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Anja Boerner – Ökotrophologin
Wissenschaftlich geprüft

Vollmilch oder fettarme Milch: Welche ist die bessere Variante?

Von Solveig Kinau
Aktualisiert am 06. Sep. 2018

Viele von uns stellen sich immer wieder die Frage: Vollmilch oder fettarme Milch? EAT SMARTER erklärt Ihnen die Unterschiede zwischen den beiden Milch-Varianten und auf welche Sie zurückgreifen sollten.

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Deutschland ist mit circa 94 Litern pro Kopf pro Jahr der weltweit drittgrößte Konsument von MilchVollmilch oder fettarme Milch gehören in Deutschland zu den Grundnahrungsmitteln. Ob zum Backen für leckere Kuchen und leichte Desserts oder einfach morgens zum Kaffee oder Kakao.

Die Milch machts!

Dabei ist es für uns Menschen eigentlich nie vorgesehen gewesen, dass wir die Milch von anderen Säugetieren trinken. Dass wir es können, liegt an einem Gendefekt, der sich wahrscheinlich im frühen Mittelalter durchsetzte.

Da es aufgrund von ungewöhnlich kalten Jahreszeiten zu vielen Ernteausfällen kam, konnten sich unsere Vorfahren nur durch Kuh- oder Ziegenmilch über den Winter bringen. Der Gendefekt, der die Milch für uns trinkbar machte, wurde so von Generation zu Generation weitergegeben.

Wir Europäer gehören so zu dem Drittel der Weltbevölkerung, die Milch (meist) ohne Beschwerden konsumieren können, denn Laktoseintoleranz ist keine Krankheit, sondern lediglich dem Fehlen des Gendefekts geschuldet.

Aber wer hat sich nicht schon die Frage gestellt, ob Vollmilch oder fettarme Milch gesünder ist? EAT SMARTER erklärt in den folgenden vier Punkten wie sich Vollmilch und fettarme Milch unterscheiden und ob fettarme Milch wirklich gesünder ist.

1. Vollmilch oder fettarme Milch: Welche enthält mehr Nährstoffe?

Generell gibt es im Supermarkt vier verschiedene Sorten an Milch zu kaufen: Vorzugsmilch (frische Milch vom Bauern die filtriert und verpackt wurde), Vollmilch, fettarme Milch und haltbare Milch, die es auch in der entrahmten Variante zu kaufen gibt.

Vorzugsmilch ist nur zwei bis drei Tage haltbar und hat einen Fettgehalt von 3,5 bis 4 Prozent.

Vollmilch und fettarme Milch, je nachdem, ob es sich um pasteurisierte oder länger haltbare Frischmilch handelt, sind sechs bis 14 Tage haltbar. Der Fettgehalt der Vollmilch liegt bei mindestens 3,5 Prozent – der Fettgehalt der fettarmen Milch bei 1,5 bis 1,8 Prozent.

Die haltbare entrahmte Milch lässt sich ungekühlt circa sechs bis acht Wochen lagern. Der Fettgehalt liegt bei maximal 0,5 Prozent.

Nährwerte für 100 Mililiter Vollmilch fettarme Milch entrahmte Milch
Kilokalorien 65 47 38
Fett 3,5 g 1,5 g 0,3 g
Eiweiß 3,4 g 3,4 g 3,6 g
Kohlenhydrate 4,7 g 4,9 g 5,1 g
Vitamin E 0,6 %* 0,3 %* 0 %*
Vitamin D 0,05 %* 0,12 %* 0 %*
Kalium 7 %* 7,5 %* 7,5 %*
Calcium 12%* 12,4 %* 12,3 %*

* Prozentualer Anteil der empfohlenen Tagesdosis

Vollmilch enthält im Vergleich zu fettarmer Milch zwar mehr Kilokalorien und mehr Fett, hat aber dafür weniger Kohlenhydrate. Das liegt daran, dass fettarmer Milch oft noch Zucker zugesetzt wird um den Geschmack (der durch den geringeren Fettanteil nachlässt) zu verbessern. 

Auch wenn der Vitamin-D-Gehalt in Milch oft als hoch angepriesen wird, erkennt man, dass weder Vollmilch noch fettarme Milch aufgrund der Pasteurisierung und Homogenisierung bedeutend viel Vitamine enthalten.

Vollmilch und fettarme Milch sind jedoch gute Kalium- und vor allem Calcium-Lieferanten. Schon ein Glas, egal ob Vollmilch oder fettarme Milch, deckt über ein Viertel des täglichen Calcium-Bedarfs.

Calcium ist besonders für die Knochen sowie Muskel- und Nervenzellen essenziell, aktiviert die Fettverbrennung und hemmt zusätzlich den Fettaufbau.

Merke!

Der größte Unterschied zwischen Vollmilch und fettarmer Milch ist vor allem ihr Fett- und Kaloriengehalt. Beide sind jedoch gute Kalium- und vor allem Calcium-Lieferanten.

2. Vollmilch oder fettarme Milch: Begründete Angst vor gesättigten Fettsäuren?

Vollmilch wird aufgrund ihres höheren Fettgehalts oft als ungesünder eingestuft als fettarme Milch. Auch der hohe Gehalt an gesättigten Fettsäuren in Vollmilch hat diese in den letzten Jahren oft in Verruf gebracht. Gesättigte Fettsäuren standen lange im Verdacht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu begünstigen.

Bis jetzt konnte allerdings in keiner wissenschaftlichen Studie der Zusammenhang zwischen gesättigten Fettsäuren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bewiesen werden.

Ganz im Gegenteil weisen verschiedene Studien darauf hin, dass insbesondere der Konsum von Bio-Vollmilch das Risiko von einem zu hohen Cholesterinspiegel, Bluthochdruck und Diabetes Typ 2 verringert (1, 2, 3).

Fünf einfache Wege Ihren Cholesterinspiegel zu senken, erfahren Sie hier.

Merke!

Vollmilch stand, aufgrund des hohen Gehalts an gesättigten Fettsäuren, oft im Verdacht ungesund für das Herz-Kreislauf-System zu sein. Jedoch ist dies nicht wissenschaftlich bewiesen.

3. Vollmilch oder fettarme Milch: Welche macht dick?

Aufgrund des höheren Fettgehaltes liegt die Vermutung nahe, dass der Verzehr von Vollmilch dick macht. Gerade Menschen, die abnehmen wollen, wird oft fettarme Milch empfohlen, um so ein paar Kilos zu verlieren. 

Generell haben verschiedene Studien mittlerweile gezeigt, dass Menschen, die häufig Milch trinken, schlanker sind und seltener an Diabetes Typ 2 erkranken als Menschen, die keine Milch konsumieren.

Milch zum Frühstück verringert gerade durch den hohen Proteingehalt, maßgeblich den Hunger zur Mittagszeit.

Leider gibt es jedoch nur wenige Studien, die untersuchen, ob Vollmilch oder fettarme Milch gesünder ist. Die Studien, die es gibt, konnten allerdings einen Zusammenhang zwischen dem Vollmilchkonsum und einem geringeren Körpergewicht und einer geringeren Chance fettleibig zu werden im Vergleich zu Menschen, die fettarme Milch trinken, beweisen. Dafür, dass man als normalgewichtige Person durch den Konsum von Vollmilch zunimmt, gibt es keinerlei Beweise (4, 5, 6).

Merke!

Generell sind Menschen, die viel Milch trinken schlanker und haben ein geringeres Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken als Menschen, die keine Milch konsumieren.

4. Vollmilch oder fettarme Milch: Welche ist gesünder?

Generell können alle Menschen mit Normalgewicht zu Vollmilch greifen. Viele Studien haben mittlerweile bewiesen, dass sich die Fette in Vollmilch nicht negativ auf das Gewicht oder das Herz-Kreislauf-System auswirken. 

Menschen, die sich kalorienarm ernähren und ihren Milchkonsum nicht einschränken wollen, sollten auf die fettarme Variante zurückgreifen. Dadurch können etwa 50 Kilokalorien pro Glas eingespart werden.

Weder im Protein- noch im Calcium-Gehalt gibt es große Unterschiede zwischen beiden Sorten. Fettarme Milch enthält zwar weniger Fett und Kalorien als Vollmilch, gesünder für den Körper macht es sie jedoch nicht. 

Auf welche Milch Sie für Ihre Babys und Kinder zurückgreifen sollten, erklärt unsere Expertin erklärt Anja Boerner, Diplom-Ökotrophologin aus Hamburg:

"Zur Herstellung von Brei wird Vollfettmilch empfohlen. Ab dem Kleinkindalter empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) Halbfettmilch. Ob Vollfettmilch oder Halbfettmilch kommt meiner Meinung nach auf die Statur des Kindes und die Gewohnheiten der Eltern an: Wenn die Eltern lieber Vollfettmilch mögen und das Kind normalgewichtig ist, kann es ruhig für die ganze Familie Vollfettmilch sein. Neigt das Kind aber zu Übergewicht, dann ist die Umstellung von Vollfett- auf Halbfettprodukte eine gute Stellschraube. Auch für die Eltern kann es ein Anstoß sein, selbst auf Halbfettprodukte umzustellen."

Merke!

Bis auf den geringeren Kalorien- und Fettgehalt ist fettarme Milch nicht gesünder als Vollmilch. Normalgewichtige können deswegen getrost auf Vollmilch zurückgreifen.

Wissen zum Mitnehmen

Der größte Unterschied zwischen Vollmilch und fettarmer Milch ist vor allem ihr Fett- und Kaloriengehalt. Beide sind jedoch gute Kalium- und vor allem Calcium-Lieferanten. Für den Vitamingehalt ist es fast egal, ob man zu Vollmilch oder fettarmer Milch greift, da er bei beiden Sorten verschwindend gering ist.

Generell sind Menschen, die viel Milch trinken schlanker und haben ein geringeres Risiko an Diabetes Typ 2 zu erkranken als Menschen, die keine Milch konsumieren. Auch wenn Vollmilch aufgrund des hohen Gehalts an gesättigten Fettsäuren lange im Verdacht stand, ungesund für das Herz-Kreislauf-System zu sein, gibt jedoch keine wissenschaftlichen Beweise für diesen Zusammenhang. Vollmilch-Trinker haben gegenüber Menschen, die fettarme Milch trinken, zudem ein geringeres Risiko, fettleibig zu werden.

Bis auf den geringeren Kalorien- und Fettgehalt ist fettarme Milch nicht gesünder als Vollmilch. Menschen, die sich kalorienarm ernähren wollen oder müssen, sollten deshalb auf die fettarme Variante zurückgreifen –Normalgewichtige können getrost Vollmilch trinken.

Wissenschaftlich geprüft von unseren EAT SMARTER Experten

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Bisherige Kommentare

 
Ich trinke jeden morgen meine Milch statt Frühstück und habe aufgrund von Gewichtszunahme von Vollmilch auf fettarme Milch umgestellt. Es scheinen nicht alle Menschen gleich zu reagieren, denn bei mir bringts was.
 
Frische Milch ist ein Nahrungsmittel - welches man täglich zu sich nehmen sollte. Es ist kein Getränk. Vollmilch schmeckt Vollmundiger, macht aber nicht dicke 1/4 -1/2 l Will man die Milch weiter verarbeiten - zu Kuchen etc. kann man auch auf Magermilch zurückgreifen. Für selbst angesetzten Kefir ist H-Milch ein Muss!

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