Wissenschaftlich geprüft

Gerste

Von Katrin Koelle
Aktualisiert am 01. Apr. 2019

Vor Jahrtausenden ein Renner, heute fast vergessen – dabei hat Gerste viel mehr drauf, als einen wichtigen Grundstoff für Bier zu liefern! Warum sich eine Neuentdeckung des uralten Getreides unbedingt lohnt, verraten wir Ihnen hier.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Das sollten Sie über Gerste wissen
    1. Herkunft
    2. Saison
    3. Geschmack
  2. Unsere liebsten Gerste-Rezepte
  3. Wie gesund ist eigentlich Gerste?
  4. Einkaufs- und Küchentipps für Gerste
    1. Einkauf
    2. Lagerung
    3. Vorbereitung
  5. Zubereitungstipps für Gerste
  6. Wissen zum Mitnehmen

Das sollten Sie über Gerste wissen

Die Gerste gilt als eine der ältesten Kulturpflanzen überhaupt und wurde bereits vor mehr als 8.000 Jahren im Zweistromland und am Nil angebaut. Sie ist eng verwandt mit der im Nahen Osten vorkommenden Wildgerste. Die ersten Nachweise dieses Getreides gab es bereits im Jahr 10.500 vor Christus; ab 7.000 vor Christus züchteten unsere Vorfahren im Vorderen Orient Gerste. In Mitteleuropa kennt man den Anbau von Gerste „erst“ seit der Jungsteinzeit (5.000 vor Christus).

Bei den alten Griechen der Antike galt Gerste als das wichtigste Getreide überhaupt. Schon Hippokrates liebte Gerstenwasser, ein längst aus der Mode gekommenens süßsäuerliches Erfrischungsgetränk. Im Mittelalter verfütterte man Gerste ans Vieh, tat sich aber auch selbst gütlich daran. Unsere Vorfahren genossen Gerste gern als Brei oder Grütze sowie zu Fladenbrot verarbeitet.

Bis heute wandert Gerste häufig in Futtertröge, da vor allem die Wintergerste mit bis zu 15 Prozent reichlich Eiweiß enthält und sich darum bestens zur Tiermast eignet.

Aus der weniger eiweißreichen, aber dafür sehr kohlenhydrathaltigen Sommergerste stellt man wie schon seit Jahrhunderten auch heute noch vor allem Bier her. Natürlich auch Malzbier; das wie der Malzkaffee den Namen der Vorbereitungsart der Gerste verdankt: Die Körner lässt man erst ankeimen, bevor man sie als Malz darrt und anschließend mahlt und röstet. In Grossbritannien und den USA ist Gerste beziehungsweise Malz seit Urzeiten unverzichtbar zur Herstellung von Whisky.

Mit dem Vormarsch von Weizen geriet die Gerste immer mehr in Vergessenheit. Erst seit wenigen Jahrzehnten kann man Gerstenkörner wieder kaufen; Gerstengrütze und -raupen (auch Rollgerste oder Kochgerste genannt) erleben ebenfalls langsam eine Art Comeback. Brot mit Gerstenmehl gibt es inzwischen auch etwas häufiger, speziell bei Bio-Bäckern.

Herkunft

Botaniker nehmen nach heutigem Stand der Forschungen an, dass Gerste ursprünglich aus dem Himalayagebiet stammt.

Saison

Gerste und Produkte daraus bekommt man das ganze Jahr über.

Geschmack

Gerste schmeckt angenehm nussig.

Unsere liebsten Gerste-Rezepte

Hier gelangen Sie zu allen Gerste-Rezepten.

Wie gesund ist eigentlich Gerste?

Über Gerste lässt sich nur Gutes sagen: Die altmodische Getreidesorte hat weder viele gesättigte Fettsäuren noch Cholesterin oder gichtfördernde Purine. Ihre ungeschliffenen Getreidekörner bieten Ballaststoffe und B-Vitamine. Außerdem liefert Gerste eine gute Portion Mineralstoffe (vor allem Kalium, Calcium, Phosphor und Kieselsäure) und dazu noch reichlich Proteine.

Geschliffene Gerstenkörner, die als Graupen verkauft werden, enthalten hauptsächlich gut sättigende Kohlenhydrate und magenfreundliche Schleimstoffe, die auf den Verdauungsapparat ähnlich beruhigend wirken wie Reis- oder Haferschleim. Kein Wunder, denn das Besondere an den Ballaststoffen in Gerste ist: sie bestehen zu einem Gutteil aus Beta-Glucanen. 100 Gramm Gerste enthalten 4,8 Milligramm Beta-Glucane; das ist sogar etwas mehr als im Hafer (4,5 Milligramm).

Beta-Glucane sind lösliche Ballaststoffe, die auch sehr Empfindliche gut vertragen. Vor allem aber haben die Beta-Glucane nachweislich segensreiche Wirkungen für die Gesundheit.

Studien zufolge wirkt Gerste daher regulierend auf den Blutzuckerspiegel und den Cholesterinspiegel; definitiv sinkt auch das Risiko für koronare Erkrankungen (Herzinfarkt). Die Beta-Glucane können außerdem Infektionskrankheiten und sogar Krebs vorbeugen (1).

Eine weiterer Positiv-Effekt: Wer abnehmen möchte und mit Heißhungerattacken zu kämpfen hat, kann mit den Beta-Glucanen in Gerste seinen Appetit dämpfen sowie auch nachweislich BMI und Bauchumfang reduzieren (2)

Einen ganz kleinen Haken hat Gerste aber doch, der allerdings zum Glück nur wenige betrifft: Auch dieses Getreide enthält Gluten, ist also bei Zöliakie oder Gluten-Unverträglichkeit leider tabu.

Die ungeschälten Gerstenkörner enthalten Phytin, einen Stoff, der in der Schale sitzt. Er bindet so wichtige Mineralien wie Eisen und Calcium und macht sie damit für den Körper unbrauchbar.

Nährwerte von Gerste pro 100 Gramm  
Kalorien 338
Eiweiß 11,2 g
Fett 2,1 g
Kohlenhydrate 63,3 g
Ballaststoffe 8,7 g

Einkaufs- und Küchentipps für Gerste

Einkauf

Wer gerne mal mit Gerste kochen und backen möchte, muss danach immer noch suchen. Fündig wird man aber meist im Bio-Handel oder Reformhaus, in Drogerie- und gut sortierten Supermärkten.

Lagerung

Gerste und Proukte daraus (Gerstengrütze, Graupen) bitte immer trocken und lichtgeschützt aufbewahren.

Vorbereitung

Lassen Sie ganze Gerstenkörner möglichst immer über Nacht in reichlich kaltem Wasser quellen und gießen Sie am nächsten Tag das Einweichwasser weg. So können Sie einen Teil des in der Schale befindlichen Phytins entfernen und der Körper kann die Mineralstoffe besser nutzen. Außerdem gart die Gerste durch das Einweichen schneller.

Zubereitungstipps für Gerste

Gerste gibt Suppen, Eintöpfen und (als Graupen) Süßspeisen wie zum Beispiel Roter Grütze mehr Gehalt. Ganze Gerstenkörner eignen sich perfekt als Beilage oder als Zutat für Gemüsegerichte.

Sehr gut zum Kochen, Backen und fürs Müsli eignen sich Gerstenflocken und das daraus gewonnene Gerstenmehl. Da Gerste verhältnismäßig wenig Klebereiweiß (Gluten) enthält, muss man Gerstenmehl allerdings zum Backen immer mit einem anderen Mehl mischen.

Wissen zum Mitnehmen

Die lange in Vergessenheit geratene Gerste hat viele gesundheitliche Vorteile und nachweislich positive Effekte unter anderem bei Diabetes, Übergewicht und Darmproblemen.

Wissenschaftlich geprüft von unseren EAT SMARTER Experten
 
Das sind sehr interessante Infos. Etwas wusste ich ja darüber, aber alles natürlich nicht. Da kann man hier noch einiges dazulernen.
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