Wissenschaftlich geprüft
März 2019, Universitäten Barcelona, Madrid, Granada, Quito

Darum sollten Sie Ihr Baby stillen

Von Cornelia Brammen
Aktualisiert am 04. Nov. 2020
© Unsplash/ Rainier Ridao
© Unsplash/ Rainier Ridao

Internationale Forschung von Madrid bis Quito hat gezeigt, dass gestillte Babys besser mit essenziellen Fettsäuren, vor allem Arachidonsäure und DHA versorgt sind, als Babys, die Flaschennahrung erhielten. Wichtig ist der ausgewogene Anteil beider mehrfach ungesättigten Fettsäuren für die Entwicklung der Sehkraft und der kognitiven Fähigkeiten.

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Worum ging es bei dieser Studie?

  • Im Mittelpunkt der Forschung stand die Frage, ob Fertigmilch mit zugesetzten Omega-3- und 6-Fettsäuren (DHA und Arachidonsäure) Babys genauso gut ernährt wie Muttermilch, also wenn Mütter ihr Baby stillen.
  • Die Debatte um die beste Ernährung für Babys ist so alt wie die Erfindung des Milchpulvers Mitte des 19. Jahrhunderts durch Justus von Liebig. Henri Nestlé fügte dem „Kindermehl“ kondensierte Milch hinzu. Später gab es Varianten mit Soja oder Haferflocken bis hin zu hypoallergenen Produkten. Der Babynahrungs-Sektor ist ein hart umkämpfter Millionen-Markt. 
  • Während einer Schwangerschaft wird die Plazenta ausreichend mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie Arachidonsäure versorgt. Ist das Baby auf der Welt, versiegt die Versorgung, denn der Mensch kann diese Fettsäure nicht selbst herstellen. Die Aufnahme muss über die Nahrung erfolgen. In der Muttermilch ist ausreichend Arachidonsäure enthalten. Lange enthielt fertige Säuglingsnahrung diese Komponente nicht. Dann wies der englische Arzt Michael Crawford 1992 nach, dass ein Mangel an Omega-6-Fettsäuren der wichtigste Grund für die relativ geringe Gewichtszunahme von Säuglingen war, die Fertignahrung erhalten hatten. Danach setzten die Hersteller diesen Baustein zu.

Wie lautet die zentrale Forschungsfrage?

  • Ist angereicherte Babynahrung genauso gut wie Muttermilch (also, wenn das Baby gestillt wird)? 

Wie viele Babys wurden untersucht?

  • 176 Neugeborene waren in der Gesamtgruppe. Davon wurden im Rahmen der COGNIS-Studie 61 nach dem Zufallsprinzip in die Gruppe mit Standard-Babynahrung aufgenommen, 70 in die Gruppe mit angereicherter Babynahrung und 45 in die Gruppe gestillter Babys.

Welche Methode wurde angewandt?

  • Die Studie unterlag hohen ethischen Standards wie der Deklaration von Helsinki, den Good Clinical Practice recommendations oft the EEC sowie der spanischen Gesetzgebung zu klinischen Studien in vivo. Zusätzlich ist die Studie vom San Cecilio University Hospital Ethics Committee der Medizinischen Fakultät der Universität von Granada freigegeben.
  • Die für die COGNIS-Studie ausgewählten Neugeborenen hatten ein normales Geburtsgewicht und einen normalen Apgar-Index. Mütter mit Erkrankungen des Nerven- oder Verdauungssystems waren ausgeschlossen, ebenso Mütter, die während der Schwangerschaft schädigende Medikamente eingenommen hatten.
  • Es handelt sich bei COGNIS um eine intervenierende, randomisierte Doppelblind-Studie, die bei www.ClinicalTrials.gov registriert ist.
  • Nach der Geburt wurden die Neugeborenen – je nach Gruppe – gestillt, mit Standard-Babynahrung ohne Zusätze oder mit angereicherter Säuglingsnahrung ernährt. 
  • Im Alter von drei Monaten wurden den Babys Zellen aus den Gesichtsbacken entnommen und analysiert.

Rezepte für die Stillzeit

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

  • Mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren angereicherte Säuglingsnahrung reicht für eine gesunde Entwicklung von Babys aus, sofern sie keine genetische Abweichung im Bereich des Fettstoffwechsels haben.
  • Weisen Neugeborene einen Polymorphismus im Fettstoffwechsel auf, reicht auch angereicherte Säuglingsnahrung nicht aus, um die Versorgung mit DHA und Arachidonsäure zu gewährleisten. Muttermilch ist in diesem Fall die bessere Wahl. 
  • Säuglingsnahrung ohne Anreicherung mit Omega 6 führt in jedem Fall zu einem Mangel bei Neugeborenen, der sich ungünstig auf die Entwicklung des Nervensystems und der Sehkraft auswirken kann.

Wer hat die Studie finanziert und durchgeführt?

  • ORDESA Laboratories, S.L., Spanish Ministry of Economy, Industry and Competitiveness, NEOBEFOOD Project (2010–2013) and SMARTFOODS Project (2014–2018)—CIEN Strategy (Ministry of Innovation and Science-CDTI), Bosch Gimpera Foundation/University of Barcelona (ref. n° 306811 and 308516) und EU Project DynaHEALTH (HORIZON 2020-GA No.633595).

Wo ist die Original-Studie zu finden?


BEGRIFFE: Was ist/sind eigentlich...?


Wie bewertet EAT SMARTER diese Studie?

  • Forschung trifft Volksweisheit: Die Studie ist mit der Anbindung an das international aufgestellte Studiendesign von GOGNIS wissenschaftlich seriös und auf hohem Niveau. Die Studie entspricht ethisch und wissenschaftlich den höchsten Standards. Die Vorteile von Muttermilch sind schon lange bekannt. Im Hinblick auf die neue EU-Verordnung, nach der ab Februar 2020 Säuglingsnahrung ohne Arachidonsäure verkauft werden darf, zeigt die Studie allerdings klar auf, dass damit eine ausreichende Versorgung von Neugeborenen nicht nur nicht gewährleistet ist, sondern dass eine Beeinträchtigung der Entwicklung sehr wahrscheinlich ist.
  • Von der Abweichung zum Normalfall: Untersucht wurden Neugeborene mit einer Abweichung im Fettstoffwechsel. Aus der Studienbeschreibung ist nicht ersichtlich, wie häufig dieser bei Neugeborenen vorkommt. Anhand dieser sehr speziellen Probanden-Gruppe konnte allerdings klar nachgewiesen werden, dass eine ausgewogene Zugabe von DHA und Arachidonsäure in Säuglingsnahrung auch für Neugeborene ohne Polymorphismus erforderlich ist, um eine gesunde Entwicklung zu gewährleisten.

EAT SMARTER-Relevanz-Score
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