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Was unsere Füße über uns verraten

Von EAT SMARTER
Aktualisiert am 02. Feb. 2021
Zehenspitzen

Perfekt glatte, wohlgeformte Füße haben leider nur Babys. Spätestens im jungen Erwachsenenalter beginnen unsere Füße und Zehen erste Spuren der täglichen Belastung zu zeigen. Wie Sie Ihren Füßen täglich Gutes tun, verrät der Live Smarter-Blog.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Unser Fuß: ein elastisches Meisterwerk
  2. Die häufigsten Fußfehlstellungen
    1. Knick-Senkfuß
    2. Spreizfuß
  3. Fehlstellungen der Zehen
    1. Hallux valgus
    2. Wann muss ein Hallux Valgus behandelt werden?
    3. Hammer- und Krallenzehen
  4. Fußfehlstellungen vermeiden

Zu enge Schuhe, zu hohe Absätze, langes Stehen: Wir muten unseren Füßen im Alltag einiges zu. Vor allem Frauenfüße passen sich im Lauf des Lebens oftmals eher dem Schuh an als anders herum. Es kommt zu Fehlstellungen der Füße. Doch auch bei Männern entsprechen die wenigsten Füße den Idealvorstellungen aus dem orthopädischen Lehrbuch.

Unser Fuß: ein elastisches Meisterwerk

Wussten Sie, dass sich in jedem unserer Füße 26 Knochen, 33 Gelenke, 20 Muskeln und über 100 Bandstrukturen befinden? Bänder und Sehnen halten die Knochen wie elastische Federn zusammen. Zusammen mit der stabilisierenden Muskulatur wirken sie wie ein Stoßdämpfer, der unseren Körper vor Belastungen und Erschütterungen schützt und Unebenheiten des Bodens ausgleicht.

Ein Fuß besteht aus einer doppelten Gewölbekonstruktion: Im vorderen Fußbereich (Vorfuß) befindet sich das Quergewölbe, zwischen der vorderen und der hinteren Region (Rückfuß) ist das Längsgewölbe ausgebildet, welches normalerweise zur Mitte hin höher ist als am Fußaußenrand. Dieses Fußgewölbe verleiht dem Fuß eine optimale Tragfähigkeit – immerhin nimmt es der Fuß mit bis zu dem Dreifachen des Körpergewichtes auf.

Mehr darüber, warum die beste Technik menschlich ist, lesen Sie übringens im neuen Themenschwerpunkt der Techniker Krankenkasse.

Die häufigsten Fußfehlstellungen

Haben Sie sich schon einmal den Abdruck angeschaut, den Ihr nasser Fuß auf dem Boden oder einer Badematte hinterlässt? Die sich abzeichnende Form verrät schon einiges darüber, wie sehr Ihr Fuß auf dem Boden aufliegt, wie es also um das Gewölbe bestellt ist. Wenn Sie – wie jeder Zweite in Deutschland – kein ausgeprägtes Fußgewölbe haben, ist dies erst einmal kein Grund zur Sorge; kaum ein Mensch hat einen Fuß wie aus dem Lehrbuch. Senk-, Knick-, Spreiz- und Plattfüße gehören zum Standardrepertoire jedes Orthopäden.

Knick-Senkfuß

Senkt sich das Längsgewölbe des Fußes, dann entsteht ein sogenannter Senkfuß. Oft knickt der Fuß gleichzeitig zur Seite und es bildet sich ein Knick- beziehungsweise ein Knick-Senkfuß. Gut zu erkennen ist diese Fußfehlstellung am Abnutzungsgrad der Schuhe: Am Innenrand sind die Schuhsohlen stärker abgenutzt.

Nicht immer führt ein Knick-Senkfuß zu Beschwerden. Zu den häufigen Symptomen gehören durch die permanente Fehlbelastung des Knöchels und das veränderte Abrollverhalten des Fußes jedoch Fußschmerzen vor allem am Fußinnenrand unter dem Innenknöchel sowie Schwellungen am Innen- oder Außenknöchel. Nach längerer Gehstrecke klagen Knick-Senkfuß-Patienten oftmals über Fußschmerzen und Ermüdung.

Ursachen: Meist entwickelt sich ein Knick-Senkfuß, wenn Sehnen und Bänder das  Fußgewölbe nicht mehr im Gleichgewicht halten können. Dies kann viele Gründe haben, zum Beispiel Sehnenscheidentzündungen, Rheumatismus oder Verletzungen des Außenbandes. Verändern sich die Sehnenzugverhältnisse am Fuß, dann kann das Fußgewölbe zum Knick-Senkfuß einsinken.

Eine weitere Ursache, die vor allem Frauen ab 40 Jahren betrifft, ist eine Insuffizenz der Tibialis posterior-Sehne. Sie spielt eine wichtige Rolle beim Gehen und beim Abstoßen des Fußes vom Boden. Wird die Sehne geschwächt, so verlängert sich der zugehörige Muskel und es fehlt der nötige Zug, um das Längsgewölbe des Fußes aufrecht zu erhalten. In der Folge flacht sich das Fußgewölbe ab, und Patientinnen klagen über Druckschmerz und Schwellungen entlang der Sehne.

Behandlung: In den meisten Fällen lässt sich ein Knick-Senk-Fuß konservativ, also ohne eine Operation, behandeln. Wenn er keine Beschwerden verursacht, kann sogar auf orthopädische Einlagen verzichtet werden.

Wenn der Knick-Senkfuß zu Schmerzen führt, kommen in den meisten Fällen orthopädische Einlagen zum Einsatz, die das Fußlängsgewölbe unterstützen. Diese werden beim Orthopäden angepasst und in speziellen Werkstätten gefertigt.

Besteht eine Insuffizient der Tibialis Posterior-Sehne, so kommen diverse Therapiemaßnahmen infrage. Da die Sehnenschwächung häufig durch eine Entzündung begründet ist, haben entzündungshemmende Therapien Vorrang.

Spreizfuß

So schön High Heels und Pumps auch sind – hohe Schuhe sind eine der häufigsten Ursachen für den sogenannten Spreizfuß. Dementsprechend kommt diese Fußfehlstellung bei Frauen häufiger vor als bei Männern. Bei einem Spreizfuß entfernen sich die Zehenstrahlen des Mittelfußes auseinander, und die Zehenköpfchen des zweiten bis vierten Zehs senken sich ab. Dadurch steigt die Druckbelastung auf diese Zehenköpfchen, sodass die natürliche Abrollbewegung des Fußes schmerzhaft sein kann. Ein Spreizfuß kann – neben ungeeignetem Schuhwerk – aber auch erbliche Ursachen haben. So fördert auch ein schwaches Bindegewebe die Entstehung eines Spreizfußes.

Davon abgesehen, dass Spreizfüße nicht besonders attraktiv sind, bleiben sie in vielen Fällen schmerzfrei. Wenn Spreizfüße schmerzen, dann meistens beim Gehen oder Stehen. Gönnt man den Füßen Ruhe, so lassen die Schmerzen schnell nach. Die Absenkung des Fußgewölbes verändert auch die Stellung der Zehengrundgelenke. Dadurch können sich die Zehen verformen; sogenannte „Hammerzehen“ oder „Krallenzehen“ sind die Folge. Durch die Auffächerung der Zehenstrahlen neigt sich zudem der große Zeh nach innen, was in einem Hallux Valgus münden kann.

Behandlung: Hat sich das Quergewölbe erst einmal abgesenkt, kann es nicht mehr aufgerichtet werden. Eventuelle Beschwerden können gelindert werden, indem Sie Ihren Füßen möglichst viel Gutes gönnen: Verzichten Sie soweit wie möglich auf hohe Schuhe, und gehen Sie barfuß, wann immer sich die Möglichkeit ergibt. Spezielle Einlagen unterstützen zudem das Quergewölbe.

Fehlstellungen der Zehen

Füße einer Frau mit Hallux Valgus

Hallux valgus

Bei einem Hallux valgus knickt der große Zeh im Ballengelenk ab, die Spitze ist nach innen gewendet und verdrängt oder überlagert die zweite Zehe. Dem Hallux Valgus liegt in den meisten Fällen ein Spreizfuß zugrunde: Der Mittelfußknochen, der die Großzehe trägt, ist zur Körpermitte hin abgespreizt, sodass der Kopf des Mittelfußknochens von innen gegen die Haut und den darunter liegenden Schleimbeutel drückt. Der Ballen des großen Zehs ist verdickt; daher nennt man den Hallux Valgus auch Ballenzeh.  

Durch einen Hallux Valgus sieht nicht nur der Fuß unförmig aus, sondern er kann auch zu Beschwerden führen. Denn durch die Fehlstellung ändert sich die Zugrichtung der Sehnen und Muskeln, die Sehnen verkürzen sich, was die Fehlstellung weiter begünstigt und einen vorzeitigen Gelenkverschleiß im Grundgelenk des großen Zehs zur Folge haben kann.

Da Hallux Valgus und Spreizfuß meist gemeinsam auftreten, sind auch die Ursachen der Fehlstellungen dieselben: schwaches Bindegewebe, falsches Schuhwerk, Übergewicht und langes Stehen

Wann muss ein Hallux Valgus behandelt werden?

Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt vom Grad der Beschwerden und der Fehlstellung ab.

Zu bedenken gilt: Bleibt der Hallux Valgus unbehandelt, so wird die Fehlstellung des großen Zehs im Lauf der Jahre immer schlimmer. Gelenkverschleiß und eingeschränkte Beweglichkeit können die Folge sein.

Um die Schmerzen zu lindern und die Fehlstellung des großen Zehs zu korrigieren, bieten sich erst einmal konservative Maßnahmen an. Dazu gehört unter anderem die Wahl des richtigen Schuhwerks: Die Schuhe sollten flache Absätze und eher steife Sohlen haben und dem Fuß seitlich Halt geben. Auch spezielle Spreizfußeinlagen können eingesetzt werden. Unterstützend können Betroffene viel barfuß gehen und Fußgymnastik-Übungen machen.

Ist die Fehlstellung noch nicht weit fortgeschritten, kommen Schienen zum Einsatz, welche die Zehen während der Nacht in ihrer natürlichen Stellung halten. Diese Maßnahmen, ebenso wie spezielle Polsterungen und Abstandshalten, können ein Voranschreiten der Erkrankung jedoch allenfalls verzögern.

Ist der Hallux Valgus weiter fortgeschritten, so lässt sich eine dauerhafte Beschwerdefreiheit nur durch eine Operation erreichen. Je nach Alter des Patienten und Grad der Fehlstellung kommen verschiedene Methoden in Betracht.

Wenn es für eine korrigierende Operation zu spät ist, kann das Gelenk nur noch versteift werden, um den Schmerz zu nehmen.

Hammer- und Krallenzehen

Auch Hammer- und Krallenzehen sind in der Mehrzahl an Frauenfüßen zu beobachten. Während bei der Hammerzehe meist das Mittelglied nach oben gebeugt und das Zehenendglied gestreckt sind, ist die Krallenzehe im Mittel- und Endglied gebeugt und im Grundgelenk stark überstreckt. Die Zehe hat keinen Kontakt mehr zum Boden.

Hammer- und Krallenzehe sind ebenfalls Begleiter des Spreizfußes und haben die gleichen Ursachen. Sie können auch infolge einer rheumatoiden Arthritis, nach Erkrankungen des Zentralnervensystems sowie Verletzungen an Muskeln und Nerven des Unterschenkels oder Fußes auftreten. Wie der Hallux Valgus entwickeln sie sich erst in fortgeschrittenem Lebensalter. Unangenehme Komplikation der verkrümmten Zehen: Durch den Druck des Schuhs bilden sich meist auch hartnäckige, schmerzhafte Hornhautschwielen (Hühneraugen) an Zehen und Fußballen.

Behandlung: Bei leichten Druckstellen und beginnenden Fehlstellungen verhindert das Tragen bequemer Schuhe in der Regel weitere Druckschäden. Schuheinlagen, die auch den Spreizfuß mitbehandeln, können das Fortschreiten der Erkrankung verzögern und die Beschwerden bessern.

Wenn die Fehlstellung sehr ausgeprägt ist und zu sehr schmerzhaften Druckstellen führt, hilft nur eine operative Korrektur. Neben der weitgehenden Wiederherstellung der Zehenfunktion und der Beseitigung der schmerzhaften Druckstellen führt der Eingriff auch zu einem besseren kosmetischen Ergebnis. Für eine operative Korrektur steht heute eine Reihe von verschiedenen Techniken zur Verfügung, unter anderem eine Verlagerung der langen Strecksehnen. Bei stärkerer Verformung kann es nötig sein, Anteile der Zehenknochen zu entfernen, um die Zehe begradigen zu können.

Fußfehlstellungen vermeiden

Eine Operation sollte natürlich immer der letzte Schritt sein, da auch Routineeingriffe immer gewisse Risiken bergen.

Sie tun Ihren Füßen etwas Gutes, wenn Sie diese möglichst oft an die „frische Luft“ lassen; Barfußgehen stärkt die Muskeln und Sehnen der Füße und beugt Schmerzen durch Fehlstellungen vor. Auch zu enge und zu kleine Schuhe sollten Sie nur anziehen, wenn es wirklich nicht anders geht; gleiches gilt für Absätze höher als drei Zentimeter und für Schuhe, die hinten offen sind. Nach einem langen Tag auf den Beinen freuen sich Ihre Füße außerdem über Gymnastikübungen: Versuchen Sie, ein Tuch oder einen dünnen Stab mit den Zehen aufzuheben, oder rollen Sie einen Tennisball zwischen den Fußsohlen hin und her.

Wenn Sie merken, dass sich Ihre Zehen verformen, suchen Sie lieber früher als später einen Orthopäden auf. Fehlstellungen können in einem frühen Stadium häufig durch Einlagen und andere Maßnahmen am Fortschreiten gehindert werden. 

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