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Ischialgie: Wenn der Schmerz ins Bein schießt

Von EAT SMARTER
Aktualisiert am 28. Apr. 2021
Mann hält sich den schmerzenden unteren Rücken

„Ich habe Ischias“ – diese Aussage beschreibt eine unserer typischen Zivilisationskrankheiten. Wie Sie den Schmerz einer akuten Ischialgie lindern und Beschwerden vorbeugen, lesen Sie im LIVE SMARTER-Blog.

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Eine kleine Bewegung, und schon kann es so weit sein: Wie Feuer schießt ein Schmerz in den unteren Rücken oder in die Hüfte, macht jede Bewegung zur Qual und zwingt Betroffene in eine groteske Schonhaltung. „Schuld“ ist der Ischiasnerv, der sich auf diese Weise schmerzhaft bemerkbar macht.

Anders als beim Hexenschuss, bei dem eine Art „Entenhaltung" mit herausgestrecktem Po eingenommen wird, nehmen Ischialgie-Geplagte im Stehen unwillkürlich eine typische Schonhaltung mit angewinkeltem Bein und schiefem Oberkörper ein.

Wie unterscheiden sich „Hexenschuss“ und „Ischias“?

Als Hexenschuss, medizinisch Lumbago, versteht man einen starken, plötzlich "einschießenden" Schmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule. Meist sind alle Muskeln des unteren Rückens schmerzhaft verspannt, die Beweglichkeit ist stark eingeschränkt. Die Schmerzen können bis in die Beine oberhalb der Knie ausstrahlen.

Beim Ischias (medizinisch Ischialgie) hingegen schießt der Schmerz in der Hüftgegend ein, kann bis zu den Zehen ausstrahlen und Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen verursachen.

Obwohl sie sehr schmerzhaft sind, handelt es sich bei beiden Phänomenen nicht um eine Krankheit; sie sind Symptome für Störungen, die verschiedene Ursachen haben können.

Wie entsteht eine Ischialgie?

Von unserem Rückenmark aus ziehen viele Nerven in alle Bereiche des Körpers. Der dickste und längste von ihnen ist der Ischias-Nerv. Er reicht von der Lendenwirbelsäule bis zum Fuß. Wird er im Bereich der Wirbelsäule "gereizt", empfinden die Betroffenen dies möglicherweise als Schmerz, Kribbeln oder Schwäche des Beines beziehungsweise des Fußes. Dieses Phänomen nennt man Ischialgie oder im Volksmund auch kurz „Ischias“.

Eine Ischialgie kann von einer Minute auf die andere in Erscheinung treten, hat aber eine längere Vorgeschichte. Voraus geht eine Reizung der Ischias-Nervenwurzel durch Verschleiß, ein Bandscheibenvorfall, Verengungen im Wirbelkanal, Entzündungen oder Verletzungen. Eine bestimmte Bewegung reicht dann, um den schmerzhaften Reiz zu setzen, der jede Bewegung zur Qual macht.

Was kann man gegen akute Schmerzen tun?

Rückenübung

Auch wenn es schwer fällt, sich zu bewegen: Bettruhe ist bei Ischialgie leider nicht der richtige Weg. Im Gegenteil, sanfte Bewegung kann Linderung schaffen, indem sie Muskeln, Sehnen und Bänder wieder beweglicher macht. Normalerweise sind die Ischiasbeschwerden nach einigen Tagen vorüber, ohne dass es einer speziellen Behandlung bedarf. Versuchen Sie diese drei einfachen Übungen (entnommen aus dem Buch "Rücken-Akut-Training" von Prof. Dr. Ingo Froböse):

  1. Legen Sie sich auf einem weichen Teppich oder einer Yogamatte auf den Rücken und stellen Sie die Füße so nah wie möglich an das Gesäß. Nun versuchen Sie, das linke Knie sanft in Richtung der linken Schulter zu ziehen. Für einige Atemzüge halten und wieder absetzen. Genau so verfahren Sie mit dem rechten Bein.
  2. Bleiben Sie in der oben dargestellten Grundstellung und strecken Sie Ihre Arme neben dem Körper aus. Legen Sie nun beide angewinkelten Knie langsam und vorsichtig links neben Ihren Körper ab, bis Sie ein leichtes Ziehen im Lendenwirbelbereich spüren. Für einige Atemzüge halten, in die Grundhaltung zurückkehren und die Übung auf der rechten Seite wiederholen.
  3. Legen Sie sich mit möglichst eng an den Po gestellten Füßen so auf den Boden, dass Ihr Gesäß zu einer Wand zeigt und sich die Füße vor der Wand befinden. Wandern Sie nun mit den Füßen an der Wand hinauf, bis die Fußsohlen waagerecht zur Decke zeigen und das Gesäß direkt an der Wand anliegt. Verweilen Sie so lange in dieser Position, wie es Ihnen guttut, und atmen Sie dabei tief ein und aus. 

Auch ein heißes Bad oder eine Wärmflasche können die Schmerzen lindern.

Ischiasbeschwerden vorbeugen

Techniker Krankenkasse Richtig Sitzen

Mit dem Auto zur Arbeit, mit dem Fahrstuhl aus der Tiefgarage ins Büro, vom Auto direkt auf die Couch – unser bequemes, bewegungsarmes Leben ist Gift für den Rücken. Vor allem stundenlanges Sitzen vor dem Bildschirm lässt die Muskeln verkümmern. Die Folge: Das ausgeklügelte mechanische System unseres Rückens gerät aus der Balance, Muskeln verhärten und die Ansätze von Sehnen und Nerven sind gereizt. Von hier ist der Weg zum Bandscheibenvorfall, zum Hexenschuss oder eben zur Ischialgie nicht weit.

Da sich der Ischias, einmal auffällig geworden, immer wieder meldet, gilt es vorzubeugen. Ein starker, beweglicher Rücken schützt vor Schmerz und Beschwerden, also fordern Sie Ihre Muskeln! Um den Rücken zu stärken, eignen sich Sportarten wie Schwimmen und Aqua-Fitness, aber auch gezielte Übungen im Studio oder zu Hause. Wie ein 10-Minuten-Fitnessplan für den Rücken aussehen kann, lesen Sie hier.

Doch auch Bewegung im Alltag kann einen Unterschied machen: Stehen Sie bei sitzender Tätigkeit mindestens einmal pro Stunde von Ihrem Stuhl auf, recken und strecken Sie sich, laufen Sie ein wenig herum. Wie Sie Ihre sitzende Tätigkeit aktiver gestalten, lesen Sie hier

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