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Was ist eine Candidose?

Von Kira Tessel
Aktualisiert am 21. Jan. 2020
© Pexels/Magda Ehlers
© Pexels/Magda Ehlers

Hefepilze der Gattung Candida zählen in Deutschland zu den häufigsten Erregern von Pilzinfektionen und treten meist an Haut und Nägeln auf. Hier erfahren Sie, was sich hinter einer Candidose verbirgt.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Wie bekommt man eine Candidose?
  2. Welche Symptome gibt es bei einer Candidose?
  3. Was hilft gegen eine Candidose?
  4. Welchen Einfluss hat die Ernährung auf eine Candidose?
  5. Wissen zum Mitnehmen

Eine Candidose bedeutet eine Pilzinfektion der Gattung Candida – auch unter dem Begriff Soor bekannt. Am häufigsten werden diese Infektionen durch den Erreger Candida albicans, den "weißen Hefepilz" ausgelöst. Auch bei gesunden Menschen besiedelt er Haut und Schleimhäute und gehört zur normalen Flora. In der Regel wird dieser erst problematisch, wenn sich andere Faktoren wie pH-Wert, Hautfeuchte im Mund oder Genitalien verändern (1).

Wie bekommt man eine Candidose?

Bei dem Großteil der Gesamtbevölkerung sind Haut und Schleimhäute mit Candida besiedelt, jedoch ohne Symptome. Erst die Veränderung der bakteriellen Flora oder eine Immunschwächung kann zur Ausbildung einer symptomatischen Candidose führen. Bei gesunden Menschen sorgt die körpereigene Abwehr dafür, dass sich der Pilz nicht großartig ausbreiten kann. Wird das Immunsystem jedoch geschwächt, vor allem durch Erkrankungen oder Medikamente, kann sich der Pilz "ungebremst" vermehren (2).

Zu den Risikofaktoren gehören laut dem Nationalen Referenzzentrum für invasive Pilzinfektionen vor allem ein geschwächtes Immunsystem wie zum Beispiel bei Patienten mit HIV, Krebs, Diabetes, Verbrennungen, Organtransplantationen oder durch Antibiotikatherapien. Außerdem sind Babys, Schwangere sowie alte und kranke Menschen tendenziell anfälliger für diese Pilzinfektionen (3)

Kann man sich mit einer Candidose anstecken? In der Praxis gibt es zwei mögliche Wege für eine Infektion mit dem Candida-Pilz: Durch eine geschwächtes Immunsystem kann der bereits vorhandene Pilz überwuchern oder die Erreger gelangen von außerhalb in unseren Körper. Dabei kann die Übertragung durch direkten Kontakt oder durch gemeinsam genutzte Gegenstände erfolgen (4).

Merke!
Candida gehört bei den meisten Menschen zur natürlichen Flora von Haut und Schleimhäuten. Erst infolge eines geschwächten Immunsystems oder durch direkte Übertragung kann es zu einer Pilzinfektion kommen.

Welche Symptome gibt es bei einer Candidose?

Obwohl eine Candidose beziehungsweise Soor häufig von demselben Erreger ausgelöst wird, gibt es kein einheitliches Krankheitsbild. Die Symptome können an unterschiedlichen Körperstellen auftreten. Besonders häufig sind Mund, Rachen (Mundsoor), Speiseröhre oder Magen-Darm-Trakt betroffen. Auch Finger- und Fußnägel, sowie die Geschlechtsorgane und die Haut können von dem Erreger betroffen sein (1).

Zu den häufigsten Symptomen gehören Hautrötungen, Pusteln, Schuppen, weiße Beläge auf Schleimhäuten, die schmerzen, jucken oder brennen können. In schwerwiegenden Fällen können auch die inneren Organe betroffen sein, dann spricht man von einer systemischen Candidose. Solche Fälle treten jedoch eher selten auf. Für Risikopatienten mit stark geschwächtem Immunsystem, beispielsweise auf der Intensivstation, kann eine Pilzinfektion besonders bedrohlich werden und ist ernstzunehmen (3).

Merke!
Bei einer Candidose können je nach betroffenem Bereich unterschiedliche Symptome auftreten: Weiße Beläge, Rötungen oder Schuppen, welche schmerzen, jucken oder brennen können.

Was hilft gegen eine Candidose?

Um eine Candidose zu behandeln, sollten vorerst die Ursachen der Pilzbesiedlung beseitigt werden. Übermäßige Feuchte auf der Haut oder in Hautfalten sollten trocken gehalten werden und Hygienemaßnahmen getroffen werden, wie das Wechseln und Reinigen von Zahnbürste und Handtüchern. Es wird auch empfohlen, den Intimbereich mit Wasser oder speziellen Waschmitteln zu reinigen, normale Seife oder Intimsprays sollten eher vermieden werden. Bei älteren Menschen sollte auch auf eine gute Hygiene von Zahnprothesen und Zahnersatz geachtet und gegebenenfalls regelmäßig desinfiziert werden (7).

Bei Säuglingen sollte stets auf trockene und saubere Windeln geachtet werden. Bei einem Verdacht auf Candida sollte immer ein Arzt konsultiert werden, da dieser entscheidet, wie die Therapie ablaufen soll. Auch das Absetzen von Medikamenten wie Antibiotika oder Kortison kann dabei verordnet werden (1).

Sogenannte Antimykotika ("Antipilzmittel") sind gegen eine Candidose sehr wirksam, da sie den Pilz in der Ausbreitung hemmen oder sogar abtöten. Diese gibt es häufig in Form von Salben, Zäpfchen oder Tabletten. In der Regel können kleinere betroffene Stellen schon nach ein paar Tagen besser werden, wenn diese örtlich behandelt werden. Die Gefahr, dass die Candidose wieder zurückkommt besteht dennoch, deshalb sollte die Behandlung nicht zu schnell beendet werden und stets unter ärztlicher Aufsicht erfolgen (1).

Merke!
Eine Candidose kann durch eine ärztlich verordnete Therapie, in der Regel durch Antimykotika, behandelt werden.

Welchen Einfluss hat die Ernährung auf eine Candidose?

Fördert eine Ernährung, die reich an raffinierten Kohlenhydraten und Zucker ist, eine Darmbesiedlung mit Candida albicans? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) bewertet diese Annahme als spekulativ. Auch die Wirksamkeit einer "Anti-Pilz-Diät" beruht auf keinen wissenschaftlichen Beweisen. 

Vielmehr ist Candida albicans bei den meisten gesunden Menschen normaler Bestandteil der Darm- und Hautflora. Der Nachweis im Stuhl erfordert also nicht gleich therapeutische Maßnahmen oder Symptome. Eine vollständige anhaltende Eliminierung von Hefepilzen im Darm sei darüber hinaus nicht möglich. Für die Darmgesundheit und die Darmflora sind vor allem Ballaststoffe aus der Ernährung wertvoll sowie probiotische Milchprodukte und Lebensmittel wie Knoblauch, die einen regulierenden Effekt auf die Darmflora haben können (10).

Konzepte wie die "Anti-Pilz-Diät" scheinen vom Konzept fragwürdig und wissenschaftlich nicht haltbar: Bei dieser Diät wird weitestgehend auf Kohlenhydrate verzichtet. Da die Candida-Besiedlung im Darm eher in den hinteren Darmabschnitten (Colon) anzufinden ist, haben die Kohlenhydrate, die bereits vorher in proximalen Dünndarmabschnitten resorbiert werden weniger Effekte. Auch zeigte eine Studie an 28 gesunden Freiwilligen keinen Effekt einer zuckerreichen Kost auf die Darmbesiedlung mit Candida albicans (11).

Merke!
Bisher zeigen die wissenschaftlichen Daten keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Einfluss der Ernährung auf eine symptomatische Candidose.

Dieser Artikel liefert nur allgemeine Hinweise, empfiehlt keine Selbstdiagnose und kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. 

Wissen zum Mitnehmen

Eine Candidose ist eine Infektionskrankheit durch Pilze der Gattung Candida. Häufig sind Haut und Schleimhäute betroffen, wobei man dabei häufig auf den Begriff “Soor” trifft. Eine Candidose kann jedoch auch auf den Genitalien oder in seltenen Fällen den inneren Organen auftreten. 

Bei den meisten gesunden Erwachsenen kann eine Besiedlung mit Candida nachgewiesen werden und ist nicht pauschal mit einem Krankheitsbild gleichzusetzen. Normalerweise verhindert ein intaktes Immunsystem die Ausbreitung des Candidapilzes. Ist dieses jedoch durch Erkrankungen oder Medikamente gestört, kann es zu einem übermäßigen Wachstum des Hefepilzes kommen (3).

Auch Babys, Schwangere und ältere Menschen scheinen anfälliger für Pilzinfektionen zu sein. Weitere Faktoren können die Besiedlungsdichte ebenfalls beeinflussen, jedoch gibt es bisher keine wissenschaftlichen Hinweise, dass Ernährungsfaktoren eine Candidabesiedelung im Darm maßgeblich fördern. Bei Verdacht auf eine Candidose auf Haut, Schleimhäuten oder Genitalien sollte ein Arzt konsultiert werden, um eine entsprechende Therapie einzuleiten (11).

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