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Leben mit dem Reizdarmsyndrom

Von EAT SMARTER
Aktualisiert am 06. Sep. 2018

Wenn der Darm überempfindlich und unberechenbar reagiert, spricht man von einem Reizdarmsyndrom – für Betroffene unheimlich belastend. Wie Sie mit dem Syndrom umgehen und Linderung finden, lesen Sie in diesem Beitrag.

Verstopfungen
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Eis essen, shoppen gehen, eine Wanderung in der Natur – für viele Reizdarm-Patienten unvorstellbar. Denn ihr sensibler Magen-Darm-Trakt beeinträchtigt ihr Leben manchmal so stark, dass unbeschwerte Unternehmungen nicht ohne Weiteres möglich sind.

Wie aus heiterem Himmel leiden die Betroffenen unter Durchfall, Verstopfung, Blähungen oder starken Bauchschmerzen, müssen schnellstmöglich eine Toilette aufsuchen – obwohl keine körperliche Ursache gefunden werden kann.

Viele Patienten, die mit diffusen Beschwerden von Arzt zu Arzt geschickt werden, bekommen erst nach einer längeren Leidensphase die Diagnose „Reizdarmsyndrom“ – für sie eine Erleichterung, denn die Diagnose beweist: Ihre Beschwerden waren nicht eingebildet.

Bei der Hälfte aller Darmerkrankungen in Deutschland, so vermutet man, handelt es sich um das Reizdarmsyndrom. Betroffen sind in der Mehrzahl Frauen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. Ihnen spielt der kapriziöse Darm doppelt so oft einen üblen Streich wie Männern. Bei allem Stress, den ein reizbarer Darm verursacht: Das Reizdarmsyndrom ist nicht gefährlich und hat keine organischen Ursachen. Mit verschiedenen Maßnahmen lässt es sich gut in den Griff bekommen.

Was sind die Symptome des Reizdarmsyndroms?

Von einem Reizdarmsyndrom im medizinischen Sinn spricht man, wenn:

  • länger als drei Monate anhaltende Beschwerden wie beispielsweise Bauchschmerzen oder Blähungen auftreten, die auf den Darm zurückzuführen sind und in der Regel mit Durchfall und/oder Verstopfung einhergehen
  • die Beschwerden zu einer spürbaren Verschlechterung der Lebensqualität führen
  • es keine Hinweise darauf gibt, dass die Beschwerden durch eine andere Erkrankung verursacht werden.

Typische Symptome sind:

  • Bauchschmerzen
  • Krämpfe im Unterleib
  • Unwohlsein
  • Völlegefühl
  • Unregelmäßigkeiten beim Stuhlgang
  • (Schmerzhafte) Blähungen
  • Druckgefühl im Unterbauch

Typischerweise treten die Beschwerden nicht auf, während man schläft, und bessern sich schlagartig, wenn man auf der Toilette war. 

Wie entsteht das Reizdarmsyndrom?

Warum bei manchen Menschen der Darm verrücktspielt, ist noch nicht abschließend erforscht. Es gibt aber einige Forschungsansätze zu den Symptomen:

Als Hauptursache wird vermutet, dass die Darmwand empfindlicher auf Dehnung reagiert als bei gesunden Menschen. Zum Beispiel kann sie sich übermäßig zusammenziehen, was Betroffene als schmerzhafte Krämpfe empfinden.

Bei einer gesunden Verdauung läuft der Speisebrei in einer Geschwindigkeit durch den Darmtrakt, die ihm nach und nach Flüssigkeit entzieht. Bewegt wird der Brei durch ein rhythmisches, wellenförmiges Zusammenziehen der Ringmuskulatur des Darms. Bei einem Reizdarm gerät der Rhythmus der Kontraktionen aus dem Takt: Entweder der Speisebrei wird zu schnell transportiert – dann kommt es zu Durchfall – oder zu langsam, was eine Verstopfung nach sich zieht.

Möglicherweise können auch Entzündungen der Darmschleimhaut das Reizdarmsyndrom fördern: Sogenannte Mikroentzündungen fördern dabei die Produktion von Hormonen und Botenstoffen, zum Beispiel Histamin und Serotonin, die anregend auf das Nervensystem im Darm wirken. Auch eine frühere Darminfektion kann bei einigen Patienten wahrscheinlich das Reizdarmsyndrom auslösen. 

Wie wird das Reizdarmsyndrom diagnostiziert?

Wenn Sie wiederkehrende Verdauungsprobleme haben, zögern Sie nicht, Ihren Hausarzt aufzusuchen, der Sie im Zweifelsfall an einen Gastroenterologen überweist.

Zu Beginn steht eine gründliche Anamnese, in der Sie Ihre Beschwerden schildern. Für Ihren Arzt sind auch Informationen zu Ihren Ernährungsgewohnheiten wichtig, weshalb Sie eventuell aufgefordert werden, ein Beschwerden- und Ernährungs-Tagebuch zu führen. Auch Angaben zu Ihren Lebensumständen sind wichtig, zum Beispiel zu Ihrer Arbeitsbelastung, Ihrem Alkohol- und Nikotinkonsum sowie der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten. So werden nach und nach mögliche Erkrankungen eingekreist und andere ausgeschlossen.

Um organische Ursachen Ihrer Beschwerden auszuschließen, kommen eine Reihe Untersuchungen in Frage, die durch einen Facharzt durchgeführt werden, zum Beispiel Tests auf Allergien oder Intoleranzen, eine Stuhluntersuchung auf Bakterien, ein Ultraschall des Bauches oder eine Darmspiegelung.

Wenn organische Ursachen ausgeschlossen werden können, steht die Diagnose „funktionelle Magen-Darm-Erkrankung“ fest, die sich entweder als Reizmagen oder als Reizdarm äußern kann. – Bis zur erlösenden Diagnose ist es für Patienten also ein weiter Weg.

Was hilft bei Reizdarmsyndrom?

Da die Ursachen für das Reizdarmsyndrom noch nicht final erforscht sind, werden bislang auch eher die einzelnen Symptome durch Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel behandelt. Je nachdem, ob Sie eher an Verstopfung, Durchfall, Blähungen oder Bauchkrämpfen leiden, kommen verschiedene Therapien in Frage.

Medikamente gegen Verstopfung und Durchfall

Je nachdem, ob sich ein Reizdarm vorwiegend durch Verstopfung oder durch Durchfall äußert, kommen Mittel gegen diese Symptome infrage. Wie gut sie die Beschwerden bei einem Reizdarm lindern können, ist bislang aber kaum untersucht. Viele Abführmittel (Laxantien) und Durchfallmedikamente (Antidiarrhoika) sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.

Nachteil dieser Medikamente: Möglicherweise wird nur ein Problem gegen ein anderes getauscht. So kann ein Mittel gegen Durchfall Verstopfungen auslösen, wenn es zu stark wirkt. Umgekehrt können Mittel gegen Verstopfung zu Durchfall führen. Insbesondere für Menschen, bei denen sich Durchfälle und Verstopfungen abwechseln, ist es wichtig darauf zu achten, dass die Medikamente ihre Beschwerden nicht noch verstärken.

Bei Verstopfung oder Durchfall sind ebenfalls Ballaststoffpräparate aus Flohsamen wirksam. Sie binden Wasser im Darm und verbessern die Beschaffenheit des Stuhls: Der Patient muss weniger oft auf die Toilette, Beschwerden wie Blähungen und Schmerzen werden gelindert.

Medikamente gegen Blähungen, Schmerzen und Krämpfe

Hier kann der Arzt krampflösende Medikamente, sogenannte Spasmolytika, verschreiben. Sie sollen die Spannung der Darmwand nach einer Mahlzeit verringern, die sich in krampfartigen Bauchschmerzen und Durchfall ausdrücken kann.

Mit pflanzlichen Präparaten wie Pfefferminzöl, Kümmelöl oder Bauernsenf wurden in klinischen Studien einige gute Erfolge erzielt, die jedoch noch nicht zweifelsfrei belegt sind. Ein Versuch, ob eines dieser pflanzlichen Mittel die Beschwerden mildert, ist jedoch laut Expertenmeinung nie verkehrt. 

Wie geht man mit dem Reizdarmsyndrom um?

Das Reizdarmsyndrom ist nicht lebensbedrohlich – so weit die gute Nachricht. Doch ist es nach bisherigem Forschungsstand nicht heilbar und begleitet Betroffene über Wochen, Monate oder gar Jahre. Daher ist es wichtig, den reizbaren Darm als Teil des Lebens zu akzeptieren und alles Nötige zu tun, um dennoch entspannt Arbeit und Freizeit genießen zu können. Diese Tipps können Ihnen helfen:

Eliminieren Sie Stressfaktoren in Ihrem Alltag

Auf starke Emotionen und Stress kann der Darm mit den alt bekannten Reizdarm-Symptomen reagieren. Ein guter Arzt wird Ihnen daher dazu raten, Ihr Berufs- und Privatleben kritisch zu betrachten und auf Situationen und Umstände abzuklopfen, die bei Ihnen Stress auslösen. Ebenso wichtig wie das Eliminieren von Stressfaktoren ist der Umgang mit psychisch belastenden Situationen: Hier gilt es, eine persönliche Strategie zu entwickeln, wie Sie Nervosität und Überlastung künftig begegnen wollen.

Sorgen Sie für Ausgleich durch Entspannung und Bewegung

Ausdauersport, Autogenes Training, Yoga oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson helfen, privaten und beruflichen Stress abzubauen. Die erlernten Übungen helfen Ihnen auch im Alltag, Stress auszublenden und auch auf sich selbst zu konzentrieren.

Egal, für welche Art der Bewegung Sie sich letztlich entscheiden: Bewegung ist ein Ventil für psychischen Druck. Als weiteren positiven Effekt regt sie die Verdauung an.

Durchleuchten Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten

Obwohl Mediziner immer wieder betonen, dass es keine spezielle Diät für Menschen mit Reizdarm gibt, lohnt sich doch ein Blick auf das Essverhalten. Denn manche Patienten berichten, dass bestimmte Lebensmittel bei ihnen Beschwerden auslösen. Um einen Überblick zu bekommen, kann ein Ernährungsprotokoll nützlich sein.

Auch folgende Ernährungstipps können helfen:

  • Lieber mehrere kleine als wenige große Mahlzeiten, gleichmäßig auf den Tag verteilt essen.
  • Langsam und mit kleinen Bissen essen.
  • Ausreichend trinken, mindestens eineinhalb Liter am Tag.
  • Stark gewürzte, aber auch sehr süße, salzige, scharfe, fettige und zu heiße oder zu kalte Lebensmittel meiden (setzen Sie zum Frühstück beispielsweise lieber auf warmen Frühstücksbrei statt auf eiskalten Joghurt).
  • Auf Alkohol, Koffein und Nikotin weitgehend verzichten.

Lassen Sie unangenehme Situationen gar nicht erst entstehen

Panikartiges Suchen nach einer Toilette? Das muss nicht sein. Zu einem durchdachten Umgang mit dem Reizdarmsyndrom gehört, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen:

  • Wenn Sie zu Durchfall neigen, suchen Sie in regelmäßigen Abständen eine Toilette auf.
  • Gehen Sie zur Toilette, bevor Sie das Haus verlassen.
  • Erkundigen Sie sich in fremder Umgebung, wie sich die nächste Toilette befindet.
  • Bewahren Sie in Ihrer Handtasche einen Notvorrat Durchfallmedikamente, Abführmittel sowie feuchtes Toilettenpapier auf. Wenn Ihnen ein pflanzliches Mittel hilft, sollte auch dies dabei sein.
  • Erfragen Sie im Restaurant die Inhaltsstoffe eines Gerichtes, wenn Sie unter Unverträglichkeiten leiden.
  • Verschweigen Sie Ihr Leiden nicht, denn dadurch wird es für Sie noch peinlicher. Ein entspannter, offener Umgang mit dem Reizdarmsyndrom lässt sie befreiter durchs Leben gehen.

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Bisherige Kommentare

 
Mir hilft der Verzicht auf Gluten und Stärkehaltigen Lebensmitteln. Damit habe ich das Glück, nach dem Essen nicht mehr Panisch werden zu müssen. Die Fodmaps Diät hilft auch maßgeblich, gerne mal im Netz suchen, dazu gibt es inzwischen viele hilfreiche Webseiten und Gruppen in den sozialen Netzwerken.
 
Bei mir tritt es immer nach (zuviel) Obst bzw. Fruchtzucker auf, was in dem Artikel hier überhaupt nicht als mögliche Ursache erwähnt wird, aber was durchaus dafür in Frage kommt. Ich jedenfalls esse Dinge wie Obst, Tomaten Paprika etc. nur wenn ich weiß, dass ich in den nächsten 24 Stunden das Haus nicht verlassen muss und so hat es mich noch nie auswärts "erwischt".
 
Für viele ist die Diagnose Reizdarm leider gar keine Erlösung - man erhält zwar einen Namen zu seiner "Krankheit", aber leider geht mit der Diagnose einher, dass es eben leider nicht heilbar ist und man seinem Körper meist hilflos ausgeliefert ist. Seit mehr als 10 Jahren leide ich nun an schlimmem sehr plötzlichen Durchfällen und dies mehrmals pro Woche - egal wie hoch oder niedrig das berufliche und private Stresslevel ist. Da bleibt nur zu hoffen, dass Reizdarm in den nächsten Jahren besser erforscht wird und es vielleicht doch irgendwann Hilfe geben wird. Noch als kleiner Tipp für Betroffene: den Arzt nicht nur nach Bakterien, sondern auch nach einer erhöhten Anzahl von Pilzen (Candida) suchen lassen..

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