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Was wir von unseren Großeltern lernen können

Von Wenke Gürtler
Aktualisiert am 25. Mai. 2021
© Unsplash/ Markus Spiske
© Unsplash/ Markus Spiske

Klimaneutral essen, Meal Prepping, Zero Waste: Viele Trends von heute leben Oma und Opa bereits seit Jahrzehnten. Sie glauben es nicht? Wir verraten Ihnen 6 Beispiele und zeigen Ihnen, was Sie von Ihren Großeltern lernen können.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Selbst kochen und backen
  2. Verpackungsfrei einkaufen
  3. Schauen, riechen, schmecken
  4. Vorratshaltung und Resteverwertung
  5. Heimische Superfoods
  6. Saisonal und regional essen
  7. Wissen zum Mitnehmen

Unsere Omas und Opas wuchsen in der Nachkriegszeit auf. Vor allem in den ersten Jahren nach dem Krieg hatten die meisten Menschen wenig zu essen. Auch die Auswahl war nicht besonders groß. Diese Entbehrungen prägten unsere Großeltern: Lebensmittel wurden in der Regel nicht weggeworfen, sondern restlos verwertet oder haltbar gemacht. Sie kauften nur das, was sie brauchten – und konsumierten so ganz selbstverständlich bewusst und nachhaltig.

Spätere Generationen haben allerdings diese Achtsamkeit mehr und mehr verlernt. Kaum verwunderlich in Zeiten von Billiglebensmitteln, Einwegplastik und Fast Fashion. Zeit, sich zu erinnern, was unsere Großeltern besser gemacht haben.

Selbst kochen und backen

Praktisch sind Fertiggerichte allemal. Tüte aufreißen, kurz erwärmen und fertig ist die Mahlzeit. Ganz neu ist diese Idee allerdings nicht. Bereits im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 wurde der Vorläufer der Tütensuppe – die Erbswurst – als eiserne Ration an die Soldaten verteilt. Für den Hausgebrauch etablierten sich die schnellen Mahlzeiten erst 1958 mit der Dosen-Ravioli. Trotzdem ist es für Oma und Opa unvorstellbar, so etwas regelmäßig aufzutischen. Und das aus gutem Grund.

Durch die Herstellung büßt Convenience-Food (deutsch: bequemes Essen) viele Vitamine ein. Damit Geschmack und Konsistenz stimmen, setzt die Lebensmittelindustrie häufig viel Salz oder Zucker, künstliche Aromen, Geschmacksverstärker oder Verdickungsmittel ein.

Erfahren Sie mehr: Versteckter Zucker: Hier lauern fiese Fallen

Nicht selten lässt die Qualität der Fette zu wünschen übrig. Vielfach verwenden die Herstellenden Speisefette und -öle, die vergleichsweise ungesund sind; dagegen verarbeiten sie hochwertiges Lein-, Raps- oder Walnussöl eher selten. Diese Öle sind weniger hitzebeständig, werden schneller ranzig und sind obendrein teurer, sodass gern auf sie verzichtet wird. Besonders problematisch sind Transfettsäuren, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Sie entstehen unter anderem, wenn die Lebensmittelindustrie Pflanzenöle aushärtet, um ihnen eine bestimmte Konsistenz zu verleihen, zum Beispiel damit Margarine streichfähig wird. 

All das kommt Oma nicht in die Küche. Stattdessen kocht und backt sie regelmäßig selbst. Dadurch kann unsere Großmutter selbst bestimmen, wie schonend sie die Zutaten verarbeitet, wie viel Zucker im Essen landet und ob die Speisen etwa hochwertige Öle enthalten anstelle minderwertiger Fette wie Margarine. Nicht zuletzt verzichtet sie auf schädliche Zusätze.

Merke!
Unsere Großeltern wissen genau, was in ihrem Essen steckt: Hochwertige Zutaten, mehr Nähr- und keine bedenklichen Zusatzstoffe sind für sie selbstverständlich.

Verpackungsfrei einkaufen

Früher erledigten unsere Großeltern ihre Besorgungen auf Wochenmärkten oder kauften in Tante-Emma-Läden ein. Die kleinen Geschäfte boten die meiste Ware lose an. In mitgebrachten Metallverpackungen und Glasflaschen konnten sie transportiert werden; einige Lebensmittel wurden auch in ein Blatt (Zeitungs-)Papier eingeschlagen. Süßigkeiten standen in Gläsern auf dem Ladentisch und wurden mit der Hand ausgeteilt.

Auch Plastik gab es bereits nach dem Zweiten Weltkrieg. Allerdings wurden 1950 weltweit lediglich 1,5 Millionen Tonnen Kunststoff produziert; derzeit sind es 348 Millionen Tonnen pro Jahr (1). Erschreckend dabei ist, dass rund 40 Prozent der Plastikherstellung auf Verpackungen fallen. Diese verwenden wir in der Regel nur einmal und werfen sie dann in den Müll – mit gravierenden Folgen für Mensch und Umwelt.

Einen Großteil an Müll können wir vermeiden, wenn wir es wie unsere Großeltern machen: Mit Korb oder Stoffbeutel einkaufen gehen, lose Ware bevorzugen und Mehrweg nutzen, wo immer es möglich ist. Häufig sind Gummitiere, Kekse und Schokolade sogar mehrfach in Plastik eingewickelt. Lassen Sie solche Verpackung-in-Verpackung-Produkte konsequent im Regal liegen.

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Merke!
Jeder Verzicht auf kurzlebige Einmalprodukte vermeidet Abfall. Bevorzugen Sie lose Ware und Lebensmittel, die in Mehrwegmaterial verpackt sind. Den Einkauf transportieren Sie dann am besten in einem Korb oder Stoffbeutel.

Schauen, riechen, schmecken

Es ist sehr wahrscheinlich ihrer Vergangenheit geschuldet, aber unsere Großeltern haben definitiv ein anderes Verhältnis zu Nahrungsmitteln, als wir es heutzutage haben: Jahr für Jahr wirft jeder von uns etwa 75 Kilogramm Lebensmittel in den Müll (2). Häufig liegt es an der falschen Lagerung, der mangelhaften Einkaufsplanung oder das Mindesthaltbarkeitsdatum (MDH) wird als Verfallsdatum missverstanden.

Ob etwas noch essbar ist oder nicht, überprüfen unsere Großeltern mit Augen, Nase sowie Zunge – und lassen sich weniger vom Mindesthaltbarkeitsdatum verunsichern. Sieht es noch einwandfrei aus? Riecht es noch normal? Schmeckt es wie gewohnt? Dann ist das Lebensmittel noch genießbar.

Mitunter kommt es aber auch vor, dass die Großeltern Schimmel einfach wegschneiden und der Rest weiterverarbeiten. Das Problem dabei ist: Die Pilze sitzen nicht nur oberflächlich, sondern können sich insbesondere in wasserhaltigen Lebensmitteln schnell ausbreiten. Zudem bilden manche Kulturen giftige Stoffwechselprodukte, sogenannte Mykotoxine. Sie können Leber, Nieren, Immunsystem sowie Erbgut schädigen. Daher ist es ratsam, Schimmliges komplett zu entsorgen.

Merke!
Wer sich rein am MHD orientiert, läuft Gefahr, einwandfreie Lebensmittel in den Müll zu befördern. Vertrauen Sie stattdessen Ihren eigenen Sinnen. Ist aber Schimmel zu sehen, besser wegschmeißen.

Vorratshaltung und Resteverwertung

Am häufigsten landen bei uns Obst und Gemüse (38 Prozent) im Müll. Dicht dahinter Fertiggerichte und Speisereste (25 Prozent), Brot, Brötchen sowie Backwaren (16 Prozent), Milchprodukte (10 Prozent) und Sonstiges (5 Prozent). Die Schlusslichter bilden Fisch und Fleisch (5 Prozent).

Um diese Verschwendung einzudämmen, können wir von unseren Großeltern lernen: Bei üppigen Ernten wird nichts vergeudet, sondern entweder eingelagert oder eingekocht und eingeweckt. Von Apfelkompott oder Brombeer-Apfel-Aufstrich bis in Essig eingelegte Gurken – Oma weiß genau, was mit den vielen Äpfeln, Beeren oder einer reichen Gemüseernte zu tun ist. 

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Ebenfalls müssen Speisereste nicht einfach entsorgt werden. Entweder können sie im Kühlschrank für den nächsten Tag aufgehoben oder für später eingefroren werden. Einzelne Lebensmittel, die beim Kochen übrig bleiben, können für eine neue Mahlzeit herhalten. Das schont Umwelt sowie Geldbeutel und spart Zeit, wenn Grundzutaten wie Nudeln, Reis oder Kartoffeln bereits vorgegart sind. 

Smarte Resteküche für mehr Nachhaltigkeit

Unsere Oma weiß: Altbackenes Brot ist für die Tonne viel zu schade. Es lässt sich zu Semmelbröseln oder Croû­tons verarbeiten und macht ebenso im Tomaten-Brotsalat eine gute Figur. Frieren Sie davon abgesehen frisches Brot ein, bevor es trocken wird. Aufgetautes wird im Backofen oder Toaster wieder schön knusprig. Weitere Tipps, wie Sie altes Brot verwerten, lesen Sie hier. 

Merke!
Gegen die Lebensmittelverschwendung helfen Einlagern, Einkochen und Einwecken. Auch kann die überzählige Portion für den nächsten Tag aufgehoben werden. Bleiben einzelne Lebensmittel übrig, lassen sich aus den Resten neue Gerichte zaubern.

Heimische Superfoods

Essen Ihre Großeltern Açaí-Beeren, Chiasamen oder Spirulina-Algen? Wahrscheinlich nicht. Vielmehr wissen Oma und Opa oft genau das heimische Superfood zu schätzen: Anstelle der Açaí-Beeren stärken Holunderbeeren unser Immunsystem, wenn sich ein Infekt anbahnt.

Leinsamen punkten ebenso wie Chiasamen mit einem hohen Gehalt an Ballaststoffen sowie Omega-3-Fettsäuren, die unserem Darm beziehungsweise unseren Blutfetten zugutekommen. Und BrennesselGrünkohl und Spinat bieten wie die Spirulina Algen ebenfalls reichlich Eisen.

Merke!
Superfoods sind bei der jungen Generation beliebt – je ausgefallener, desto besser. Allerdings müssen sich die heimischen Kandidaten vor den Exoten nicht verstecken.

Saisonal und regional essen

Das meiste an Obst und Gemüse ist das ganze Jahr über erhältlich, auch wenn es hierzulande gar keine Saison hat. Peruanischer Spargel zu Weihnachten, Erdbeeren aus Marokko an Ostern und südafrikanische Weintrauben zu Pfingsten: So sieht mancher Einkauf aus. Aber lange Transportwege, insbesondere per Flugzeug, belasten das Klima. Das gleiche gilt, wenn heimische Produkte außerhalb der Saison in beheizten Treibhäusern angebaut werden. 

Bei unseren Großeltern landet stattdessen Frisches aus der Region auf dem Teller – nicht selten sogar aus dem eigenen Garten. Die kurzen Transportwege schonen Klima, gleichzeitig kann Obst und Gemüse vollreif geerntet werden. Dadurch bieten sie das Maximum an Nährstoffen und schmecken aromatischer. Zudem enthält Saisonobst und -gemüse aus Deutschland meist weniger Rückstände von Pflanzenschutzmitteln als importierte Ware. Noch besser schneiden Bioprodukte ab.

Wer sich beim Einkaufen nicht sicher ist, was gerade Saison hat und was nicht, kann einen Saisonkalender zurate ziehen. Empfehlenswert sind zudem Wochenmärkte. Dort gibt es regionale sowie überwiegend saisonale Lebensmittel zu kaufen. Manchmal kommt man sogar mit den Erzeugerinnen oder Erzeugern ins Gespräch.

Merke!
Saisonale Feld- und Gartenfrüchte sparen Energie sowie Treibhausgase ein, enthalten mehr Nährstoffe, schmecken besser und sind oftmals weniger belastet.

Wissen zum Mitnehmen

Oma und Opa haben durch Entbehrungen gelernt, sehr achtsam mit den wenigen Ressourcen umzugehen und alles, was ihnen zur Verfügung steht, sorgfältig und möglichst restlos zu verwerten. Diesen nachhaltigen Lebensstil können wir von unseren Großeltern lernen. Beim Einkaufen lässt sich Plastik vermeiden, indem wir lose Ware und Lebensmittel in Mehrwegverpackungen bevorzugen. Ebenfalls ist regionales Saisonobst sowie -gemüse die bessere Wahl. Sie sind oftmals weniger belastet, ihr Anbau verursacht weniger Emissionen und sie enthalten mehr Nährstoffe. Daher sind sie ebenso eine gute Alternative zu exotischen Superfoods.

Aus dem Einkauf können Sie dann Ihre Speisen selbst kochen. So wissen Sie, was in Ihrem Essen steckt und können auf bedenkliche Zusatzstoffe verzichten. Bleibt etwas übrig, können die Reste im Kühlschrank oder Gefrierfach aufgehoben werden. Auch können Obst und Gemüse eingelagert oder eingekocht sowie eingeweckt werden. Sind sie unsicher, ob noch etwas gut ist, einfach die eigenen Sinne vertrauen. Ist aber Schimmel zu sehen, gehört das Lebensmittel in den Müll.


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