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Karpaltunnelsyndrom: Wann muss operiert werden?

Von EAT SMARTER
Aktualisiert am 14. Aug. 2019
Schmerzende Hand bei der Arbeit an der Tastatur

Wenn die Finger sich taub anfühlen, kribbeln oder schmerzen, dann ist häufig das Karpaltunnelsyndrom die Ursache. Im Live Smarter-Blog lesen Sie, wie es zu dem Syndrom kommt, wie Sie vorbeugen können und wann operiert werden muss.

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Unsere Hände sind motorische und sensorische Meisterwerke. Mit ihnen verrichten wir präzise Arbeiten, spüren feinste Temperaturnuancen und können verschiedenste Oberflächen ertasten. Dafür, dass wir wir so gut spüren, tasten und greifen können, ist der „Nervus medianus“ oder Mittelnerv verantwortlich. Er führt von den Hals- und Brustwirbeln bis in die Hand, versorgt bestimmte Handmuskeln und ist verantwortlich für die Sensibilität der Handfläche und bestimmter Bereiche der Finger.

Im Bereich des Handgelenks passiert der Mittelnerv eine relativ enge Stelle: den Karpaltunnel, der durch die Handwurzelknochen und ein straffes Bindegewebsband gebildet wird. Verschiedene Faktoren können dazu führen, dass dieser Tunnel sich verengt; zum einen, wenn die Bindegewebsplatte an Volumen zunimmt, beispielsweise durch starke körperliche Anstregnung oder Arbeit mit den Fingern. Auch eine Schwangerschaft oder bestimmte Stoffwechselstörungen wie Gicht können zu Gewebewachstum führen. Eine Einengung des Nervs kann aber auch durch Fehlstellungen nach Knochenbrüchen oder Verletzungen im Handgelenksbereich auftreten.

Egal, welche Ursache zu Grunde liegt, die Symptome eines Karpaltunnelsyndroms sind immer gleich unangenehm: Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger fühlen sich taub an, kribbeln oder schmerzen, besonders häufig in der Nacht. Die Beschwerden können bis in den Schulter-Nacken-Bereich ausstrahlen. Häufig lassen sich die Beschwerden durch Schütteln oder Massieren der Hand lindern.

Bei weiter fortgeschrittenem Karpaltunnelsyndrom können Schmerzen und auch Taubheitsgefühl am Tage auftreten. Wenn der Nerv über längere Zeit eingeklemmt bleibt, kann sich eine stärkere Nervenschädigung entwickeln: Die Hand bleibt gefühllos, hat keine Kraft mehr und lässt sich schwer bewegen. Unter Umständen kann es sogar zu Muskelschwund im Daumenballen kommen.

Wie wird ein Kar­pal­tun­nel­syn­drom fest­ge­stellt?

Erste Hinweise auf die Diagnose gibt die charakteristische Krankengeschichte. Mit einfachen Untersuchungen kann der Arzt relativ schnell herausfinden, ob bei Ihnen ein Karpaltunnelsyndrom besteht: Zum einen wird ein Beugetest durchgeführt, und auch ein gezieltes Pochen auf das Handgelenk kann Aufschluss geben.

Zur Diagnosesicherung wird häufig zusätzlich die Leitgeschwindigkeit des Nervs gemessen. Mithilfe kurzer elektrischer Reize wird die Leitfähigkeit einzelner Nerven überprüft. So lässt sich eine Aussage über den Ort und  das Ausmaß der Nervenschädigung treffen oder eine andere Nervenerkrankung ausschließen.

In manchen Fällen wird zusätzlich die Muskulatur im Daumenballenbereich untersucht. Dazu sticht der Arzt eine dünne Nadel in die zu untersuchende Muskulatur. Dann wird der Muskel über leichte elektronische Reize aktiviert und seine Reaktion gemessen. Um ursächliche Erkrankungen herauszufinden, können Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen der Hand oder eine Blutanalyse helfen.

Eine Ultraschalluntersuchung oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) sind nur in seltenen Fällen erforderlich.

Karpaltunnelsyndrom behandeln

Je früher ein Karpaltunnelsyndrom behandelt wird, desto besser. Wenn die Nerven noch nicht stark geschädigt sind, hilft in vielen Fällen eine Armschiene, die das nächtliche Abknicken der Hand verhindert und Druck vom Nerv nimmt. Auch bestimmte Medikamente gegen rheumatische Beschwerden können den Druckschmerz lindern, da sie abschwellend wirken. Gleiches gilt, wenn Rheuma zur Einengung des Karpaltunnels geführt hat.

Auch mit Kortisonspritzen kann ein Karpaltunnelsyndrom behandelt werden. Kortison, das abschwellend und entzündungshemmend wirkt, wird direkt in den Karpaltunnel eingespritzt. Durch das Einbringen eines örtlichen Betäubungsmittels werden auch die Schmerzen reduziert. Wenn die Beschwerden sich deutlich bessern oder vollständig verschwinden, muss die Injektion nicht wiederholt werden.

Im Einzelfall hat auch Akupunktur bei Karpaltunnelsyndrom gute Erfolge erzielt. Hierzu liegen jedoch noch keine ausreichenden Daten vor.

Karpaltunnelsyndrom operieren

Schlagen die beschriebenen Maßnahmen nicht oder zu wenig an oder kehren die Beschwerden wieder, sollte man über eine Operation nachdenken. Sie kann die Druckbelastung des Nervs im Karpaltunnel deutlich vermindern und verhindert bleibende Nervenschäden. Die Beschwerden hören im Regelfall direkt nach der Operation auf und kommen auch langfristig meist nicht wieder. Damit die Hand zu alter Stärke und Sensibilität zurückkehrt, helfen krankengymnastische Übungen.

Es gibt zwei gängige Operationsverfahren, die beide in Voll- oder Teilnarkose durchgeführt werden können. Bei der einen Methode gelangt der Operateur – in der Regel ein Handchirurg – durch einen Schnitt am Handgelenk in den Karpaltunnel, bei der anderen operiert er mithilfe von kleinen Instrumenten und Optiken, die er über kleine Hautschnitte in das Handgelenk einbringt.

Wenn Fehlstellungen nach Knochenbrüchen das Karpaltunnelsyndrom hervorgerufen haben, stellt die Operation mit einer Korrektur der Knochenstellung die sinnvollste Behandlung dar. Hier ist die Vorgehensweise stark abhängig vom Einzelfall.

Karpaltunnelsyndrom vorbeugen  

Verschiedene Maßnahmen können helfen, dem Karpaltunnel-Syndrom vorzubeugen. Für die Computer-Arbeit beispielsweise kann man statt der Maus einen Track-Ball verwenden, bei dem zum Positionieren des Cursors nur der Ball und nicht das ganze Gehäuse bewegt werden muss. Weiter gibt es Lagerungsschienen, die entlastend wirken. Auch Dehnübungen helfen, dem Karpaltunnel-Syndrom vorzubeugen. Wichtig ist, dass Sie immer wiederkehrende Bewegungen regelmäßig durch entspannende, lockernde Übungen unterbrechen.

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Bez. der Maus / Trackball gibt es meiner Meinung nach noch eine bessere Möglichkeit. ich spreche da aus eigener schmerzhafter Erfahrung. Als Netzwerkadministrator sitze ich den ganzen Tag vorm Rechner. Ich hatte Schmerzen von der Hand bis in den Nacken. Mein Arbeitgeber übernahm die Kosten ( von ca. 100 Euro ) für eine Evulent Maus . das ist eine Vertikal Maus . Die normale Handhaltung ist eigentlich das der Daumen nach oben zeigt und nicht wie bei den "normalen" Mäusen nach unten gedreht. die neue Maus bracht mir die Entspannung so das ich seit ein paar Jahren schmerzfrei bin . Achtung: man muss sich an die Haltung erst einmal gewöhnen , aber es lohnt sich auf jeden Fall, wenn man die Schmerzen los werden will. Außerdem gibt es eine Einfache Übung . 3 - 4 mal täglich eine Minute. Man stellt sich vor einen Tisch und legt die Hände an die Kante , nun dreht man die Handflächen nach außen und dann so weit wie möglich nach hinten ( zum Körper) die Handflächen müssen ganz aufliegen. zum Schluss geht man mit dem Oberkörper so weit zurück wie man kann . nach einer Miunute geht man langsam nach vorne und entlastet die Hände. Nach 2 Wochen waren bei mir die Schmerzen schon viel weniger.
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