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Was ist Schizophrenie?

Von EAT SMARTER
Aktualisiert am 27. Dez. 2018

Etwa 15.600 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Schizophrenie. Die Krankheit ist für den Betroffenen selbst, aber auch für sein Umfeld qualvoll. Denn häufig nimmt der Schizophrene selbst nicht wahr, dass er dringend Hilfe braucht.

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Wer Natalie Portman als Ballerina Nina Sayer im Film „“ erlebt hat, erinnert sich mit Gruseln an ihre Wahnvorstellungen, die im Laufe des Films mehr und mehr die Realität verdrängen. Schwarze Federkiele wachsen aus dem Rücken, blutende Wunden heilen wie von Geisterhand über Nacht – in Ninas Welt ist nichts, wie es scheint. Für ihren Traum, die Hauptrolle in „Schwanensee“ zu tanzen, bezahlt die junge Ballerina einen unmenschlich hohen Preis.

Die Krankheit, in die Nina im Film getrieben wird, hat einen Namen: Schizophrenie. Diese psychische Störung greift tief in die Gedanken und die Wahrnehmung Betroffener ein. Gefühle, Sprache, das Erleben der eigenen Person und der Umgebung weichen stark vom Erleben gesunder Menschen ab.

Eine von hundert Personen durchlebt im Laufe ihres Lebens irgendwann eine schizophrene Episode. Wodurch genau die Krankheit ausgelöst wird, ist noch nicht vollständig geklärt. Fest steht jedoch, dass einige Faktoren bei der Schizophrenie zusammenkommen: Zum einen kann die Veranlagung, schizophren zu werden, vererbt werden. Zum anderen können einschneidende Lebensereignisse als Trigger fungieren. Auch der Konsum von Drogen wie Cannabis kann zur Ausbildung einer Schizophrenie führen.

Eine zentrale Rolle scheint ein bestimmter Botenstoff im Gehirn zu spielen: Bei schizophrenen Menschen besteht ein Überschuss des Botenstoffes Dopamin. Doch auch andere Botenstoffsysteme wie zum Beispiel das Serotonin-System scheinen an der Erkrankung beteiligt zu sein.

Diskutiert werden in der Forschung auch Veränderungen in den Gehirnen schizophrener Menschen. Ob und wie diese nachgewiesenen Veränderungen in einem direkten Zusammenhang mit der Krankheit stehen, ist noch nicht abschließend geklärt.

Welche Symptome hat Schizophrenie?

Eine Schizophrenie kommt nicht „von Null auf Hundert“. Bei rund drei Viertel der Betroffenen gibt es ein Vorstadium, das sich mehrere Jahre hinziehen kann.

Dieses Vorstadium kann sich durch Störungen des Denkens, der Stimmung und des sozialen Verhaltens bemerkbar machen. Wenn die Krankheit ihre ganze Kraft entfaltet hat – medizinisch spricht man vom „Vollbild der Schizophrenie – können ganz verschiedene Symptome auftreten. Die wichtigsten sind:

  1. Aufmerksamkeitsstörung: Viele Betroffene haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.
  2. Denkstörungen: Klare, strukturierte Gedanken zu fassen, ist nicht mehr möglich. Gedankengänge brechen ab, wechseln schnell, verästeln sich. Es kommt zu Wortneubildungen- und -verschmelzungen.
  3. Wahnvorstellungen: Betroffene beurteilen die Realität falsch und sind auch durch sinnvolle Argumente nicht von der Wirklichkeit zu überzeugen. Häufig fühlen sie sich von anderen Menschen, Institutionen oder einer höheren Macht beobachtet und verfolgt. Typisch ist auch das Gefühl der Bedrohung durch Strahlungen oder Gifte.
  4. Ich-Störung: Der Betroffene ist nicht in der Lage, zwischen der eigenen Person und der Umwelt abzugrenzen. Das äußert sich beispielsweise in dem Gefühl, Gedanken von außen eingegeben oder entzogen zu bekommen.
  5. Wahrnehmungsstörungen: Die Betroffenen haben Halluzinationen, hören Stimmen oder Geräusche, die nicht existieren. Gelegentlich nehmen schizophrene Menschen auch die eigenen Gedanken als laut gesprochene Worte wahr. Sie können Dinge riechen, fühlen oder sehen, die andere Menschen nicht wahrnehmen.
  6. Störungen der Gefühle und des Antriebs: Die Stimmungslage passt nicht zur aktuellen Situation. Der Patient erlebt gleichzeitig gegensätzliche Gefühle. Viele Schizophrenie-Patienten leiden auch unter Depressionen oder Apathie und sind nicht in der Lage, Lust oder Freude zu empfinden.
  7. Bewegungen: Übermäßige oder stark reduzierte Körperbewegungen. Manche Patienten wiederholen immer wieder dieselbe Bewegung, andere erstarren mitten im Bewegungsablauf.

Von außen betrachtet, sind diese Symptome ein mehr als klares Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Wenn ein Mensch an Schizophrenie erkrankt, sieht er jedoch häufig nicht ein, dass er krank ist. Eine Behandlung wird als unnötig abgelehnt. Eine Zerreißprobe für Familie und Freunde beginnt: Sie wollen helfen, werden weggestoßen, beschuldigt – im Extremfall führt dies bis zur völligen Isolation des an Schizophrenie Erkrankten.

Wie wird Schizophrenie behandelt?

Je schneller die Behandlung beginnt, desto größer sind die Chancen, dass die Betroffenen langfristig frei von Symptomen bleiben.

Im Mittelpunkt der Therapie stehen die sogenannten Neuroleptika. Die meisten dieser Medikamente hemmen den Botenstoff Dopamin im Gehirn, der bei Patienten mit Schizophrenie im Überschuss vorhanden ist. Die Medikamente vermindern vor allem Denkstörungen, Halluzinationen, Wahnvorstellungen, aggressives Verhalten und auffälliges Bewegungsverhalten.

Die verschiedenen Neuroleptika beeinflussen jedoch nicht alle Krankheitssymptome im gleichen Maße. Insbesondere Symptome wie Passivität und Zurückgezogenheit sind noch immer schwer beeinflussbar. Es ist möglich, dass ein Neuroleptikum keine ausreichende Wirkung zeigt, sodass der Patient ein anderes Medikament benötigt. So kommen zur Behandlung von Schizophrenie auch Antidepressiva und Beruhigungsmittel zum Einsatz.

Ist die akute Phase überstanden, kann unter Umständen auch eine Psychotherapie helfen, mit Alltagsproblemen und Stress umzugehen – und Muster zu erkennen, die als Trigger für die Krankheit wirken.

Auch wenn durch die Medikamente die akuten, quälenden Erscheinungen der Schizophrenie zurückgedrängt werden können, sind 70 Prozent der Schizophrenie-Patienten nicht oder nur eingeschränkt erwerbsfähig: Sie leiden weiterhin unter Beeinträchtigungen im Denken und in der Kommunikation, haben Schwierigkeiten, das soziale und berufliche Leben zu bewältigen.

Zurzeit wird intensiv an der Frage geforscht, inwieweit Schizophrenie auch durch eine Überreaktion des Immunsystems ausgelöst werden könnte. Die These: Im Gehirn von Menschen, die eine Schizophrenie entwickeln, sind die Immunzellen hyperaktiv. Dies lässt auf Entzündungsprozesse schließen. In einer Pilotstudie, die im November in Großbritannien angelaufen ist, bekommen Probanden Immunsuppressiva verabreicht, wie sie gegen Multiple Sklerose eingesetzt werden.

Was können Angehörige tun?

Die Diagnose Schizophrenie ändert nicht nur das Leben des Betroffenen, sondern auch seiner Angehörigen von Grund auf.

Gerade in akuten Phasen ziehen sich Betroffene zurück, nehmen Hilfe nicht an. Gerade dann ist es wichtig, dran zu bleiben: Je früher eine Schizophrenie behandelt wird, desto höher sind die Chance, trotz der Krankheit ein gutes Leben zu führen. Doch da die Schizophrenie nicht selten mit einer mangelnden Krankheitseinsicht der Betroffenen einhergeht, ist eine Behandlung häufig gerade in der Akutphase schwierig. Glücklich, wer in dieser Situation couragierte Freunde und Familie ohne Berührungsängste an seiner Seite hat!

Ein enger Kontakt zu dem Erkrankten, zuverlässige Unterstützung, eine positive Atmosphäre und ein offener Umgang mit der Krankheit tragen nachweislich dazu bei, dass der weitere Krankheitsverlauf gut verläuft.

Dr. Johannes: Warum Schizophrenie nicht gleich Persönlichkeitsstörung ist

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