Minimalismus

Von Marieke Dammann
Aktualisiert am 27. Dez. 2018

Wer kennt sie nicht, all die Sprüche zum Thema Aufräumen, Ordnung halten, Chaos beseitigen – und das am besten nicht nur kurzfristig, sondern langanhaltend.

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Kurz vor meiner langen Reise nach Neuseeland und Bali fiel mir wieder einmal auf, wie viele Sachen ich eigentlich besitze, die ich teilweise gar nicht nutze. 

Da nun nach der Reise ein Umzug in eine neue Stadt anliegt, dachte ich mir, wäre doch genau jetzt der richtige Zeitpunkt, Klarschiff zu machen, mich von nicht gebrauchten Dingen zu trennen, Erinnerungen loszulassen, auch, da ich schon oft in meinen Räumen keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte - hin zum Minimalismus also!

Vielleicht liegt es mal wieder am Wandel der Jahreszeiten, aber mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit bekomme ich immer zu solchen Zeiten, wo sich draußen etwas verändert, auch das Bedürfnis, drinnen einen neuen Schwung reinzubringen und Ordnung zu schaffen.

Weniger, weniger, weniger!

Allzu oft habe ich, wenn ich wirklich andere wichtige Dinge zu tun hatte, keinen klaren Gedanken fassen können, es herrschte zu viel Chaos, es war zu viel da, was mich ablenken konnte, einfach zu viel von allem – ich musste aufräumen, ich wollte weniger!

Auch während der Reise merkte ich bereits, wie wenig ich wirklich brauche – natürlich fehlten mir meine Küchenutensilien ein wenig, aber alles, was ich ansonsten zum Leben benötige, passte eigentlich in einen großen Rucksack. Na klar – es ist nicht jeden Tag ein komplett neues Outfit drin. Aber wen stört’s? Mich zumindest nicht.

Doch was ist eigentlich Minimalismus?

Minimalisten verzichten bewusst auf ein zu viel an Dingen, wodurch sie Platz für die wirklich wichtigen Dinge schaffen – für’s Kreativ sein, um Zeit mit Freunden und der Familie zu verbringen, um sich seinen Hobbies neben dem Job zu widmen. Denn: Zu viel Besitz belastet. All das, was man hat, schleppt man gedanklich mit sich herum, wenn auch eher unbewusst. Das Gefühl des Aussortierens ist hingegen unheimlich befreiend und doch fällt es uns sehr schwer, uns von (vermeintlich) benötigten Dingen zu trennen.

Doch wie wird man denn zum Minimalisten, wie schafft man es, Dinge loszulassen?

Wer weniger besitzt, muss sich auch um weniger kümmern und gewinnt zugleich mehr Zeit, hat mehr Raum zur Verfügung und auch mehr Geld. Da ich nicht so recht wusste wo ich anfangen sollte und nicht nur wieder den Kleiderschrank aufräumen wollte, bin ich in die Bibliothek gegangen und dort auf die Bücher von Marie Kondo gestoßen, die mit ihrer KonMari-Methode und dem Magic Cleaning schon vielen Menschen geholfen hat.
Sie setzt darauf, dass man nur das behält, was einem Freude bereitet. Sie hat dafür einige Tipps parat, wie du herausfindest, welche deiner Besitztümer dich wirklich glücklich machen.

Tipp 1: Nach Kategorien aufräumen

Wenn ich aufgeräumt habe, bin ich immer nach Räumen vorgegangen. Oftmals empfand ich es zwar als viel, was in den einzelnen Räumen war, aber trotzdem war von allem nur ein wenig da. Doch wenn man nach Marie Kondos Methode vorgeht, merkt man meist erst, wie viel man eigentlich hat!

Es hilft wirklich, wenn man aus allen Räumen bspw. zunächst die Kleidung zusammenträgt, die man besitzt. Ich war unheimlich erstaunt, als ich gemerkt habe, wie viel da eigentlich zusammenkam. Und wie viel dazwischen war, wo ich nicht mal mehr wusste, das ich die Dinge überhaupt habe! Generell rät Marie Konto dazu, mit den weniger wichtigen Sachen anzufangen, anschließend folgen bspw. Kleidungsstücke und Bücher und ganz zum Schluss die Erinnerungsstücke, da es hier häufig schwierig ist, sich von ihnen zu trennen. Wer mit den Erinnerungsstücken loslegt, kommt wohlmöglich nie zum Ende.

Tipp 2: Alle Dinge anfassen

Diesen Tipp fand ich zwar erst etwas seltsam, aber es funktioniert tatsächlich. Wenn du alles anfasst, merkst du meist sofort, ob es dich glücklich macht, ob dir das Kleid, das Buch o.ä. etwas bedeutet. Frag dich dabei, ob der Gegenstand dich wirklich glücklich macht, ob er positive Gefühle in der weckt. Wenn nicht – aussortieren! Und ein „vielleicht“ gibt es nicht. 

Tipp 3: Alles hat seinen festen Platz

Die Dinge, die dich wirklich glücklich machen und die du behalten möchtest, haben seinen festen Ort, an dem sie aufbewahrt werden. Marie Kondos Tipp bei Kleidung ist bspw. auch, dass man die Kleidungsstücke falten oder aufhängen soll. Beim Falten gibt sie zudem an, dass man die Kleidung am besten „stehend“ falten und in ein Fach räumen soll, damit die Stapel nicht einfach wahllos erhöht werden und die Dinge, die unten liegen, gar nicht mehr beachtet.

Wohin mit den aussortierten Sachen?

Nur was wirklich in den Müll gehört, wandert auch dorthin. Nicht mehr funktionierende Elektrogeräte kannst du bspw. zum Elektrorecycling bringen.
Wenn aber noch gute Sachen dabei sind, versuche sie weiterzuverkaufen oder zu verschenken. Ich nutze hierfür gerne Flohmärkte (meist virtuelle, bspw. über Facebook) oder Ebay Kleinanzeigen. Auch Tauschpartys wären eine Idee.
Ebenfalls ist das Kaufhaus mit Herz eine Möglichkeit, um bspw. nicht benötigte Kleidung oder Geschirr abzugeben, solange sich die Sachen noch in einem guten Zustand befinden. 

Minimalismus beibehalten

Wenn die klare Linie in deinen vier Wänden eingekehrt ist, heißt es, diese auch beizubehalten. Hierfür behalte stets den Überblick und überlege immer wieder, ob du dieses oder jenes, was dir bspw. im Schaufenster schöne Augen macht, wirklich brauchst.

Halte dein Hab und Gut auch immer schön in Schuss und wenn doch einmal etwas kaputt geht, versuche es zunächst zu reparieren. Und wenn du doch mal frischen Wind in deine Einrichtung, dein Bücherregal oder in deine Kleidung bringen willst, leihe oder tausche doch einfach.

Wenn es dann aber doch mal etwas Neues sein soll, könntest du dafür ein altes Teil aussortieren, um nicht wieder unnötig viele Gegenstände in deiner Wohnung anzuhäufen. Außerdem setze bei allen Neuanschaffungen auf Qualität. Du könntest bspw. auch darauf achten, dass alles, was nun neu in deinen Haushalt wandert, unter fairen Bedingungen produziert wurde, nachhaltig und bio ist. So hast nicht nur du länger etwas davon, sondern auch alle, die am Herstellungsprozess beteiligt waren, haben mehr davon.

Ich selber versuche momentan all die Tipps und Tricks umzusetzen und freue mich auch schon auf die Zeit danach, wenn ich mit allem fertig bin – ich weiß, dass die Kisten, die ich packen muss, leichter zu tragen sein werden, ich weniger in den neuen vier Wänden verräumen, für weniger Dinge einen Platz finden muss. Das ist ein ziemlich gutes und auch befreiendes Gefühl.

Und ist es nicht viel schöner, wenn all die Dinge, die einem wirklich etwas bedeuten, auch einen schönen Platz haben, wo sie immer sichtbar sind und Aufmerksamkeit bekommen? Nicht eingemottet in irgendeiner Ecke, weil man sie irgendwann vielleicht nochmal gebrauchen kann, das Kleidungsstück irgendwann nochmal tragen wird? Wie bereits gesagt: Der Zeitpunkt „irgendwann“ kommt – zumindest in den meisten Fällen – nie.

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Liebst, eure Marieke 

Auch zu empfehlen: Die Dokumentation "Minimalism" auf Netflix (mehr Infos findet ihr auch auf www.theminimalists.com).

 

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