Die Getränkeprüferin

Maibowle mit Waldmeister: Alles im grünen Bereich?

Von Nicole Oschwald
Aktualisiert am 18. Jan. 2019
Maibowle

Zum Wonnemonat Mai gehört die Maibowle einfach dazu. Eisgekühlt ist das prickelnde Getränk ein Genuss an lauen Frühlingsabenden. Die charakteristische Zutat ist neben Weißwein und Sekt der Waldmeister. Die sattgrünen Pflänzchen mit den weißen Blüten haben als Würzkraut eine lange Tradition. Schon die Germanen verfeinerten ihr Bier mit den aromatischen Blättern. Doch Vorsicht! Zu viel von dem Kraut kann Kopfschmerzen und Übelkeit verursachen.

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Genuss vs. Gesundheit

Den süßlich-würzigen Geschmack verdanken Waldmeister und damit die Maibowle dem Inhaltsstoff Cumaringlykosid. Durch Welken, Einfrieren oder Trocknen wird er in Cumarin umgewandelt. In größeren Mengen kann der sekundäre Pflanzenstoff allerdings Kopfschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen verursachen.

Hinzu kommt: Ein kleiner Teil der Bevölkerung ist besonders empfindlich. Bei diesen Personen belastet die Substanz die Leber und führt in schweren Fällen sogar zu Leberentzündungen. Dieses Gesundheitsrisiko ist auch der Grund, warum die Behörden der Lebensmittelüberwachung und wir im Labor von SGS Institut Fresenius häufiger Lebensmittel auf diesen Stoff hin untersuchen.

Cumarin ist ein natürlicher Aromastoff, der in vielen Pflanzen enthalten ist. In höheren Konzentrationen kommt er im Waldmeister oder etwa in Cassia-Zimt vor. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat das gesundheitliche Risiko durch Cumarin in Lebensmitteln bewertet und eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) abgeleitet.

Bund Waldmeister

Diese Menge kann bedenkenlos aufgenommen werden, ohne dass ein gesundheitliches Risiko zu erwarten ist. Sie liegt bei 0,1 Milligramm Cumarin pro Kilogramm Körpergewicht und Tag und gilt auch für sensible Personen. Ein Erwachsener mit 60 Kilogramm Körpergewicht könnte demnach ein Leben lang täglich 6 Milligramm Cumarin aufnehmen, ohne dass ein Gesundheitsrisiko zu erwarten ist.

Wollen Hersteller und Handel wissen, welche Mengen der Substanz in ihren Produkten enthalten sind, können diese Untersuchungen im Labor von SGS Institut Fresenius durchgeführt werden.

Die richtige Mischung macht's!

Für den Hausgebrauch gilt übrigens folgende Faustregel: Für die Selbstherstellung von Maibowle sollten nicht mehr als drei Gramm frisches Waldmeisterkraut pro Liter Bowle verwendet werden. Das entspricht etwa zwei bis drei Pflanzen – am besten mit einer Küchenwaage abwiegen. So kann der Verbraucher sowohl bei Produkten aus dem Supermarkt als auch bei der eigenen Bowle sicher sein, dass mit dem Frühlingsgetränk tatsächlich alles im grünen Bereich ist.


Über die Autorin dieses Beitrags

Nicole Oschwald ist staatlich geprüfte-Lebensmittelchemikerin und Leiterin der Kundenbetreuung am Freiburger Standort von SGS Institut Fresenius. Das dortige Labor ist Kompetenzzentrum für die Analyse von alkoholhaltigen und alkoholfreien Getränken, Fleisch- und Wurstwaren und Tierarzneimittelrückständen. Eine weitere Spezialität des Standorts ist die Aromaanalyse, die für die Getränke- und Lebensmittelindustrie eine große Rolle spielt. Mehr über die Dienstleistungen der SGS erfahren Sie auf www.sgsgroup.de und www.sgs-institut-fresenius.de.

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