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Orthorexie: Wenn gesund essen zum Zwang wird

Von Maja Seimer
Aktualisiert am 05. Aug. 2019
© Unsplash/ Henrique Félix
© Unsplash/ Henrique Félix

Wenn die Beschäftigung mit gesunden Essen sowie strenge Regeln zum Essverhalten die Gedanken beherrschen und den Alltag bestimmen, nennen Experten das Orthorexie. Wir verraten Ihnen die ersten Anzeichen dieser Essstörung.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Was ist Orthorexie?
    1. Essensregeln, die stressen
    2. "Gesundes Essen" im Fokus
  2. Wie entsteht eine Orthorexie?
  3. Selbsttest Orthorexie
  4. Was tun bei Orthorexie?
  5. Wissen zum Mitnehmen

Was ist Orthorexie?

Wir essen, weil wir Hunger haben, weil wir unseren Körper mit Energie und Nährstoffen versorgen wollen und oftmals auch einfach aus Appetit. Bei einer Orthorexie sind Betroffene stark auf eine gesunde Ernährung fixiert.

Essensregeln, die stressen

Selbstauferlegte Essensregeln bestimmen ihren Alltag und sie können kaum noch flexibel, spontan und nach Appetit essen. Ihre Stimmung und ihr Selbstwertgefühl machen sie davon anhängig, was sie sich in den Mund stecken.

Häufig tarnt sich eine Orthorexie als gesunde Ernährungsweise und Betroffene bekommen sogar Anerkennung für ihr bewusstes und diszipliniertes Essverhalten, was sie zusätzlich bestätigt.

Gesundes Essen im Fokus

Menschen mit Orthorexie, die meisten davon sind Frauen, essen in der Regel hauptsächlich natürliche und frische Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse und Nüsse. Sie achten besonders auf Qualität und meiden viele Lebensmittel komplett.

Häufig haben sie Verbotslisten, auf denen beispielsweise zuckerhaltige Produkte, Pasta oder Fast Food stehen. Auch die Menge dessen, was sie essen, ist häufig begrenzt und eine schlanke Figur ein weiteres Ziel neben der Gesundheit. Diese sollen mit viel Disziplin erreicht werden, Ausrutscher darf es keine geben.

Im Unterschied zu einer klassischen Anorexie (Magersucht), steht jedoch die Qualität und nicht die Menge des Essens im Vordergrund. Ein typisches Merkmal ist das sehr rigide und unflexible Essverhalten und dass die Gedanken sich ständig um die Mahlzeiten kreisen.

Im Gegensatz zu Essstörungen wie Anorexia oder Bulimia ist Orthorexia nervosa nicht im internationalen Klassifikationssystem ICD 10 gelistet. Ihr Status als potenzielles Krankheitsbild wird in Expertenkreisen kontrovers diskutiert.

Merke!

Menschen mit Orthorexie beschäftigen sich exzessiv mit der Qualität und den Inhaltsstoffen ihres Essens. Dabei lösen ihre selbstauferlegten Regeln starken psychischen Druck aus.

Wie entsteht eine Orthorexie?

Häufig beginnt die Orthorexie mit der Entscheidung, bewusster und gesünder zu essen. Das Thema der richtigen Ernährung ist in den Medien überall präsent. Auch unter Freunden und in der Familie wird es heiß diskutiert, Stichworte wie Clean Eating und zuckerfrei sind überall zu hören.

Immer mehr Menschen ernähren sich mittlerweile vegan oder verzichten auf bestimmte Lebensmittel oder Inhaltsstoffe wie Milchprodukte, Gluten oder Fruchtzucker.

Bei denjenigen, die von einer bewussten Ernährung in eine zwanghafte Orthorexie rutschen, kommt zu der positiven Motivation, seinen Körper bestmöglich zu versorgen, meistens ein Druck außen hinzu. „Milchprodukte sind schlecht“, „verarbeitete Lebensmittel sind Gift“ und „auf Weizen sollten Sie verzichten“ – derartige Schlagzeilen können vor allem bei jungen Mädchen und Frauen Ernährungszwänge auslösen.

Merke!

Orthorexie entsteht oft aus einer Umstellung auf gesündere Ernährung, die in ein zwanghaftes Essverhalten mit Verboten ausartet.

Selbsttest Orthorexie

Menschen mit Orthorexie beschäftigen sich grundsätzlich viel mit dem, was sie essen. Selten entsteht eine Mahlzeit aus einem spontanen Hungergefühl oder Appetit heraus. Alles ist geplant, wird in Gedanken hin und her gewälzt und auch im Nachhinein analysiert.

Der amerikanische Arzt Steven Bratman hat einen Selbsttest entwickelt, mit dem Sie abschätzen können, ob Sie in ein zwanghaftes Essverhalten gerutscht sind.

  • Denken Sie mehr als drei Stunden am Tag über Ihre Ernährung nach?
  • Planen Sie Ihre Mahlzeiten mehrere Tage im Voraus?
  • Ist Ihnen der ernährungsphysiologische Wert Ihrer Mahlzeit wichtiger als die Freude an deren Verzehr?
  • Hat die Steigerung der angenommenen Lebensmittelqualität zu einer Minderung Ihrer Lebensqualität geführt?
  • Sind Sie in letzter Zeit strenger mit sich geworden?
  • Verzichten Sie auf Lebensmittel, die Sie früher gerne gegessen haben, um sich nun richtig zu ernähren?
  • Steigert sich Ihr Selbstwertgefühl durch gesunde Ernährung?
  • Schauen Sie auf andere herab, die dies nicht tun?
  • Fühlen Sie sich schuldig, wenn Sie von Ihrer Diät abweichen?
  • Sind Sie durch Ihre Essensgewohnheiten sozial isoliert?
  • Wenn Sie sich gesund ernähren, fühlen Sie sich dann glücklich, dass Sie alles unter Kontrolle haben?

Eine Orthorexie hält Bratman für möglich, wenn vier oder mehr Fragen mit ja beantwortet werden.

Merke!

Mit einem Selbsttest können Sie herausfinden, ob Sie ein zwanghaft gesundes Essverhalten entwickelt haben. Auch, wenn Sie dieses bei jemand anderem vermuten, kann dieser Test helfen.

Was tun bei Orthorexie?

Wenn Sie Zweifel haben, ob das eigene Essverhalten oder das eines Freundes oder Angehörigen normal ist, können Sie einen zertifizierten Ernährungsberater oder Psychotherapeuten mit Spezialisierung auf Essstörungen um Rat fragen. Hat der Betroffene stark an Gewicht verloren oder seine Leistungsfähigkeit und Lebensfreude sind merklich gesunken, ist eine ärztliche Behandlung notwendig.

Weitere Informationen zum Thema Essstörungen erhalten Sie von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA). Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) sowie der Berufsverband Oecotrophologie e.V. (VDOE) bieten eine Liste mit zertifizierten Ernährungsberatern an.

Merke!

Wenn Ihr Essverhalten Zwänge angenommen hat und Sie im Alltag einschränkt, wenden Sie sich an eine zertifizierte Ernährungsberatung.

Wissen zum Mitnehmen

Gesunde Ernährung ist im Trend. Die gesundheitlichen Folgen von Fast Food, viel Zucker und Snacks werden immer deutlicher und viele Menschen wollen sich bewusster ernähren.

Wenn aus einer gesunden, bewussten Ernährungsweise Zwänge entstehen und ausnahmslos nur noch Gesundes auf den Tisch darf, nennt sich das Orthorexie. Die Gedanken von Betroffenen kreisen den ganzen Tag um die Nahrungsaufnahme, jede Mahlzeit wird geplant und anhand ihres ernährungsphysiologischen Wertes ausgewählt. Auf körperliche Empfindungen wie Appetit und Hunger zu hören, hat oft keinen großen Stellenwert mehr.

Mit einem Selbsttest können Sie herausfinden, ob Sie an Orthorexie leiden und mithilfe einer zertifizierten Ernährungsberatung zu einem gesunden Essverhalten zurückkehren, das Sie genießen und das Ihren Körper in Topform hält.   


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