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Der Good-Food-Blog
Die ersten 1000 Tage plus

Richtig ernähren vor und in der Schwangerschaft

Von Dr. Alexa Iwan
Aktualisiert am 10. Okt. 2018

Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ des Bundeszentrum für Ernährung hat gerade neue nationale Empfehlungen zu Ernährung und Lebensstil vor und in der Schwangerschaft veröffentlicht. Hier erfahren Sie mehr darüber.

Schwangerschaft
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Hintergrund der Empfehlung ist, dass von den 800.000 Babys, die in Deutschland im Jahr 2016 geboren wurden rund 12.000 alkoholgeschädigt waren, weil ihre Mütter getrunken hatten. 68.000 Neugeborene hatten eine verminderte Schilddrüsenfunktion und mehr als 100.000 werdende Mütter einen Schwangerschaftsdiabetes. 87.000 Mütter rauchten auch während der Schwangerschaft weiter und ca. 300.000 Schwangere waren übergewichtig oder sogar adipös.    

Und weil diese Zahlen wirklich alarmierend sind und offensichtlich noch immer viel Aufklärungsbedarf besteht, hat das Netzwerk Gesund ins Leben* die bundesweit einheitlichen Handlungsempfehlungen für die Schwangerschaft aktualisiert und vor allem: erweitert. Und zwar erweitert um die Zeit VOR der Schwangerschaft.

Je früher eine Prävention desto besser

In dieser Zeit nämlich, wenn die Familienplanung im Kopf beginnt, können zukünftige Mütter und Väter eine Menge für die Gesundheit ihres Nachwuchses tun. „Bei Prävention gilt: je früher sie ansetzt, desto besser“, sagt Prof. Dr. Dr. Berthold Koletzko (Kinder- und Jugendarzt und Vorsitzender der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin). „Neben Genetik spielen äußere Einflüsse eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Übergewicht und bestimmten Erkrankungen. Dabei gelten die ersten 1000 Tage ab der Empfängnis als besonders sensibles Zeitfenster und bereits VOR der Schwangerschaft lassen sich Weichen in Richtung Gesundheit stellen“.

Das heißt übersetzt: Ihre Ernährung und Ihr Lebensstil beeinflussen nicht nur Ihre eigene Gesundheit. Auch die Gesundheit Ihres Kindes wird maßgeblich davon geprägt, wie gesund Sie und der Kindsvater sind, leben und sich verhalten.

Deshalb: fangen Sie nicht erst an gesünder zu leben, wenn Sie bereits schwanger sind, sondern schon einige Wochen (besser Monate!) davor!

Konkret empfehlen die Experten, dass Frauen, die eine Schwangerschaft planen:

  • schon jetzt mit der Einnahme von Folsäure beginnen
  • ihr Körpergewicht bestmöglich an das persönliche Normalgewicht annähern (gilt auch für den Vater!)
  • ihre Rauch- und Trinkgewohnheiten überprüfen und ggf. Entwöhnungsprogramme starten (gilt ebenfalls auch für den Vater!)
  • ihren eigenen Impfstatus überprüfen lassen
  • ihre Zähne checken lassen
  • regelmäßige Bewegung in ihren Alltag einbauen

Warum diese Empfehlungen?

Das Vitamin Folsäure

Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass Folsäure das Risiko für schwere Fehlbildungen des Embryos (Neuralrohrdefekte) reduzieren kann. Folsäure ist wichtig für Zellteilung und Wachstumsvorgänge. Frauen, die eine Schwangerschaft planen, wird empfohlen, zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung 400µg Folsäure pro Tag einzunehmen. Ein entsprechendes Rezept bekommen Sie von Ihrem Frauenarzt/ärztin. Mit der Einnahme sollten Sie mindestens vier Wochen vor der Empfängnis beginnen und die Tabletten bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels einnehmen.

Wenn Sie unverhofft schwanger wurden, dann sollte Ihnen Ihr Arzt ein höher dosiertes Präparat verschreiben. Da das Neuralrohr des Embryos bereits drei bis vier Wochen nach der Befruchtung geschlossen wird, ist es ungemein wichtig, dass die Folsäurekonzentration im Blut der Mutter so schnell wie möglich den medizinischen Zielwert erreicht. Eine folsäurereiche Ernährung kann dabei zusätzlich helfen (dunkelgrünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Tomaten, Orangen).

Ein gesundes Körpergewicht

Wenn eine Frau stark übergewichtig oder sogar adipös ist, so reduziert dies ihre Chancen auf natürlichem Weg schwanger zu werden. Außerdem haben adipöse Mütter ein höheres Risiko für Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen (Schwangerschaftsdiabetes, Früh- und Fehlgeburten). Die Babys erleiden häufiger Fehlbildungen und haben häufiger ein hohes Geburtsgewicht, was späteres Übergewicht des Kindes fördert.

Lesen Sie auch: Perinatale Programmierung

Schon mit einer Gewichtsabnahme von 5 bis 10 Prozent können adipöse Frauen ihre eigene und die Gesundheit ihres Kindes deutlich verbessern. Auch übergewichtigen Vätern wird eine Gewichtsabnahme empfohlen, denn über die Spermien wird die Gesundheit des Kindes ebenso beeinflusst wie über die mütterliche Eizelle.

Das eine Gläschen Alkohol...

Ich möchte es hier ganz deutlich sagen: Es gibt keine, für ein ungeborenes Kind risikolose Menge Alkohol! Trinkt die Mutter, trinkt das Kind mit. Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kann unter anderem zu Fehlbildungen, Wachstumshemmungen, Nervenschädigungen und Intelligenzminderung beim Kind führen. Dabei ist das fetale Alkoholsyndrom die häufigste vermeidbare Behinderung bei Neugeborenen!

Die Wochen und Monate vor einer Schwangerschaft sind eine gute Zeit, um sich über sein eigenes Trinkverhalten klar zu werden und sich das „Gläschen am Abend“ abzugewöhnen.

Auf eine Zigarette...

Da Nikotin bereits die Chance schwanger zu werden senkt, sind alle Frauen mit Kinderwunsch gut beraten den Glimmstängeln so schnell wie möglich Adieu zu sagen. Mit Baby im Bauch ist Rauchen (genau wie Alkohol) ein absolutes No-go. Auch Rauchen fördert Fehlbildungen, Früh- und Fehlgeburten, vorzeitige Plazentaablösungen sowie Allergien beim Kind.

Eine geplante Schwangerschaft ist eine gute Gelegenheit, um mit dem Rauchen aufzuhören. Auf www.rauchfrei-info.de finden Sie Infos und Unterstützung speziell auch für Schwangere. Sein Geld statt in Zigaretten in Babysachen zu investieren, macht eh viel mehr Spaß.  

Der kleine Pieks

Praktisch alle Virusinfektionen in der Schwangerschaft sind gefährlich für Mutter und Kind. Und Schwangere sind aufgrund der hormonellen Anpassungen infektionsanfälliger als sonst. Deshalb ist jede Frau mit Kinderwusch gut beraten ihren Impfstatus zu überprüfen. Mumps, Masern, Röteln und Windpocken sind Lebendimpfstoffe, die in der Schwangerschaft nicht verabreicht werden dürfen. Dies sollte mit einem Sicherheitsabstand von mindestens einem Monat vor einer Empfängnis erfolgen.

Totimpfstoffe wie z.B. Keuchhusten können grundsätzlich auch während der Schwangerschaft geimpft werden, aber auch hier gilt: vorher ist besser. Wenn Sie eine Schwangerschaft über den Herbst/Winter planen, dann sprechen mit Ihrem Arzt unbedingt auch über die Grippeimpfung. Schwangere, die sich mit Grippe anstecken, erkranken oft sehr heftig. Auch wäre das Neugeborene durch den mütterlichen Impfschutz in den ersten Lebenswochen geschützt.

Auf die Zähne geschaut

Wussten Sie, dass Mütter mit unbehandeltem Karies die Kariesbakterien an ihr Kind weitergeben? Und eine Parodontitis der Mutter war in etlichen Studien mit einem erhöhten Risiko für eine Frühgeburt verbunden. Deshalb sollten Sie bei Problemen mit den Zähnen unbedingt rechtzeitig vor der Schwangerschaft zum Zahnarzt gehen und sich behandeln lassen.

Während der Schwangerschaft ist eine gute Mundhygiene sehr wichtig, denn die hormonellen Veränderungen in den neun Monaten begünstigen die Entstehung von Zahnfleischentzündungen. Deshalb sollten Sie sich nicht nur regelmäßig die Zähne putzen, sondern auch stets die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder kleinen Bürstchen säubern.

Immer in Bewegung bleiben

Der menschliche Körper ist nicht fürs Rumliegen auf der Couch konzipiert! Das gilt auch in der Schwangerschaft. Viele Untersuchungen zeigen, dass körperliche Aktivität in moderatem Ausmaß die Schwangerschaft an sich positiv beeinflusst und auch dem Baby zugute kommt (unter anderem weniger Frühgeburten, Kaiserschnitte, Schwangerschaftsdiabetes, Inkontinenz, Rückenschmerzen). Die Zeit vor der Schwangerschaft können Sie prima dazu nutzen, sich ein Sportprogramm auszusuchen, das Ihnen Spaß macht und Sie regelmäßig vom Sofa runterholt.

Perfekt wären 5x pro Woche je 30 Minuten Sport. Und zwar in einer Intensität, bei der Sie noch ein Gespräch führen können. Walken, Radfahren, Schwimmen, Wassergymnastik, Aerobic, Yoga, Langlauf eigenen sich sehr gut. Sportarten mit hohem Verletzungsrisiko sind natürlich ungeeignet. Sollte es Probleme während der Schwangerschaft geben oder Sie sich unsicher sein, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Grundsätzlich sollten Sie aber auch mit Baby im Bauch im Alltag mobil und beweglich bleiben.

Ja, Kinder sind eine verantwortungsvolle Aufgabe. Und unsere Verantwortung als Eltern fängt nicht erst in dem Moment an, in dem wir die Würmchen zum ersten Mal im Arm halten, sondern schon viele, viele Monate vorher. Ich bin sehr dankbar, zwei gesunde Kinder bekommen zu haben und ich wünsche mir, dass möglichst jede Mutter und jeder Vater auf der Welt dieses Glück auch erfahren darf. Deshalb dieser Beitrag – mit dem ich niemandem Angst davor machen möchte, was alles passieren kann, sondern Ihnen zeigen möchte, dass Sie mit wenigen Veränderungen in Ihrem eigenen Leben ganz viel dafür tun können, dass Ihr Kind den besten Start ins Leben bekommt.

Herzlichst

Dr. Alexa Iwan


Sie planen schwanger zu werden oder sind bereits schwanger und möchten sich noch genauer informieren? Dann schauen Sie doch mal auf diesen Seiten:

www.gesund-ins-Leben.de
www.in-form.de

Ihr Kind ist schon auf der Welt? Dann laden Sie sich die kostenlose App „Baby & Essen“ auf Ihr Handy. Hier werden vom Stillen über Beikost bis zum Familienessen alle Fragen zur Ernährung im 1. Lebensjahr beantwortet. Inkl. Breikalkulator und Papa-Modus.

Sie sind Fachkraft und arbeiten mit schwangeren Frauen? Dann finden Sie die neuen Handlungsempfehlungen hier oder in gedruckter Form in der Fachzeitschrift „Geburtshilfe und Frauenheilkunde“.

* Gesund ins Leben ist ein Netzwerk von Institutionen, Fachgesellschaften und Verbänden, die sich mit jungen Familien befassen. Das Ziel ist es, Eltern einheitliche Botschaften zu Ernährung und Bewegung zu vermitteln, damit sie und ihre Kinder gesund leben und aufwachsen.

Die Handlungsempfehlungen werden unterstützt durch den Berufsverband der Frauenärzte (BVF), den Deutschen Hebammenverband (DHV), den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) sowie den wissenschaftlichen Fachgesellschaften Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) und Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi).

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