am besten einmal alles auf, was Ihre Sucht beeinflusst um einen Überblick zu bekommen. Die ist hilfreich, wenn Sie die Esssucht überwinden möchten:

  • Auslöser: Machen Sie eine Liste mit Lebensmitteln oder Mahlzeiten, die Sie während Ihrer Essanfälle oft gegessen haben oder auf die Sie häufig Appetit haben. Das sind Ihre Auslöser, die Sie von nun an komplett aus Ihrem Ernährungsplan streichen sollten (wie zum Beispiel Schokopudding).
  • Alternative Lebensmittel: Schreiben Sie auf, welche Lebensmittel Sie stattdessen essen möchten, die gut für Sie und Ihre Gesundheit sind. Am besten sind hier gesunde Lebensmittel, die Sie mögen und bereits öfter essen.
  • Alternative Restaurants und Lieferdienste: Wenn Sie bisher oft Burger und Pizza gegessen haben, sollten Sie sich jetzt Adressen und Lieferdienste raussuchen, die gesunde und nährstoffreiche Gerichte servieren. So haben Sie bei der nächsten Heißhungerattacke bereits die richtigen Nummern griffbereit, um nicht wieder bei dem gleichen Lieferservice anzurufen.
  • Pros und Contras: Machen Sie eine Liste mit allen Pros und Contras. Pros sind zum Beispiel: "Ich nehme ab!", "Ich lebe länger", "Ich werde wieder gesund". Contras könnten sein: "Ich kann keine Burger mehr essen". Machen Sie sich zusäzliche Kopien dieser Liste, um sich selbst immer wieder daran erinnern zu können, warum Sie das machen!

Zudem sollten Sie darauf achten, dass es in den ersten Monaten nicht primär um das Abnehmen geht, sondern vor allem darum, die Essanfälle in den Griff zu bekommen und die Sucht zu lindern. Sich zusätzlich noch auf das eigene Gewicht zu fixieren, würde die Sache nur unnötig erschweren.

MERKE !

Um die Esssucht zu überwinden, ist es zunächst einmal wichtig, einzusehen, dass man ein Problem hat. Zudem muss die Ernährung komplett umgestellt werden, am besten mit Hilfe eines/r Arztes/Ärztin oder einer/s ErnährungsberaterIn.

Hier bekommen Sie Hilfe!

Wenn Sie merken, dass Sie an einer Esssucht leiden und nicht wissen, was Sie machen sollen oder wo Sie Hilfe finden, sind hier ein paar Adressen:

Hungrig Online: Online Plattform für Essstörungen. Hier finden Sie Adressen in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz von Kliniken und Einrichtungen, die sich mit Essstörungen befassen.

Kursbuch Sucht: Adressen für Suchtberatungen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg.

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Beratungsangebote, Hilfe zur Selbsthilfe sowie viele Adressen von Kliniken, Therapiezentren, Beratungszentren und Beratungstelefon.

Selbsthilfe: Hier gibt es Bücher zum Thema

Zur Kurzfassung ►

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