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Die Schilddrüse, das unterschätzte Organ

Von Lina Nagel
Aktualisiert am 22. Mär. 2021
Frau kontrolliert ihre Schilddrüse

Wie ein kleiner Schmetterling sieht die Schilddrüse aus. Doch das filigrane Organ leistet in unserem Körper jeden Tag Schwerstarbeit. Warum die Schilddrüse so wichtig ist und eine Fehlfunktion uns nervös, übergewichtig oder depressiv machen kann, klärt der Live Smarter-Blog.

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Inhaltsverzeichnis

  1. Warum Jod für die Schilddrüse so wichtig ist
  2. Wenn die Schilddrüse aus dem Rhythmus gerät
  3. „Heiße“ und „kalte“ Knoten in der Schilddrüse
  4. Wie wird die Schilddrüse untersucht?

In unserem Hals, unterhalb des Kehlkopfes, befindet sich eines der faszinierendsten menschlichen Organe: die Schilddrüse. Sie ist nur so groß wie eine Walnuss, und doch passieren in der Schilddrüse einige für unseren Körper lebenswichtige Prozesse.

Das Gewebe der Schilddrüse besteht aus vielen einzelnen Läppchen, die durch Bindegewebsstraßen verbunden sind. In diesen Läppchen befinden sich zahlreiche kleine Bläschen, Follikel genannt. Hier sind in Form kleiner Tröpfchen die Hormone gespeichert, die in der Schilddrüse produziert werden:

  • Trijodthyronin oder T3
  • Tetrajodthyronin oder T4
  • Kalzitonin

Während Kalzitonin am Kalzium- und Knochenstoffwechsel beteiligt ist, erhöhen T3 und T4 den Grundumsatz des Körpers. Das heißt, alle Körperzellen arbeiten intensiver und verbrauchen dadurch mehr Energie. Wenn der Körper beispielsweise registriert, dass es kalt wird, reagiert er mit einem Anstieg der Körpertemperatur. Neben Reaktionen auf die Umwelt regulieren die Schilddrüsenhormone aber auch die Gehirnreifung und das Wachstum bei Kindern.

Warum Jod für die Schilddrüse so wichtig ist

 

Scholle

Wenn die Schilddrüse aus dem Rhythmus gerät

Die Hormone T3 und T4 bestehen zu einem gewissen Anteil aus Jod. Da Jod zu den Spurenelementen gehört, die der Körper nicht selbst bilden kann, müssen wir es regelmäßig durch die Nahrung aufnehmen. Fehlt Jod, kann die Schilddrüse nicht ausreichend Hormone bilden und wichtige Stoffwechselvorgänge sowie Wachstumsprozesse verlangsamen sich. Jodmangel führt außerdem zur Vergrößerung der Schilddrüse, Struma oder Kropf genannt.

Während der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen durch die erhöhten Stoffwechselvorgänge um bis zu 50 Prozent. Für Schwangere ist es also besonders wichtig, auf eine ausreichende Jodzufuhr zu achten.

Da Deutschland ein Jodmangelgebiet ist, sind krankhafte Vergrößerungen der Schilddrüse besonders häufig. Deshalb sollten Sie auf eine ausreichende Jodzufuhr achten, jodiertes Speisesalz verwenden und regelmäßig Seefisch essen. In Absprache mit Ihrem Arzt ist eventuell auch die zusätzliche Einnahme von Jodtabletten sinnvoll.

Arbeitet die Schilddrüse reibungslos, hilft sie mit der Produktion von Hormonen dem Körper dabei, im Gleichgewicht zu bleiben und auf Umwelteinflüsse schnell und richtig zu reagieren. Doch bei einigen Menschen produziert die Schilddrüse entweder zu viele oder zu wenige Hormone.

Produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, spricht man von einer Überfunktion oder Hyperthyreose. Der Energiestoffwechsel im Körper beschleunigt sich, und es kann kann zu Symptomen wie Zittern, Gewichtsabnahme oder Durchfall kommen. Auch Nervosität, Hyperaktivität und psychische Labilität mit Gereiztheit oder auch Abgeschlagenheit sind nicht selten.

Ursache ist häufig eine Autoimmunerkrankung des Schilddrüsengewebes, die sogenannte "Morbus Basedow". Manchmal ist auch ein gestörter Regelkreis die Ursache: Dann sprechen die Zellen der Schilddrüse nicht auf die Reize an, die von der Hirnanhangsdrüse gesendet werden, welche die Schilddrüsenfunktion kontrolliert.

Macht sich eine Schilddrüsenüberfunktion eher durch innere Unruhe, gereizte Stimmung und Gewichtsabnahme bemerkbar, ist es bei der Unterfunktion genau umgekehrt: Dann klagen Patienten über abgeschlagene Stimmung, Gewichtszunahme, Müdigkeit oder auch Kälteempfindlichkeit. Das Haar kann struppig und rau aussehen, die Stimme leicht heiser klingen.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann angeboren sein oder sich im Laufe des Lebens entwickeln. Sie kann viele Ursachen haben, in unseren Breitengraden beispielsweise Jodmangel. Auch eine chronische Schilddrüsenentzündung, Hashimoto-Thyreoiditis genannt, kann zu einer Unterfunktion führen.

„Heiße“ und „kalte“ Knoten in der Schilddrüse

Bei einer Unterfunktion kann sich die Schilddrüse vergrößern, im Volksmund ist dieses Phänomen auch als Kropf bekannt. Doch auch bei einer Überfunktion kann eine sichtbare Vergrößerung der Schilddrüse vorkommen. Ein Kropf oder medizinisch Struma kann zu einem Druckgefühl im Hals oder zu Schluckbeschwerden, bei stark vergrößerter Schilddrüse auch Atembeschwerden verursachen.

Doch die Schilddrüse kann sich nicht nur im Ganzen vergrößern, sondern auch punktuelle Knoten bilden. Werden im Bereich eines Knotens vermehrt Schilddrüsenhormone gebildet, wird von einem "heißen" Knoten gesprochen; ist die Hormonproduktion im Vergleich zum restlichen Schilddrüsengewebe vermindert, spricht man von einem "kalten" Knoten.

Wie wird die Schilddrüse untersucht?

 

Ultraschallaufnahme der Schilddrüse

Stellen Sie bei sich über einen längeren Zeitraum diffuse Symptome wie Müdigkeit, steigendes oder sinkendes Gewicht, Stimmungsschwankungen oder auch ausbleibendes sexuelles Verlangen fest, kann durchaus die Schilddrüse dahinterstecken. Sprechen Sie im ersten Schritt mit Ihrem Hausarzt, der Sie bei Bedarf an einen Spezialisten überweist. Mit folgenden Untersuchungen kommen Ärzte einer Schilddrüsen-Fehlfunktion auf die Spur:

  • Blutuntersuchung: Hier wird die Konzentrationen der Schilddrüsenhormone im Blut und der sogenannte TSH-Wert gemessen. Sie sind entscheidend für die Diagnose. Bei Schilddrüsenentzündungen lassen sich häufig bestimmte Schilddrüsen-Antikörper im Blut nachweisen.
  • Ultraschall der Schilddrüse: Mithilfe des Ultraschalls lassen sich die Größe und die Struktur der Schilddrüse beurteilen. Außerdem kann der Arzt kleine Gewebeproben der Schilddrüse zur Untersuchung unter dem Mikroskop entnehmen (Feinnadelbiopsie).
  • Schilddrüsenszintigrafie: Eine Szintigrafie dient der Überprüfung der Schilddrüsenfunktion. Dabei misst man die Jodanreicherung in der Schilddrüse. Bei der Untersuchung bekommt der Patient eine radioaktiv markierte Substanz in die Vene gespritzt. Bei einer Unterfunktion der Schilddrüse nimmt diese typischerweise die markierte Substanz weniger oder gar nicht auf.

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