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Depressionen erkennen und behandeln

Von Jessica Bolewski
Aktualisiert am 05. Aug. 2020
Depressionen erkennen und behandeln
Depressionen erkennen und behandeln

Die Depression ist immer noch ein Tabu-Thema der Gesellschaft. Dabei leiden etwa acht Millionen Menschen in Deutschland an den seelischen und körperlichen Symptomen der depressiven Störung. Wie Sie eine Depression erkennen und diese behandeln können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Depressionen – eine Volkskrankheit
  2. Depressionen erkennen
  3. Die Symptome
  4. Die Verlaufsformen
  5. Die Ursachen
  6. Eine Depression feststellen
    1. Zu den Hauptsymptomen gehören
    2. Zu den Nebensymptomen gehören
    3. Die Einteilung
  7. Diese Lebensmittel helfen gegen Depressionen
    1. Das sagt unsere Expertin
  8. Behandlung und nützliche Anschriften
  9. Nützliche Anschriften

Depressionen – eine Volkskrankheit

In Deutschland leiden etwa acht Millionen Menschen an einer depressiven Störung. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen beginnt die erste Depression vor dem 40. Lebensjahr – und bleibt häufig unerkannt. Die Dauer einer solchen Phase variiert zwischen zwölf Wochen bis hin zu über einem Jahr.

Aktuelle Statistiken zeigen, dass Frauen häufiger von einer Depression betroffen sind, als Männer. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass Frauen eher bereit sind, über ihre psychischen Probleme zu sprechen und einen Arzt aufsuchen, als Männer. Dadurch wird die Erkrankung bei Frauen häufiger diagnostiziert.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) misst der Depression, im Vergleich zu anderen häufigen Krankheiten in den Industriestaaten, die größte Bedeutung zu. So geht sie davon aus, das Depressionen im Jahr 2020 zu den zweithäufigsten Erkrankungen zählen werden.

Depressionen erkennen:

Die Symptome

Eine Depression wirkt sich auf das seelische sowie körperliche Wohl aus und hat viele Gesichter. So verändert sich meist die Stimmungslage der Betroffenen, sie sind niedergeschlagen, freudlos, antriebslos und plagen sich mit Schuldgefühlen.

Einer der wesentlichen Unterschiede zur normalen schlechten Stimmung oder Traurigkeit ist ein wochenlanges Leiden unter den genannten Symptomen – teilweise auch über Monate hinweg.

Besonders quälend für die Betroffenen ist ein innerer „Zwang“ zum Grübeln: Negative Gedanken und Sorgen, wie etwa Versagensängste oder die Idee, bald zu verarmen, beherrschen die Gedanken.

Generell ist die Angst eine „Schwester“ der Depression, da sie häufig zusammen auftreten. So werden oft zu Beginn der Erkrankung unerklärliche Ängste verspürt, die im Laufe der Zeit von depressiven Gefühlen überlagert werden.

Doch nicht nur die Seele leidet: Oft reagiert der Körper bei Depressionen mit Schlafstörungen, Sexualstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen sowie Appetitlosigkeit. So bereitet das Essen depressiven Menschen kaum Freude und wird oft sogar als mühselig empfunden. Dadurch kann der Betroffene deutlich an Gewicht verlieren.

Leiden Sie an Depressionen? Machen Sie hier den Selbsttest mit fünf Fragen zum Wohlbefinden.

Depressiver Mann

Die Verlaufsformen

Die eine, bestimmte Verlaufsform bei Depressionen gibt es nicht, denn sie können zeitlich, im Schweregrad und in den Symptomen sehr unterschiedlich verlaufen. Die häufigste Verlaufsform ist jedoch die sogenannte Unipolare (einpolige) Depression, bei der lediglich die typischen Symptome einer Depression auftreten (zum Beispiel Niedergeschlagenheit).

Eine weitere Form ist eine abgeschwächte, dafür allerdings chronisch verlaufende Depression, die als Dysthymia bezeichnet wird. Die Betroffenen fühlen sich niedergeschlagen, müde, ängstlich und in ihrer Grundstimmung eher pessimistisch.

Die Ursachen

Vermutlich müssen mehrere verschiedene Faktoren gleichzeitig auftreten, damit eine Depression entsteht. Neben einer genetischen Vorbelastung spielt zudem auch die Lebenssituation des Menschen eine bedeutende Rolle.

Es gilt als erwiesen, dass anhaltender Stress, Überforderung, eine seelische Dauerbelastung oder auch eine schwere akute Belastung (zum Beispiel der Verlust des Partners) die Hirnfunktion beeinträchtigen und damit eine depressive Episode auslösen können.

Bei bestimmten körperlichen Erkrankungen treten überdurchschnittlich häufig zusätzlich auch Depressionen auf. Dazu zählen:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Schlaganfall
  • Diabetes mellitus
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Krebserkrankungen
  • Rheuma
  • Multiple Sklerose (MS)
  • Parkinson
  • Demenz (zum Beispel Alzheimer)
  • Migräne
  • Chronische Schmerzen

Diabetes - Wenn Essen krank macht

Eine Depression feststellen

Bei der Vermutung einer Depression kann der Arzt durch die von dem Betroffenen berichtete Vorgeschichte (Anamnese) und Fragen nach den Symptome feststellten, ob eine Depression vorliegt oder nicht.

Auch eine körperliche Untersuchung des Patienten sollte vorgenommen werden, um andere Erkrankungen, die die Symptome einer Depression hervorrufen können, auszuschließen.

In Deutschland richten sich die Ärzte bei der Diagnose einer Depression in der Regel nach einem Fragenkatalog der WHO. Hierfür müssen eine bestimmte Anzahl an Haupt- sowie Nebensymptome und weitere Kriterien vorliegen:

Zu den Hauptsymptomen gehören:

  • Gedrückte Stimmung
  • Verlust an Interesse/Freude
  • Verminderter Antrieb

Zu den Nebensymptomen gehören:

  • Konzentrieren fällt schwer
  • Vermindertes Selbstwertgefühl
  • Schuldgefühle
  • Gehemmtes oder getriebenes Verhalten
  • Wunsch, aus dem Leben zu scheiden
  • Schlafstörungen
  • Appetitstörungen

Der Schweregrad einer Depression wird dann durch die Anzahl der Haupt- und Nebensymptomen festgestellt, unter welchen der Betroffene seit mindestens zwei Wochen leidet.

Die Einteilung:

  • Leichte Depression: Mindestens zwei Hauptsymptome und zusätzlich wenigstens zwei Nebensymptome
  • Mittelgradige Depression: Zwei Hauptsymptome und drei Nebensymptome
  • Schwere Depression: Alle drei Hauptsymptome und wenigstens vier Nebensymptome

Diese Lebensmittel helfen gegen Depressionen

Das sagt unsere Expertin

Mit Expertenrat zur Ernährung von
Dr. med. Franziska Rubin
Die TV-Ärztin und Moderatorin setzt auf die Vorteile beider Welten – Schulmedizin und Naturheilkunde. Als Bestsellerautorin mehrerer Bücher liegt ihr Fokus auf der natürlichen Bekämpfung von Beschwerden und Krankheiten.

"Einige Nährstoffe wirken sich direkt auf das Gehirn und die Stimmung aus. So unterstützen etwa Omega-3-Fettsäuren das Nervensystem und können depressiven Verstimmungen vorbeugen. Fehlen Sie, kann das zu Störungen bei der Signalübertragung führen und die Entstehung psychischer Erkrankungen begünstigen. Für gute Laune sorgen außerdem Foods mit hohem Tryptophangehalt, denn diese Aminosäure kann im Gehirn zum Glückshormon Serotonin umgebaut werden."

  • Empfohlene Lebensmittel: Lachs, Radieschen, Zucchinis, Pilze, Walnüsse, Mozzarella, Kürbiskerne, Heidelbeeren, Pflaumen, Sojabohnen 
  • Ungünstige Lebensmittel: Schokolinsen, Weingummis, Schnitzel, Burger, Bier, Aufbackbrötchen

Behandlung und nützliche Anschriften

Depressionen können mit Medikamenten, einer psychotherapeutischen Behandlung oder aus einer Kombination aus beiden Verfahren behandelt werden. Daneben gibt es noch die zusätzlichen Maßnahmen einer Lichttherapie, des therapeutischen Schlafentzugs sowie die Elektrokrampftherapie.

Die Behandlungsziele sind eine Verkürzung der depressiven Episode, die erreichte Besserung zu stabilisieren, einen Rückfall verhüten, eine Selbsttötung vermeiden sowie die aktive Teilnahme am sozialen Leben, vor allem familiär und beruflich.

Nützliche Anschriften

Deutsches Bündnis gegen Depression e. V.
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universität Leipzig
Semmelweisstraße 10
04103 Leipzig
www.buendnis-depression.de

Psychotherapie-Informations-Dienst (PID)
Am Köllnischen Park 2
10179 Berlin
www.psychotherapiesuche.de

Psychiatrienetz – Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker (BApK)
Oppelner Straße 130
53111 Bonn
www.bapk.de

 
Ich bin sehr erstaunt, wenn nicht entsetzt, dass in dem Artikel die Elektrokrampftherapie so einfach als Therapiemöglichkeit genannt wird. Dies ist eine Therapieform, die bei extremen und therapierestistenten Depressionen als "ultima ratio" angewendet werden kann. Die Kognitive Verhaltenstherapie in Kombination mit Medikation ist momentan der "Königsweg" der Behandlung der Depression. Wichtigen Anteil haben die Herstellung eines strukturierten Tagesablaufs, die bewußte Einplanung positiver Aktivitäten und damit positiv empfundener Erlebnisse, körperliche Aktivitäten, Kenntnis über Entstehung und Verlauf einer Depression und Wissen um die persönlichen "Frühwarnzeichen". Die kann ambulant "angeleiert" werden oder auch stationär.
 
in der Akutphase gibt es kaum Hilfe da die Wartezeiten für Psychotherapie/-Therapeuten auch Psychiater mehr als drei Monate betragen. Danke an unser Gesundheitssystem und die neue Mithilfe der KV ist sehr bescheiden. Wir sind leider eine zwei Klassengesellschaft, wenn man Privatversichert ist, läuft das ledier ganz anders ab.
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