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Was ist Dextrose?

Von Wenke Gürtler mit Expertenrat von Dr. med. Matthias Riedl
Aktualisiert am 09. Jun. 2022
© Pexels/ Katerina Holmes
© Pexels/ Katerina Holmes

Dextrose soll unseren Körper schnell mit Energie versorgen und unsere Leistungsfähigkeit pushen. Doch wie wirkt Dextrose auf den Organismus, in welchen Lebensmitteln steckt die Süße und für wen ist Dextrose überhaupt geeignet? EAT SMARTER klärt auf!

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Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Dextrose?
  2. Wie wirkt Dextrose?
  3. Wie gesund ist Dextrose?
  4. Welche Lebensmittel enthalten Dextrose?
  5. Eignet sich Dextrose für Kinder?
  6. Wissen zum Mitnehmen

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Wer kennt sie nicht: die fruchtigen Lutschtabletten, die es oft nach dem Einkauf in der Apotheke gibt? Hauptzutat ist Dextrose, vielen Menschen wohl besser als Traubenzucker bekannt. Gerne werden die Plättchen zum Lernen oder zum Sport verputzt, denn sie sollen Konzentration und Leistungsfähigkeit unterstützen. Doch wie gesund ist Dextrose wirklich und was passiert damit in unserem Körper? Wir haben für Sie die wichtigsten Punkte zusammengefasst.

Was ist Dextrose?

Dextrose gehört zur Gruppe der Kohlenhydrate, ist ein Einfachzucker (Monosaccharid) und wird allgemein auch Traubenzucker oder Glukose genannt. Die unterschiedlichen Bezeichnungen meinen aber immer ein und dasselbe Molekül, wobei die Bezeichnung Glukose am gebräuchlichsten ist. Sie steckt natürlicherweise in Früchten, Honig und in Spuren in den meisten Pflanzen; kann aber auch industriell aus Kartoffel-, Mais- oder Weizenstärke gewonnen werden.

In unserer Ernährung kommt das Molekül größtenteils nicht frei, sondern gebunden vor: So kann sich Glukose mit Galaktose zu Laktose (Milchzucker) verknüpfen. Auch unser Haushaltszucker ist ein Zweifachzucker (Disaccharid), nämlich aus Glukose und Fruktose. Und wenn sich Glukose an Glukose zu langen Ketten aneinanderreiht, entsteht ein Mehrfachzucker (Polysaccharid). Das ist zum Beispiel bei Stärke der Fall, die vielfach in Getreide, Kartoffeln und Vollkornbrot vorkommt.

Merke!
Dextrose ist ein Einfachzucker (Monosaccharid), der auch unter dem Namen Traubenzucker oder Glukose bekannt ist. Sie dient unserem Körper als Energielieferant. Auch in Milchzucker, Haushaltszucker und Stärke verbirgt das Molekül.

Wie wirkt Dextrose?

Dextrose beziehungsweise Glukose ist der wichtigste Treibstoff für unsere Zellen. Der größte Abnehmer ist unser Gehirn: Etwa 140 Gramm Glukose verbrennt es jeden Tag. Auch die roten Blutkörperchen akzeptieren nur diesen Zucker. Wir benötigen die Energie aber nicht nur für das Denken oder Atmen, sondern auch für jede Muskelbewegung, den Herzschlag und zur Regulation der Körpertemperatur.

Aufgrund seiner einfachen Struktur muss unser Dünndarm Dextrose nicht spalten – erste Moleküle werden bereits über die Mundschleimhaut ins Blut geschleust. Damit ist sie das schnellste Kohlenhydrat und erhöht rasch den Blutzuckerspiegel. Jetzt ist die Bauchspeicheldrüse gefordert: Sie schüttet Insulin aus, das den Zucker in die Zellen schleust. Auch Stärke liefert Energie, allerdings müssen die langen Kohlenhydratketten erst aufgespalten werden. Dadurch gelangen die einzelnen Bausteine nur verzögert ins Blut.

Benötigt der Körper die Energie nicht sofort, speichert er sie als Glykogen in Leber und Muskeln. Diese Brennstoffreserve kann schnell abgerufen werden, hat im Gegensatz zu den Fettpolstern aber nur einen limitierten Speicherplatz: Bis zu 150 Gramm in der Leber, circa 300 bis 400 Gramm in der Muskulatur, bei Ausdauersportlern mitunter bis zu 600 Gramm. Die Depots reichen außerdem nur für eine begrenzte Zeit. Nach zwölf bis 18 Stunden ohne Nahrungszufuhr sind die Speicher in der Leber leer.

Dennoch werden wir keinen Mangel erleiden, auch nicht bei ausbleibender Kohlenhydratzufuhr, wie etwa beim Fasten. Denn unser Körper ist in der Lage, selbst Glukose zu produzieren, die sogenannte Gluconeogenese. Dazu verwendet er Fettsäuren sowie Aminosäuren – bei gesteigertem Zuckerbedarf auch aus der Muskulatur. So entstehen pro Tag etwa 180 bis 200 Gramm Glukose.

Merke!
Dextrose gelangt über Darm- und Mundschleimhaut direkt ins Blut und versorgt so Organe, Muskeln und Gehirn mit Energie. Ein Zuviel wird als Glykogen in Leber und Muskeln gespeichert. Sind die Depots leer, kann der Körper Glukose selbst bilden.

Wie gesund ist Dextrose?

In seiner reinen Form ist Dextrose nicht gesünder oder ungesünder als andere Ein- oder Zweifachzucker. So liefern 100 Gramm Traubenzucker 405 Kilokalorien (1). Gewöhnlicher Haushaltszucker hat ähnlich viele Kilokalorien. Bei manchen Zuckerunverträglichkeiten ist es jedoch ratsam, mit Dextrose zu süßen. Das ist beispielsweise bei einer hereditären Fruktoseintoleranz, Fruktoseunverträglichkeit oder Saccharoseintoleranz der Fall.

Zwar sorgt Dextrose in Reinform für einen schnellen Energieschub und macht munter – aber nur kurzzeitig. Denn der Körper schüttet große Mengen Insulin aus, dadurch sinkt der erhöhte Blutzuckerspiegel wieder drastisch ab. Mit der Folge: Wir fühlen uns schlapp oder bekommen sogar Heißhunger.

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Lediglich Diabetiker sollten stets ein Stück Traubenzucker bei sich tragen, um im Fall einer Unterzuckerung gewappnet zu sein. Denn sinkt der Blutzuckerspiegel zu stark ab, können Betroffene bewusstlos werden oder sogar ins Koma fallen. Aber im normalen Alltag gelten dieselben Empfehlungen wie für alle Menschen auch: langkettige Kohlenhydrate statt Zucker. Denn wie bereits erwähnt, kann unser Körper die Energie auch aus stärkereichen Lebensmitteln gewinnen – aber ganz ohne Heißhungerattacken.

Um das anabole Fenster auszunutzen, schwören manche Sportler nach dem Krafttraining auf Dextrose. Denn Insulin unterstützt auch das Muskelwachstum, indem es die Aufnahme von Aminosäuren in den Muskel fördert. Aber bei einer isolierten Einnahme sollte man immer bedenken, dass Dextrose weder Mineralstoffe, Vitamine oder sekundäre Pflanzenstoffe mitbringt, die gesundheitlich wertvoll wären. Klüger wäre es also, zur Banane zu greifen. 

Auch in Ausdauersportarten ist Dextrose beliebt – aber eigentlich überflüssig, wenn die Belastungsdauer unter 90 Minuten liegt. Entscheidender ist es, dem gefürchteten Leistungsknick mit vollen Glykogenspeichern vorzubeugen. Und die lassen sich beispielsweise mit Kartoffeln, Nudeln, Reis, Obst und Vollkornprodukten füllen.

Merke!
Bei manchen Zuckerunverträglichkeiten ist es ratsam, mit Dextrose zu süßen. Auch Diabetiker sollten stets ein Stück Traubenzucker bei sich tragen. Im Sport oder als Nervennahrung kann man jedoch darauf verzichten.

Welche Lebensmittel enthalten Dextrose?

Von Natur aus steckt der Einfachzucker insbesondere in Früchten, Honig und in Spuren in den meisten Pflanzen. Erstmals wurde Dextrose in Weintrauben nachgewiesen. Das brachte ihr den Namen „Traubenzucker“ ein. 

Zehn Lebensmittel und ihr Dextrosegehalt im Vergleich (2):

Lebensmittel Dextrose pro 100 Gramm
Honig 33,2
Rosinen 32,0
Balsamessig 9,5 
Trauben 7,1 
Banane 3,6 
Heidelbeeren 2,5
Apfelsaft 2,4
rote Paprikaschote 2,3
Möhre 0,8
Reis (roh) 0,1

Auch die Lebensmittelindustrie nutzt die Süße vielfach, etwa um die Hefegärung in Backwaren zu optimieren oder um die Haltbarkeit von Marmeladen zu verlängern. Überdies erleichtert sie beim Pökeln von Fleisch und Würsten die sogenannte Umrötung. Die Zugabe sorgt aber nicht nur für ansprechend hellrote Färbung, sondern unterstützt ebenso den Reifeprozess von Salami, Teewurst und Konsorten. Da Traubenzucker dem Körper sehr schnell Energie spendet, aber weniger stark süßt als Haushaltszucker, werden außerdem viele Sport- und Energy-Produkte damit angereichert (3).

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Merke!
Dextrose findet sich natürlicherweise vor allem in Honig sowie Obst, aber auch in Gemüse und Getreide. Die Lebensmittelindustrie setzt den Zucker vielfach ein, unter anderem in Backwaren, Marmeladen, Fleisch, Rohwürsten, Sport- und Energy-Produkten.

Eignet sich Dextrose für Kinder?

Viele Eltern geben ihrem Kind ein Päckchen Traubenzucker mit zur Schule. Denn der ansprechende Name suggeriert gesunde Süße aus Früchten, welche die Konzentration der Kleinen unterstützen soll. Der Effekt ist allerdings nur von kurzer Dauer. Außerdem sollten Eltern sich bewusst sein, dass Dextrose auch nur eine Form von Zucker ist – und ein zu hoher Konsum schadet den Zähnen und erhöht das Risiko für Übergewicht sowie Diabetes.

Aus diesen Gründen ist es sinnvoller, den Knirpsen eine ausgewogene Pausenmahlzeit einzupacken, zum Beispiel ein herzhaft belegtes Brot mit Putenschinken oder Käse, ein Müsli mit Joghurt und Beeren oder selbst gemachte Haferflockenkekse. Um die volle Brain-Power bringen zu können, benötigt das Gehirn aber nicht nur Energie, sondern ebenso Flüssigkeit und Sauerstoff. Daher sollten Eltern und Lehrkräfte darauf achten, dass Kinder über den Tag verteilt genug trinken und regelmäßig gelüftet wird. Mit diesen einfachen Mitteln lässt sich dann ein Leistungstief wirksam vorbeugen.

Merke!
Dextrose kann auch beim Nachwuchs keinen geistigen Hänger abwenden. Besser ist es, Schulkindern eine ausgewogene Pausenmahlzeit mitzugeben und auf ausreichendes Trinken sowie regelmäßiges Lüften zu achten.

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Wissen zum Mitnehmen

Dextrose ist ein Einfachzucker, der auch als Traubenzucker oder Glukose bekannt ist – am geläufigsten ist die Bezeichnung Glukose. Sie dient unserem Körper als Energielieferant, insbesondere Gehirn und rote Blutkörperchen sind auf ihn angewiesen. In großen Mengen findet sich der Treibstoff frei in Früchten und Honig; liegt aber ebenso gebunden in Laktose, Haushaltszucker und Stärke vor.

In seiner reinen Form ist Dextrose nicht gesünder oder ungesünder als andere Ein- oder Zweifachzucker, denn er sorgt für steile Blutzuckerkurven. Und das kann Heißhungerattacken provozieren. Lediglich bei manchen Zuckerunverträglichkeiten ist es ratsam, mit Dextrose zu süßen. Auch Diabetiker sollten immer Traubenzucker bei sich haben, um bei einer Unterzuckerung schnell reagieren zu können.

Aber im normalen Alltag gelten für Diabetiker dieselben Empfehlungen wie für alle Menschen auch: Langkettige Kohlenhydrate aus Getreide, Kartoffeln, Naturreis und Vollkornbrot bevorzugen, denn sie spenden dem Körper kontinuierlich Energie, ohne den Blutzuckerspiegel Achterbahn fahren zu lassen. Davon profitiert auch das Gehirn. Überschüssige Energie wird als Glykogen in Leber und Muskulatur gespeichert. Sind die Depots gut gefüllt, ist die Sorge vor einem Leistungsknick im Sport ebenfalls unbegründet.


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