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Stress schwächt die Immunabwehr

Von Maja Seimer
Aktualisiert am 02. Apr. 2019
Krank durch Stress

Wer über einen längeren Zeitraum Stress ausgesetzt ist, ist anfälliger für eine Erkältung oder Grippe. Akuter Stress dagegen, zum Beispiel bei einer Prüfung, kurbelt das Immunsystem kurzzeitig an. In unserem Live Smarter-Blog erfahren Sie, wie genau sich Stress auf das Immunsystem auswirkt und wie Sie ihm vorbeugen.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Wie funktioniert das Immunsystem?
    1. Aufgaben des Immunsystems
    2. Erste Gefahrenabwehr beseitigt Eindringlinge
    3. Zweite Abwehr besteht aus Spezialisten
  2. Was bedeutet Stress für den Körper?
  3. Wie wirkt sich Stress auf das Immunsystem aus?
    1. Chronischer Stress: Immunsystem macht schlapp
    2. Chronischer Stress macht krank
    3. Optimismus hält gesund
  4. So können Sie sich gegen Stress schützen
  5. Wissen zum Mitnehmen

Wie funktioniert das Immunsystem?

Das Immunsystem ist ein komplexer Mechanismus, der verschiedene Organe, Zellen und Eiweiße umfasst. Es schützt uns vor Krankheitserregern und gibt täglich sein Bestes, um unseren Körper gesund zu halten. Jegliche Einflüsse, die von außen in ihn eindringen – etwa Lebensmittel, Bakterien oder die Luft, die wir atmen – überprüft das Immunsystem auf „gefährlich“ oder „ungefährlich“. Schädliche Eindringlinge bekämpft es dabei sofort so gut es kann.  Auch körpereigene Zellen, die sich bei der Zellteilung fehlerhaft entwickelt haben, erkennt und eliminiert die Immunabwehr.

Aufgaben des Immunsystems:

  • Krankheitserreger unschädlich machen
  • Schadstoffe aus der Umwelt erkennen und aus dem Körper entfernen
  • Krankhaft veränderte körpereigene Zellen, wie zum Beispiel Krebszellen, bekämpfen

Erste Gefahrenabwehr beseitigt Eindringlinge

Die sogenannte unspezifische Immunabwehr ist der erste Schutzschild des Körpers und verhindert, dass Krankheitserreger eindringen und sich breit machen können. Zur unspezifischen Abwehr gehören zum Beispiel der Säureschutzmantel der Haut, der saure pH-Wert im Magen und auch die Sekrete, die auf den Schleimhautoberflächen in Nase oder Mund zu finden sind.

Falls Erreger es dennoch schaffen, diese natürlichen Barrieren zu durchbrechen, dann werden die Zellen des Immunsystems aktiv. Dazu gehören die natürlichen Killerzellen sowie große und kleine Fresszellen. Sie sind wahre Alleskönner und beseitigen sämtliche Arten von unerwünschten Bakterien, Viren, Parasiten und Pilzen. Zusätzlich informieren die großen Fresszellen, auch Makrophagen genannt, die sogenannte spezifische Abwehr über die Eindringlinge.

Zweite Abwehr besteht aus Spezialisten

Sobald es einem Eindringling gelungen ist, die Armee der unspezifischen Abwehr zu überwinden, wird die spezifische Abwehr aktiv. Sie besteht in einer speziell auf den Eindringling zugeschnittenen Immunantwort. Eine wichtige Rolle spielen dabei bestimmte Gruppen der weißen Blutkörperchen, etwa die B-Lymphozyten. Sie produzieren hoch spezifische Abwehrstoffe, die zu den Infektionserregern wie ein Schlüssel zu seinem Schloss passen. Gehen diese Antikörper mit dem Erreger eine Verbindung ein, machen sie ihn unschädlich.

Bis ausreichend Antikörper produziert sind, kann es bei einer ersten Infektion einige Wochen dauern. Gleichzeitig bildet das Immunsystem jedoch sogenannte Gedächtniszellen. Diese ermöglichen dem Körper, sich an einen bestimmten Erreger zu erinnern und bei einer erneuten Infektion in kurzer Zeit eine große Anzahl Antikörper zu bilden. So kann die Infektion sehr schnell und wirkungsvoll bekämpft werden.

Merke!

Ohne unser Immunsystem wären wir Viren, Bakterien und anderen Krankheitserregern sowie schädlichen Stoffen aus der Umwelt schutzlos ausgeliefert. Unsere unspezifischen und spezifischen Abwehrmechanismen schützen uns vor Eindringlingen.

Was bedeutet Stress für den Körper?

Stress versetzt den Körper in Alarmbereitschaft und treibt ihn so kurzfristig zu höheren Leistungen an. Er schüttet Adrenalin aus, mobilisiert Muskelkräfte, steigert die Durchblutung des Gehirns und stellt zusätzliche Energie bereit. So sind wir leistungsfähiger, schneller und stärker. Ursprünglich war diese Reaktion dazu da, uns in Gefahrensituationen zu schützen. Heute sind wir selten mit echten Gefahrensituationen konfrontiert.

Haben wir die Stresssituation bewältigt, etwa das Halten einer Rede oder die Führerscheinprüfung, normalisiert sich unser Organismus wieder. Im besten Fall hat er dabei die zusätzlich zur Verfügung gestellte Energie bereits durch Bewegung abgebaut.

Da die heutigen Stresssituationen nicht mehr darin bestehen, vor einem Säbelzahntiger zu flüchten oder auf der Jagd Beute zu machen, bleibt der Stress, zumindest der körperliche, auch nach der eigentlichen Situation bestehen. Deswegen ist vielen Menschen beim Stressabbau Sport eine große Hilfe. Durch die Bewegung werden sie die überschüssige Energie wieder los und fühlen sich anschließend entspannter.

Hochleistungssport ist für stark unter Stress stehende Personen übrigens kontraproduktiv. Hier helfen eher entspannende Maßnahmen wie eine Massage, ein Saunagang oder leichtes Yoga. Problematisch wird es dann, wenn wir die vom Gehirn eingestufte Gefahrensituation nicht bewältigen können oder sie zum Dauerzustand wird. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Stress neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine der größten Gesundheitsgefahren für den Menschen.

Merke!

Stress ist grundsätzlich nichts Schlechtes. Er mobilisiert Kräfte, macht uns leistungsfähiger und motiviert uns. Wird der Stress jedoch chronisch, kann er uns krank machen.

Wie wirkt sich Stress auf das Immunsystem aus?

Sowohl akuter Stress als auch lang andauernde Belastungen haben einen Einfluss auf das Immunsystem. Akuter Stress stärkt kurzfristig die unspezifische Abwehr. Die Zahl der weißen Blutkörperchen, Fresszellen und Killerzellen steigt und das System ist bereit uns zu verteidigen. Die spezifische Abwehr wird erst einmal zurückgefahren. Aus evolutionärer Sicht ist das auch sinnvoll. Da Stress früher vor allem aus lebensgefährlichen Situationen resultierte, macht sich das Immunsystem bereit, drohende Verletzungen schnell wieder zu heilen. Die spezifische Abwehr hingegen wird in bedrohlichen Situationen weniger gebraucht.

Chronischer Stress: Immunsystem macht schlapp

Dauerstress dagegen schwächt sowohl die spezifische als auch die unspezifische Immunabwehr. Der chronische Stress kann nicht nur am Arbeitsplatz auftreten. Auch bei Menschen, die Angehörige pflegen, arbeitslos werden, sich scheiden lassen oder sich zu Hause ständig überfordert fühlen, ist das Stresssystem oft überaktiv. Mit der Ausschüttung von Cortisol passt sich der Körper an die andauernde Belastungssituation an. Der erhöhte Cortisolspiegel wiederum signalisiert dem System „Gefahr“ und ein chronischer Stresszustand entsteht.

Chronischer Stress wirkt sich auf das Immunsystem aus:

  • Anzahl der Immunzellen sinkt
  • Killerzellen sind weniger aktiv
  • Die B-Lymphozyten teilen sich langsamer

Chronischer Stress macht krank

Wer dauerhaft gestresst ist, wird auch eher krank. Viren, Bakterien und andere Keime haben weniger Gegenwehr und so ein leichtes Spiel. Das betrifft akute Infektionen wie eine Grippe, aber auch chronische Erkrankungen wie Rheuma oder Bluthochdruck. In stressigen Phasen können daher auch plötzlich Ekzeme oder andere Hauterscheinungen auftreten, die der Körper sonst im Griff hat.

Auch Heilungsprozesse verlängern sich unter chronischem Stress. Wunden heilen langsamer und Erkältungen und Virusinfekte quälen Sie länger.

Optimismus hält gesund

Wer trotz Stress und Belastungen optimistisch bleibt, ist besser vor Infektionen der oberen Atemwege geschützt, als ein Pessimist in der gleichen Situation. Das belegte eine Studie aus dem Jahr 2009 von der Techniker Krankenkasse, des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und der Roehampton University in England (1).

Merke!

Optimismus in stressigen Situationen wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Denken Sie daher daran, dass Sie aus jeder gemeisterten Herausforderung gestärkt herausgehen und dabei etwas lernen können. Hier gilt: Übung macht den Meister.

So können Sie sich gegen Stress schützen

Hier haben wir ein paar Tipps für Sie zusammengestellt, die Ihnen helfen, sich vor Stress zu schützen und gleichzeitig Ihr Immunsystem zu stärken.

  • Wechseln Sie in die Vogelperspektive: Egal, ob Sie im Stau stehen oder in einem hitzigen Meeting sitzen. Stellen Sie sich kurz vor, Sie würden die Situation von außen beobachten. Wer trainiert, die Vogelperspektive einzunehmen, schafft Distanz zum Geschehen und nimmt nicht mehr alles so ernst. Vielleicht schaffen Sie es nach einiger Zeit sogar, über die Situation zu schmunzeln.
  • Treiben Sie Sport: Wie bereits erwähnt: Bewegung baut Stress ab. Finden Sie eine Sportart, die Ihnen Spaß macht und bei der Sie abschalten können. Für den einen kann das Nordic Walking oder Fahrradfahren sein, für den anderen Kickboxen.
  • Suchen Sie Entspannung: Auch hier gilt: Finden Sie etwas, das zu Ihnen passt. Gerade beim Thema Entspannung gibt es neben klassischen Methoden wie Autogenem Training und Progressiver Muskelentspannung zahlreiche Möglichkeiten, abzuschalten. Wie diese konkret aussehen, ist ganz unterschiedlich. Manch einer entspannt bei einem Spaziergang, andere bei einem guten Buch oder beim Kochen.
  • Pflegen Sie Interessen: Machen Sie Dinge, die Ihnen Freude bereiten. Verbringen Sie zum Beispiel Zeit mit Freunden, planen Sie Wochenendausflüge bewusst ein und unternehmen Sie auch unter der Woche mal etwas. So wappnen Sie sich für einen stressigen Alltag.
  • Achten Sie auf Ihre Ernährung: Wer sich ausgewogen ernährt und sich gut mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt, stärkt nicht nur seine Abwehrkräfte, sondern auch sein Nervensystem. Planen Sie vor allem auch bei der Arbeit gesunde Snacks ein. Wer lange nichts isst, wird anfälliger für Stress.

Wissen zum Mitnehmen

Viele Menschen sind im Dauerstress und schaffen es nur schwer, sich zu entspannen. Das hat erhebliche Auswirkungen auf unsere Abwehrkräfte. Akuter Stress, etwa in einer Prüfungssituation, einem Bewerbungsgespräch oder einem Wettkampf, mobilisiert Kräfte. Wir sind nicht nur wacher, haben mehr Energie und können schneller reagieren, auch unsere Immunabwehr ist zu allem bereit. Die unspezifische Abwehr, die Viren, Bakterien und andere Erreger unschädlich macht, ist bei Stress in höchster Alarmbereitschaft. Als wir noch Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt waren, machte sich der Körper so dazu bereit, mögliche körperliche Schäden zu heilen.

Dauerstress dagegen schwächt das gesamte Immunsystem. Erreger haben so ein leichtes Spiel. Sie werden nicht nur schneller krank, sondern brauchen auch länger, um wieder gesund zu werden. Daher gilt: Beugen Sie Stress vor und sorgen Sie aktiv für Erholung. Finden Sie Maßnahmen, die Sie entspannen und üben sich darin, die Dinge etwas lockerer zu sehen und auch mal „Nein“ zu sagen. So schützen Sie Ihre Gesundheit – sowohl die psychische als auch die physische.

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