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Dr. Kurscheid - der Fernseh-Arzt

Zuckerkrankheit und Blasenschwäche

Von Prof. Dr. med Thomas Kurscheid
Aktualisiert am 27. Dez. 2018
Blasenschwäche und Diabetes

Eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur, Schwangerschaft und Geburt oder eine vergrößerte Prostata sind typische Ursachen für Blasenschwäche. Aber auch Diabetes kann der Auslöser sein. Das haben unter anderem eine US-amerikanische Studie von 2005 sowie eine deutsche Studie der Universität Witten/Herdecke aus dem Jahr 2006 ergeben.

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Wo ist die Verbindung zwischen Diabetes und Blasenschwäche?

Fast 25 Prozent der über 75-Jährigen leiden heute unter Diabetes. Immer mehr Jugendliche entwickeln heute schon einen sogenannten Altersdiabetes, der früher eben nur im Alter auftrat. Heute aber, getriggert durch Übergewicht und mangelnde Bewegung, verschiebt sich das Erkrankungsrisiko immer mehr Richtung Jugend und die „besten Jahre“.

Das Risiko einer Blasenschwäche steigt mit der Dauer der Diabeteserkrankung. Das Risiko für schwerwiegende Inkontinenzsymptome ist bei Diabetes fast doppelt so hoch wie bei Probanden ohne Diabetes mellitus Typ 2.

Untersuchungen an Älteren mit Typ-2-Diabetes zeigen bei 80 Prozent der Männer und 60 Prozent der Frauen krankhafte Befunde (reduziertes Füllungsgefühl, Schwäche des Detrusormuskels, der den Blasendruck aufbaut, Restharnbildung, erhöhte Blasenkapazität). [Kebapci N 2005]

Welche Harninkontinenzformen kann Diabetes verursachen?

Diabetes schädigt die Nerven der Blase. Daher verspürt der Betroffene erst Drang, wenn die Blase stark gefüllt ist. Diese Überdehnung kann die Blasenmuskulatur schädigen. Der Betroffene kann daher seine Blase nicht mehr vollständig entleeren. Schließlich "läuft" die Blase "über" – es entsteht eine Überlaufinkontinenz. Diese diabetische Blasenschwäche kommt bei circa 50 Prozent der Diabetiker vor.

Aber der Blasenmuskel kann auch überaktiv sein (überaktive Blase). Ein verstärkter Harndrang und häufiges Wasserlassen – auch in der Nacht – sind die Symptome. Dahinter stehen offenbar Durchblutungsstörungen im Gehirn.

Außerdem kann eine Belastungsinkontinenz auftreten, die vor allem Frauen mit Diabetes mellitus betrifft. Grund hierfür ist meist eine Schwäche des Beckenbodens oder des Schließmuskels.

Gibt es typische Symptome einer diabetischen Blasenfunktionsstörung?

Anfangs treten keine oder nur wenige Symptome auf. Im Verlauf der Erkrankung können sich unter anderem seltenere Toilettengänge, größere Mengen beim Wasserlassen, schwächerer Harnstrahl und ungewollter Harnverlust bei einer Überlaufinkontinenz einstellen.

Bei einer überaktiven Blase (hier drückt der Muskel die Blase zusammen) sind es nicht zu unterdrückender Harndrang oder gehäuftes Wasserlassen.

Betrifft Inkontinenz bei Zuckerkrankheit eher Männer oder Frauen? Oder gibt es hier keine geschlechtsspezifischen Unterschiede?

Es gibt Studien, die zeigen, dass  bei Diabetikern Männer etwas häufiger im Alter betroffen sind. [Kebapci 2005] Eine Befragung  der Uni Witten/Herdecke von 4000 Typ-2-Diabetikern zeigte, dass insgesamt 65,6 Prozent der Männer und 70,4 Prozent der Frauen Probleme beim Wasserlassen hatten. Bestand der Diabetes seit acht Jahren, verdoppelte sich der Anteil der Inkontinenzpatienten.

Blasenschwäche wegtrainieren

Welche Therapien existieren bei diabetischen Blasenfunktionsstörungen?

Das Wichtigste ist eine konsequente Behandlung der Ursache, nämlich der erhöhten Blutzuckerwerte. Dies gelingt am besten durch tägliche Bewegung wie z.B. 10.000 Schritte und eine Normalisierung des Gewichtes. Wenn das alleine nicht reicht, kann die Einnahme von blutzuckersenkenden Medikamenten notwendig sein. Das schützt vor Folgeerkrankungen – auch vor Harninkontinenz.

Treten Harnwegsinfekte, häufiges Wasserlassen, vermehrtes nächtliches Wasserlassen oder das Gefühl der unvollständigen oder erschwerten Blasenentleerung  auf, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, damit es nicht zu einer schweren Form der Inkontinenz kommt.

Neben der guten Einstellung des Diabetes und der täglichen Bewegung ist ein Beckenbodentraining in vielen Fällen effektiv. Es kann dazu beitragen, die Symptome zu beseitigen oder zumindest den Krankheitsverlauf verzögern.

Prof. Dr. Thomas Kurscheid


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