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Die wichtigsten Fragen zu den deutschen Tafeln

Von EAT SMARTER

Wie funktionieren die deutschen „Tafeln“, die überschüssige Lebensmittel an Bedürftige geben? EAT SMARTER hat bei Stefanie Bresgott nachgefragt, Pressesprecherin des Bundesverbandes Deutsche Tafel e.V.

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Welche Lebensmittel nehmen die Tafeln an?

Mitarbeiter der Bergedorfer Tafel prüfen Lebensmittel

Stefanie Bresgott: Grundsätzlich nehmen die Tafeln Lebensmittel an, die von den Supermärkten oder Discountern nicht mehr verkauft, aber dennoch bedenkenlos verzehrt werden können. Da die Tafeln gesetzlich zu den Lebensmittel-Unternehmen gezählt werden, unterliegen sie strengen Hygieneregeln. Obst, Gemüse, Süßes oder Nudeln zum Beispiel spenden die Märkte an Tafeln. Viele Bäckereien stellen Tafeln ihre Backwaren zur Verfügung, die nicht abverkauft werden konnten.

Einige wenige Tafeln nehmen auch Buffets an, wenn zum Beispiel bei einer Großveranstaltung etwas übrig geblieben ist. Das ist aber nicht die Regel. Bei verkochtem Essen gelten besondere Hygienebestimmungen, zum Beispiel dass das Essen die Küche noch nicht verlassen haben darf. Und es muss gewährleistet sein, dass die bereits zubereiteten Mahlzeiten auch direkt weiterverteilt werden können.

Nehmen die Tafeln auch Lebensmittel jenseits des Mindesthaltbarkeitsdatums an?

Stefanie Bresgott: Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist etwas anders als das Verfallsdatum. Das MHD gibt an, dass ein verpacktes Lebensmittel, das richtig gelagert wird, bis mindestens zu dem Datum typische Eigenschaften wie Geschmack, Nährwert, Aussehen und Konsistenz behält. Auch nach Ablauf des MHD darf die Ware – mit deutlicher Kennung – verkauft oder abgegeben werden. Vor der Ausgabe muss sich jedoch jeder vom einwandfreien Zustand der Ware überzeugen. Die Mitarbeiter der Tafeln sind geschult in Lebensmittelrecht und -hygiene, prüfen die Waren entsprechend und versehen sie mit einem neuen Mindesthaltbarkeitsdatum. Üblicherweise erhalten Tafeln aber Lebensmittel, die kurz vor Ablauf des MHD stehen.

Können auch Privatleute spenden?

Stefanie Bresgott: Grundsätzlich freuen sich die Tafeln über jede Spende. Allerdings ist die Annahme und Prüfung von Kleinspenden nicht zu jedem Tageszeitpunkt möglich, zum Beispiel, wenn die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel gerade mit der Lebensmittelausgabe beschäftigt sind. Viele Spender reagieren dann enttäuscht, doch sollten sie bedenken, dass die Tafeln von Ehrenamtlichen betrieben werden, die oft unter hohem Zeitdruck arbeiten. Wer an die Tafeln spenden möchte, ruft am besten vorher an und klärt ab, welcher Bedarf vorhanden ist und zu welcher Tageszeit die Spende am besten angenommen werden kann. Informationen zur nächstgelegenen Tafel finden Spender wie potentielle Kunden über die Tafel-Suche auf unserer Website.

Wer darf das Angebot der Tafeln in Anspruch nehmen?

Frau und Tochter holen sich Obst bei der Tafel ab

Stefanie Bresgott: Die Tafeln richten sich an bedürftige Menschen. In Deutschland kann jeder das Angebot in Anspruch nehmen, der eine Bescheinigung über staatliche Leistungen wie Hartz IV vorweisen kann. Der Bescheid muss, wenn er verlängert wird, auch bei der Tafel wieder neu vorgelegt werden.

Zur Zeit merken wir bei den Tafeln verstärkt die Auswirkungen der Altersarmut. So hat sich die Zahl der Rentner, die Lebensmittel bei der Tafel kaufen, von 12 Prozent im Jahr 2007 auf 24 Prozent im Jahr 2014 verdoppelt. Die Zahl der Kinder, die auf die Tafel angewiesen ist, geht hingegen leicht zurück.

Im Moment unterstützen die Tafeln auch Flüchtlinge. Hierzu haben wir noch keine belastbaren Zahlen, gehen aber von derzeit 250.000 geflüchteten Menschen zusätzlich zu den regulären 1,5 Millionen Menschen aus, die von der Tafel unterstützt werden. Daher suchen die Tafeln auch händeringend weitere ehrenamtliche Helfer! Wer Geflüchteten helfen möchte, kann dies auch durch sein ehrenamtliches Engagement bei einer Tafel tun.

Wie finanzieren sich die Tafeln überhaupt?

Stefanie Bresgott: Die Tafeln finanzieren sich ausschließlich über Geld- und Lebensmittelspenden. Die Lebensmittelspenden kommen von Supermärkten, Discountern und Großbäckereien und werden gegen einen kleinen Obolus an Bedürftige weitergegeben. Das sind dann zum Beispiel zwei Euro pro Einkauf, also Preise, die deutlich unter dem empfohlenen Verkaufspreis der Waren liegen.

Wir als Bundesverband empfehlen den Tafeln, die Waren nicht umsonst herauszugeben. Denn auch bedürftige Menschen kommen lieber selbst für ihren Lebensunterhalt auf, als Almosen anzunehmen. Dieser psychologische Faktor ist uns bei den Tafeln ganz wichtig. Daher heißen die Menschen bei uns auch Kunden und nicht Hilfeempfänger.

Welche Lebensmittel sind besonders willkommen?

Stefanie Bresgott: Meistens gehen bei den Tafeln schnell verderbliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Backwaren über den Tisch. Lang haltbare Lebensmittel wie Reis oder Nudeln sind hingegen Mangelware und immer heiß begehrt.


Die Tafeln in Deutschland

Ein Transporter der Bergedorfer Tafel mit Tomaten udn Blumen wird ausgeladen

1993 wurde die erste Tafel in Berlin gegründet. Ihr Ziel: Überschüssige Lebensmittel den Menschen zugute kommen zu lassen, die nur wenig oder gar kein Geld zur Verfügung haben. Mittlerweile gibt es in Deutschland über 900 Tafeln mit mehr als 2.100 Tafel-Läden und Ausgabestellen bundesweit. Knapp die Hälfte dieser Tafeln sind eigenständige Vereine, gut die Hälfte Projekte in Trägerschaft der verschiedensten gemeinnützigen Organisationen. Circa  60.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer engagieren sich bei den Tafeln.

Die deutschen Tafeln unterstützen regelmäßig bis zu 1,5 Millionen bedürftige Personen, davon 23 Prozent Kinder und Jugendliche, 53 Prozent Erwachsene im erwerbsfähigen Alter und circa 24 Prozent Rentner.

Das Engagement der Tafeln geht dabei über das bloße Verteilen von Lebensmitteln hinaus: Einige bieten zum Beispiel Kochkurse an, in denen Bedürftige lernen, günstig und dennoch vollwertig zu kochen. Tafeln wie in Hamburg oder München haben eigene Kochbücher veröffentlicht, um Basis-Ernährungswissen zu vermitteln. 

Wer helfen oder spenden möchte, informiert sich auf www.tafel.de

(lin) 

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Bisherige Kommentare

 
Wird denen Menschen geholfen, die im Wertkreis Gütersloh, das heißt; Werkstatt für behinderte Menschen, Arbeiten geholfen? Es gibt sehr viele, die einen geringen Betrag verdienen. Ich gehöre mit dazu.
 
kein wort über die Kosten für den Steuerzahler? Alle "Spenden" sind abgeschrieben (als Verluste) und mindern so die Steueraufkommen der "Spender".
 
Ist es möglich Flüchtlinge direkt auch als Helfer zu integrieren? Diese Menschen wollen eine Aufgabe und der psychologische Faktor wäre ebenfalls positiv berücksichtigt!

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