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Die Getränkeprüferin
11. November 2017

Lupinen-Sportdrink: Eiweißkick mit Blumenprotein

Bayerische Wissenschaftler haben einen neuen Drink für Sportler entwickelt, der reichlich Eiweiß aus den Samen der Lupine enthält. Das erfrischende Getränk lässt sich mit Molke vergleichen, ist aber rein pflanzlich. Damit wäre das neue Blumengetränk nicht nur eine gute Nachricht für Fitness-Begeisterte, sondern auch für Milchallergiker und Veganer. Allerdings wird es noch einige Zeit dauern, bis der Drink tatsächlich in allen Supermarktregalen steht. Denn Lupinen sind schön anzusehen, aber schwer zu verarbeiten.

Lupinen

Wer im Internet etwas über Lupinen erfahren will, findet einen alten Sketch der Komikergruppe Monty Python. Und zwar den, in dem der Wegelagerer Dennis Moore eine Kutsche überfällt. Statt Geld fordert der Bandit von den Insassen nämlich Lupinen.

Diesen langen, bunten Pflanzen misst Dennis Moore einen unermesslichen Wert bei. Er will sie daher an die Armen verteilen. In den Siebzigern sorgte diese Posse für Lacher. Heute wissen wir: Dennis Moore war ein Visionär!

Lupinen enthalten tatsächlich Inhaltsstoffe, die für den Menschen wertvoll sein können. So verwenden zum Beispiel Vegetarier, Veganer oder auch Milchallergiker Ersatzprodukte aus Lupinen-Samen als alternative Eiweißquelle. Manche Experten sehen in der Lupine das Potenzial, eine ebenso bedeutende Nahrungsmittelpflanze zu werden wie Soja. Doch die Lupine will sich nicht so einfach verarbeiten lassen.

Lupine

Lupinen in bitter und in süß

Bereits seit einigen Jahren verwenden Hersteller die Samen von Lupinen für Lebensmittel und Getränke. Generell wird zwischen den Süßlupinen und den Bitterlupinen unterschieden. Bitterlupinen enthalten allerdings risikobehaftete Alkaloide.

Wenn diese Alkaloide nicht in einem „Entbitterungsprozess“ fachgerecht entfernt werden, können sie beim Menschen Vergiftungssymptome wie Herzrasen, Schwindel und Übelkeit auslösen. Süßlupinen werden gezielt auf niedrige Alkaloidgehalte gezüchtet, sodass die Samen ohne weitere Bearbeitung eingesetzt werden.

Lupinen-Samen nicht selbst entbittern

Kürzlich warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung: Verbraucher sollten die Entbitterung von Lupinensamen besser nicht selbst in die Hände zu nehmen, sondern auf professionell verarbeitete Erzeugnisse zurückzugreifen.

Hersteller von Produkten mit Lupinen müssen nämlich garantieren, dass keine gesundheitsschädlichen Alkaloide enthalten sind. Zur Qualitätssicherung sollten die Lebensmittel regelmäßig in Laboren geprüft werden.

Ideal für Sportler: Ein Proteindrink aus Lupinensamen?

Die Herstellung von Produkten aus Lupinen-Samen ist also aufwendig. Weil aber eine fleischlose und laktosefreie Ernährung im Trend liegt und immer mehr Konsumenten Alternativen zu tierischen Produkten verlangen, wird viel in diesem Bereich geforscht.

Fraunhofer Wissenschaftler wollen nun einen neuen Drink für Sportler entwickelt haben, der reichlich Eiweiß aus Lupinen-Samen enthält. Diesen herzustellen, erfordert jedoch tatsächlich einiges an Know-how, weil noch eine weitere Hürde zu nehmen ist.

Denn die Lupine gehört zu den Hülsenfrüchten, die Phytinsäure enthalten. Phytinsäure gilt als wenig bekömmlich, bindet wertvolle Mineralstoffe und hemmt Enzyme. Mit einem neuen Verfahren wollen die Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) die unerwünschte Phytinsäure reduzieren und gleichzeitig die Proteine erhalten können.

Die Experten setzen auf einen zweistufigen Maische- und Fermentationsprozess, wie er in Brauereien durchgeführt werden kann. Das Endprodukt sei ein Lupinenextrakt in Form von Paste oder Pulver. Da der Extrakt neutral schmecke, seien viele verschiedene Geschmacksrichtungen möglich.

Hätten das nur die armen Bauerleute im erwähnten Monty-Python-Sketch geahnt. Als Dennis Moore diesen mit seinem Diebesgut eine Freude machen wollte, jagten sie ihn mitsamt seinen Lupinen vom Hof.


Über die Autorin dieses Beitrags

Nicole Oschwald ist staatlich geprüfte Lebensmittelchemikerin und Leiterin der Kundenbetreuung am Freiburger Standort von SGS Institut Fresenius. Das dortige Labor ist Kompetenzzentrum für die Analyse von alkoholhaltigen und alkoholfreien Getränken, Fleisch- und Wurstwaren und Tierarzneimittelrückständen. Eine weitere Spezialität des Standorts ist die Aromaanalyse, die für die Getränke- und Lebensmittelindustrie eine große Rolle spielt. Mehr über die Dienstleistungen der SGS erfahren Sie auf www.sgsgroup.de und www.sgs-institut-fresenius.de.

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